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Die Zeitbombe

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Seit Montag dieser Woche ist der mutigste Shortseller New Yorks öffentlich dabei, eine große Shortposition gegen Tesla aufzubauen oder hat sie bereits aufgebaut. Jedenfalls sucht er weitere Mitstreiter. DME ist sein Name, den wir kennen, aber nicht wörtlich zitieren dürfen. Er ist derjenige, der vor 12 Jahren und 71 Tagen Lehmann an die Wand fahren ließ, woraus die Finanzkrise entstand. Alles Weitere ist hinreichend bekannt.

Tesla ist im Moment das schwächste Glied im Sektor der Big Techs und das jüngste dieser Art. 505 Mrd. $ oder mehr Marktwert für ein Autounternehmen ist eine irrelevante Größe. Dafür gibt es keine Gründe, aber sehr viel Glauben. Die Leistung von Elon Musk ist ausdrücklich zu unterstreichen, aber zu viel ist zu viel. Freie Märkte haben die Eigenschaft, solche Übertreibungen angemessen zu korrigieren. Darum geht es. Das kann spektakulär verlaufen oder angemessen, aber in der Regel mit einer klaren Korrektur aller betroffenen Titel.

Zwei Vorbilder gibt es dafür, die im aktuellen Fall zur Auswahl stehen. Der berühmte Crash vom Oktober 1987 hatte die Übernahmeschlacht um Nabisco, dem damals größten Nahrungsmittelkonzern der Welt, als Kern. Diese Übernahme sollte mit Bonds finanziert werden, wovon nur noch ein Wort in Erinnerung blieb: Junk Bonds. Das kostete den Dow im ersten Schritt 560 Punkte innerhalb von 20 Minuten oder knapp 18 %. In 10 Börsentagen war das Ganze aufgefangen. Der Meister war Alan Greenspan von der Fed.

Ebenfalls im Oktober 1998 fuhr der damals größte Hedgefonds in den Keller. Mit Eigenmitteln von 3,8 Mrd. $, aber über 30 Mrd. $ Krediten, wurde ein Portfolio nach dem Modell eines Nobelpreisträgers aufgebaut. Innerhalb von 1 Minute war es verbrannt. Drei New Yorker Großbanken und die Fed fingen das Ganze auf und nach 8 Tagen war es ebenfalls weitgehend liquidiert. Also: Shortattacken in den aktuellen Größen führen zum gleichen Ergebnis: Scharfer Einschnitt des Betroffenen nebst Kollateralschäden seiner Umgebung und nach kurzer Zeit ist auch dies vorbei. Wir reden von 8 Bio. Dollar Gesamtwert aller Tech-Giganten nebst Mitläufern und das kostet um 20 % oder 2 Bio. Dollar. Auf diese Größenordnung haben auch die genannten Vorbilder jeweils reagiert.

Wann dieser Fall akut wird, lässt sich nicht auf der Uhr ablesen, wahrscheinlich eher im Kalender. Diesmal ist es November. Das Besondere daran: Alle großen Indizes jonglieren im Moment wie auf einem Hochseil in einer deutlich überkauften Marktlage. Das ist die empfindlichste Ausgangslage dafür, dass und wie der Markt reagiert. Ob dies noch vor Weihnachten oder im Januar geschieht, weiß keiner. Dass aber diese Bombe entschärft werden muss, weiß in New York jeder, hofft, dass er nicht dabei ist und gibt es auch ungern weiter. Das Ergebnis ist jedenfalls am Ende befriedigend.

Ein solcher Blitzschlag bereinigt innerhalb von Minuten sämtliche Fehlspekulationen der Longseite und damit ist die Fortsetzung eines weiteren Trends sicher. In den beiden genannten Fällen lagen die Jahresendkurse schon deutlich höher als vorher. Mal sehen, wie es diesmal läuft.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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