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Die Zinswette

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Inflation und Zinsen sind das Thema dieser Tage. Die Aufregung um die Inflationsrate lohnt nicht für größere Diskussionen, weil darin noch kein Sprengstoff steckt. Nach jeder globalen Krise in Sachen Gesundheit trifft Ähnliches zu wie nach einem Krieg oder einem sonstigen globalen Ereignis. Der Aufholprozess führt durchweg zu höheren Kosten und Preisen, also dem bekannten Überwälzungseffekt. Viel wichtiger sind die Zinsen.

Der amerikanische Fed-Chef beruhigte in den letzten zwei Tagen in den Anhörungen des Kongresses alle Gemüter, indem er versprach, die Renditen für Treasury Bonds noch lange Zeit niedrig halten zu können. Doch der Markt zeigt das Gegenteil: Er glaubt diesen Zusicherungen nicht und spielt sein eigenes Ding. Was ist das?

Die Zinsen am Kapitalmarkt entwickeln sich im freien Markt aus Angebot und Nachfrage mit der Nachfrage der Schuldner und dem Angebot von Kapital seitens der Gläubiger. Letztere sind die Käufer oder Investoren in Anleihen. Offenbar glauben sie der Fed nicht mehr, weil diese aus naheliegenden politischen Gründen eine Vision aufrechterhält, die sich nicht verteidigen lässt. Der Anstieg der Renditen für 10-jährige T-Bonds von 0,525 % im August letzten Jahres auf inzwischen 1,43 % per heute ist eine klare Tendenz, die nun auch von dem sogenannten 200-Tage-Durchschnitt deutlich unterstützt wird. Es geht künftig um das Tempo dieser Zinssteigerungen und ihre Wirkungen.

Die reale Wirtschaft nimmt eine dauerhafte Inflationsrate in angemessenem Umfang hin. Das beste Beispiel dafür sind die Jahre 1952 bis 1981, als die T-Bonds von 2,3 % bis auf 16 % anzogen. In all diesen Jahren war trotz Vietnam-Krieg oder Ölkrise die amerikanische Wirtschaft nie zu stoppen. Auch kleinere Korrekturen wurden gut überwunden.

Seit 1981 fielen die Renditen in ebenfalls rund 30 Jahren kontinuierlich von den genannten 16 % bis rund 2 %. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind bekannt.

Seit der Finanzkrise wird diese Funktionsweise des Kapitalmarktes unterlaufen. Allein aus politischen Gründen, wie beispielsweise von Präsident Obama mit seinen berühmten Obamacare-Finanzierungen im Volumen von ursprünglich rd. 800 Mrd. Dollar pro Jahr. Seit der Coronakrise praktiziert man das Gleiche mit dem Kauf von Anleihen. Der Bondmarkt wird also vergewaltigt, indem eine freie Preisbindung nicht erlaubt ist.

Der neue Präsident legt einen drauf. Er will 1,9 Bio. Dollar über den Verkauf von Treasury Bonds schrittweise aus dem Markt nehmen und überfordert die Angebotsseite. Dann sind steigende Zinsen eine sichere Annahme sowohl auf der Zeitachse als auch im Umfang. Das ergibt keinen Bond-Crash und keine Zinshausse, aber eine Tendenz zu langsam steigenden Renditen am Kapitalmarkt und anschließend zu einer sehr wahrscheinlichen Tendenz der Fed am kurzfristigen Markt, die Anpassung der kurzen an die langen Zinsen zu erreichen. Das geht in der Regel in kleinen Schritten von 0,25 %-Punkten alle zwei bis vier Wochen.

Das Bild ist kurz skizziert, aber nachhaltig nachvollziehbar. Und wo liegen die Risiken? In einer solchen Zinstendenz bauen sich die Übertreibungen in den Bewertungen von Aktien fast automatisch ab. So wird aus einem KGV von 30 ein solches von 25 oder 20 und schließlich 10. Betroffen sind davon die, die im Trend der fallenden Zinsen besonders begünstigt wurden. Dazu gehören fast alle Techs, deren Geschäfte solide und zukunftsreich sind, aber deren Bewertung einfach revisionsbedürftig sind. Dieser Prozess hat nun begonnen und so erklärt sich der Zusammenhang zwischen Zinsen und Korrekturen in den betroffenen Titeln.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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