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Die Weitsicht

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Wall Street macht vor, wie ein freier Markt politische Ereignisse bewertet und für die Zukunft einpreist. Der tragische Verlauf der amerikanischen Präsidentschaftswahl ist ein gutes Beispiel. Alle Prognosen über den Wahlausgang erweisen sich als falsch. Gewettet wurde mehrheitlich auf einen deutlichen Wahlsieg von Joe Biden, herausgekommen ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit wahrscheinlichem Ausgang zugunsten von Herrn Biden (Stand Donnerstagvormittag). Die Wall Street bewertete so gut wie alle Sektoren und Aktien ohne größere Ausnahme. Was daran stimmt oder nicht, ist vorerst offen. Lt. Umfragen haben angeblich 80 % aller US-Wähler den Stand der Pandemie als wichtigste Leitlinie für ihre Stimme eingeordnet. Wenn sich das als richtig erweist, ging es also vor allem um ein nationales Thema für alle, aber durchweg weniger als eine persönliche Alternative, sich zwischen zwei Opas zu entscheiden. Das ist nicht unwichtig. Denn:

Keiner der beiden Kandidaten lieferte ein brauchbares und seriöses Wirtschaftsprogramm. Joe Biden operierte im Wahlkampf mit mehreren Billionen Dollar Wirtschaftshilfen aller Art, wobei schon jetzt klar ist, dass er dafür keine Mehrheit im Senat erhält und nur über eine hauchdünne Mehrheit im Kongress verfügen dürfte. Beides ist noch nicht endgültig. Damit sind sämtliche Hochrechnungen für einzelne Unternehmen oder Branchen zunächst auf Eis gelegt.

In den kommenden zwei bis drei Monaten bis zur Amtsübernahme am 20. Januar wird es umfangreiche Absichtserklärungen und Kombinationen über die echten Ziele geben. Dann beginnt das Rechnen und die Einschätzung.

Die positive Reaktion des Marktes liefert gleichwohl interessante Erkenntnisse. Die Amerikaner sind bekanntlich praktisch und zuversichtlich, in der Regel auch mutiger als alle Europäer zusammen, auch die Deutschen gehören dazu. Sie baut offensichtlich darauf, dass die USA nach der Überwindung der Pandemie mit neuen Akzenten in der Forschung oder Technik Maßstäbe setzt. Das entspräche allen Verhaltensformen nach jeweiligen Krisen im eigenen Land. An der internationalen Ausrichtung ändert sich nichts. Die Amerikaner genügen sich selbst. Also preist der Markt nun das ein, was in der großen Technik, in der kleinen Technik und demnächst in der Klimatechnik zu erwarten ist. Dabei spielt ein wichtiger Aufhänger eine Rolle, der anders als in Deutschland funktioniert:

Die deutsche Politik und die Öffentlichkeit ordnen Klimatechnik insbesondere unter dem Begriff ethischer Verantwortung ein. Alle bisher bekannten Fördermaßnahmen sollen der Klimatechnik genügen. In keinem Entwurf dieser Art gibt es Lösungsvorschläge dafür, wie man dies effektiv macht. Auf keinen Fall geht es um Investitionen, die anschließend zu Gewinnen führen. Denn nur das wäre der Lohn für ein Investment. Für die Amerikaner ist Klimatechnik kein Ethikthema, sondern erst dann überhaupt ein Thema, wenn man damit Gewinne erzielen kann. Also ist damit zu rechnen, dass jeder künftige Präsident jedes Förderprogramm in Klimatechnik auf diesen Aspekt abheben muss. Lohnt sich ein Investment in Sachen Klima, ist genügend Kaptal vorhanden, um loszulegen. Wasserstoff ist dafür zurzeit das geeignetste Produkt, das zur Diskussion steht. Besser als Windkraft und Solar mit unterschiedlichen Ergebnisrechnungen, aber weniger Lukrativität. Ergo:

Ich bin gespannt, wie die amerikanische Industrie dieses Thema nun angeht und dynamisch umsetzt. Das wird die spannendste nächste Periode, die für mindestens 10 bis 15 Jahre dominiert.

Ihr

Hans Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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