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Die menschliche Gier: An der Börse der größte Feind der Investoren

| Quelle: INV

Nicht wenige Marktbeobachter sind der Meinung, dass es an der Börse momentan ziemlich langweilig zugeht. Begründet wird das in der Regel damit, dass der DAX als vermeintliches Spiegelbild des deutschen Aktienmarktes seit einigen Wochen mehr oder weniger auf der Stelle tritt. Doch der DAX ist eben nicht alles. Abseits des großen Index geht es nämlich gerade so richtig zur Sache. Wie am Dienstag an dieser Stelle bereits berichtet (Investmentecke vom 5. September), herrscht gerade im Bereich der Kryptowährungen ein regelrechter Hype, der mittlerweile auch auf die Aktienmärkte übergeschwappt ist.

Neben der Bitcoin-Group hat es diese Woche auch die Aktie von The Naga Group „erwischt“. Das Unternehmen, das als Anbieter innovativer Technologien im Finanz- und Gamingsektor gilt und im vergangenen Jahr mehr Verlust als Umsatz generierte, hat nach eigenen Angaben eine digitale Geldbörse entwickelt, mit deren Hilfe Anleger ihre im Internet erworbenen Bitcoins gegen Diebstahl sichern können. Bekannt ist das schon länger, aber im Sog der Bitcoin-Group wurden einige Anleger am Montag plötzlich auf die Aktie aufmerksam und sorgten innerhalb von 24 Stunden für einen Kursanstieg von mehr als 400 Prozent. Konkret schoss die Aktie von 4,40 Euro bis auf über 22 Euro nach oben, um im Anschluss ruckzuck wieder auf 9 Euro abzustürzen.

Während die Profi-Zocker in diesem Umfeld wahrscheinlich jede Menge Geld verdient haben, dürften zahlreiche Privatanleger mal wieder frustriert auf ihr Depot gucken. Denn wer nach den Meldungen über die Kursrally der Aktie direkt am Dienstagmorgen eingestiegen ist, um noch möglichst früh auf den fahrenden Zug aufzuspringen, der erwischte fast automatisch den Höchstkurs und musste mit ansehen, wie die Aktie danach in den Sinkflug überging. Ein leider wieder mal ganz typisches Phänomen und ein Beleg dafür, wie schädlich die menschliche Gier an der Börse sein kann.

Apropos Gier. Unter der Überschrift „Gier frisst Hirn - Dieses Wertpapier will momentan jeder Anleger haben“ hatten wir vor fast genau sieben Monaten über ein damals extrem beliebtes wikifolio-Zertifikat berichtet (Investmentecke vom 8. Februar). In dem als Basiswert für dieses Zertifikat dienenden wikifolio mit dem Namen „IREX“ handelt die Intelligent Recommendations GmbH eine zum Teil extrem stark gehebelte Index-Strategie, deren Signale auf Basis von Umfragen erfolgen, was von den Machern als „kollektive Intelligenz“ beschrieben wird. Zum Zeitpunkt unseres recht kritischen Artikels hatten Investoren fast 6 Mio. Euro in das wikifolio investiert, das seit dem Start zwei Jahre zuvor eine mehr als beeindruckende Performance von 1.800 Prozent auswies. Schon damals hatten wir jedoch auf die enormen Risiken verwiesen, die hier eingegangen werden und bei ungünstigem Verlauf auch schnell mal zum Totalverlust führen können. Einen kurzzeitigen Rückgang von 70 Prozent hatte es da schon einmal gegeben.

Von diesen bei wikifolio.com auf der Homepage sofort erkennbaren Risiken haben sich die meisten Anleger aber nicht beirren lassen. Zumal die Performance bis Mitte Juli noch weiter auf fast 2600 Prozent anstieg. Die Gier gewann bei vielen Investoren dann wohl endgültig die Oberhand und sorgte dafür, dass immer neues Geld in das Zertifikat floss. Selbst bzw. gerade dann, wenn es mal stärker nach unten ging. Die von den Verantwortlichen in der Vergangenheit häufig gefeierten Turnarounds blieben zuletzt aber immer öfter aus. Stattdessen lieferte die kollektive Intelligenz wohl reichlich Fehlsignale, wodurch das wikifolio seit dem Hoch im Juli um fast 90 (!) Prozent abgestürzt ist. Allein gestern ging es intraday um über 50 Prozent nach unten. Da trotzdem immer noch rund 3 Mio. Euro an Anlegergelder investiert sind, kann man sich ausmalen, wie viel Kohle hier zuletzt vernichtet wurde.

Fast noch schlimmer ist aus unserer Sicht aber, dass die Risiken trotz dieser Talfahrt keineswegs reduziert wurden. Gestern Abend war das Portfolio zu annähernd 100 Prozent in Hebelprodukten investiert, die auf fallende Kurse der großen Aktienindizes setzen. Die beiden Schwergewichte bezogen sich dabei auf den DAX und hatten Hebel von 55 bzw. 100! Schon ein kleines Aufwärts-Gap von 100 Punkten über Nacht hätte hier bereits zu einem Knock-out führen können. No risk, no fun… (WKN: LS9JBB).

Thomas Koch

Schlagworte:
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LUS Wikifolio-Index IREX open end (L&S)

STU 0,012 +9,09%
EUR 17.11.2017 +0,001

zum Kursportrait
Im Artikel erwähnt...
THE NAGA GROUP AG NA O.N.
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