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Die wirkliche Wette

| Quelle: Hans A. Bernecker | Lesedauer etwa 2 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Deutschland diskutiert über eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank, angeblich forciert von der Bundesregierung. Die Nachricht darüber sorgte zunächst für einen positiven Eindruck mit nachhaltigen Bauchschmerzen. Inzwischen nimmt die Kritik zu und was kommt raus?

 

Ob eine solche Fusion betriebswirtschaftlich Sinn macht und erreichbar ist, gilt als sehr umstritten. Vorbild ist der Fall Commerzbank/Dresdner Bank, der nur mit größter Mühe gelang und die neue Commerzbank nicht wesentlich weiterbrachte. Die wirkliche Wette liegt woanders:

Die Deutsche Bank weist seit 20 Jahren mehr oder weniger die gleichen Kriterien auf, die gemeinhin für die Beurteilung einer Bank gelten. So die Eigenkapitalquote in verschiedenen Abgrenzungen, den Zinsüberschuss oder die Aufwandsquote,  die regelmäßigen Rückstellungen für Kreditrisiken in Prozent der Bilanzsumme und auch das Eigenkapital in Prozent der Bilanzsumme. Das Einzige, was völlig aus dem Rahmen gefallen ist, ist der Börsenwert in Prozent der Bilanzsumme, der zu dem niedrigsten Ergebnis führt, das in Europa überhaupt denkbar ist. Die Differenz wurde in den vergangenen 10 Jahren damit erklärt, dass die Risiken in der Bilanzsumme der Deutschen Bank unberechenbar seien. Tatsächlich traf dies auch zu. In 2009 verfügte die deutsche Bank über ein sogenanntes Derivate-Portfolio im Umfang von über 200 Mrd. €, das nicht bewertbar war. Es gab dazu keine Marktpreise und mithin wurde der Eigenkapitalbedarf für dieses Klumpenrisiko in den jeweiligen Berechnungen verdoppelt. Der Restwert dieses Klumpens wird im Moment bei etwa 20 Mrd. € geschätzt, aber nicht bestätigt. In 2020 laufen sämtliche Termine für dieses Portfolio aus. Mithin ist es eine Kernfrage, wie man mit diesen Beträgen umgeht und auf die Berechnung des Marktwertes der Deutschen Bank umlegt. Und nun die Wette:

Nach Bereinigung dieses Klumpenrisikos erhöht sich der Marktwert der Deutschen Bank rein rechnerisch um etwa 40 bis 50 %. Bezieht man den Marktwert auf die genannten Koeffizienten und bilden sich keine neuen Risiken, so liegt der Marktwert der Deutschen Bank bei mindestens 35 Mrd. und je nach den Umständen der Zinslandschaft bis 45 Mrd. €. Wer wagt eine solche Prognose?

Sie ist gar nicht schwer, sondern eher simpel, denn die Struktur der Deutschen Bank hat sich, wie die genannten Koeffizienten zeigen, überhaupt nicht geändert. Sie ist immer noch eine Universalbank, der größte Devisenhändler für Deutschlands Exporteure, einer der größten Bonddealer mit amerikanischer Schlagseite, doch das Einzige, was ihr fehlt, ist die Glaubwürdigkeit, ob die alten Daten/Koeffizienten auch weiterhin gelten sollen.

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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