DAX ®11.325,44-1,77%TecDAX ®2.567,19-3,70%Dow Jones25.387,18-2,32%NASDAQ 1006.829,10-2,98%
finanztreff.de
Liebe finanztreff.de-Nutzer, aufgrund eines Devisenkursproblems kommt es derzeit zu falschen Berechnungen im Portfoliobereich unter Mein finanztreff. Unsere Techniker sind informiert und beheben das Problem. Wir bitten um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten und um etwas Geduld.

Diese eine Börsenregel sollte wirklich jeder verinnerlichen

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Talfahrt an den Aktienmärkten hält trotz der gestern angelaufenen Erholung an und viele der in den vergangenen Jahren so erfolgsverwöhnten Anleger reiben sich verwundert die Augen. Schön zu sehen ist vor allem das auf der Social Trading-Plattform wikifolio.com, wo neben professionellen Daytradern, Medienverlagen und Vermögensverwaltern auch zahlreiche Hobby-Trader sowie ganz normale Privatanleger ihre Anlagestrategie öffentlich machen und ihre Trades sowie das Börsengeschehen kommentieren. Insgesamt gibt es mittlerweile fast 23000 der hier als wikifolio bezeichneten Musterdepots. Gut ein Drittel davon ist sogar über ein Indexzertifikat von Lang & Schwarz an der Börse investierbar.

In den vergangenen Jahren wurden hier zum Teil phänomenale Ergebnisse abgeliefert, was Investoren dazu motivierte, Kapital in Millionenhöhe in diese Zertifikate zu investieren. Aktuell werden immer noch gut 70 Mio. Euro exakt so an der Börse investiert, wie die Trader der zehn beliebtesten wikifolios dies über ihre Musterdepots vorgeben. Im Vergleich zum Vormonat ist dieser Wert allein durch die erlittenen Kursverluste aber um mehr als 10 Prozent gesunken. Trotz dieses Rückschlags ist die Gesamtperformance dieser zehn wikifolios immer noch klar positiv. Zum Teil haben sich hier in den vergangenen Jahren prozentual dreistellige Kursgewinne angesammelt. Dabei lag der Fokus vielfach auf kleineren Nebenwerten oder amerikanischen Technologieaktien.

Nach den Gründen, warum deren Kurse über einen doch recht langen Zeitraum so extrem stark gestiegen waren, haben sich viele Trader lange Zeit keine großen Gedanken gemacht. Die veröffentlichten Unternehmenszahlen sahen gut aus und die Prognosen ließen wenig Zweifel daran aufkommen, dass der positive Trend in den kommenden Quartalen oder sogar Jahren weiter anhält. Ob das alleine eine Vervielfachung des Börsenwertes rechtfertigt oder es noch andere Gründe für solche Kursexplosionen gab, war den Tradern mehr oder weniger egal. Schließlich stiegen die Kurse ja und der Markt hat bekanntlich immer Recht.

Umso mehr verwundert es, dass genau diese wichtige Börsenregel („Der Markt hat immer Recht“) plötzlich angezweifelt wird. Da wundern sich Trader, warum Aktien selbst ohne Gewinnwarnungen in wenigen Wochen um 20 oder 30 Prozent einbrechen. Der Markt würde übertreiben und das sei ja alles längst nicht mehr gerechtfertigt, was da an der Börse passiere. Dabei wird in vielen Fällen einfach nur der vorherige Kursanstieg (in Teilen) korrigiert. Dass dies alles viel schneller passiert als in der Aufschwungphase, ist an der Börse so üblich.

Hinzu kommt, dass es an den Märkten nun mal keine festen Regeln oder gar Gesetze gibt, wie hoch eine Unternehmensbewertung sein darf oder muss. Wenn eine Aktie in Hausse-Phasen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von 30, 40 oder noch mehr gehandelt wird, dann stört das kaum jemanden. In der Regel wird dann mit „enormen Wachstumsfantasien“ oder dem Totschlagargument „Diesmal ist alles anders“ argumentiert. Dass solche Aktien in Baisse-Phasen aber auch mal einstellige KGVs ausweisen können, ist für viele Trader komplett unvorstellbar oder – wenn es dann doch mal passiert - zumindest ungerechtfertigt.

Vergessen wird bei diesen ganzen Argumentationsketten leider häufig, dass die Kurse an den Kapitalmärkten einzig und allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Und über die Frage, ob eine Aktie zu dem aktuellen Kurs nun gekauft oder verkauft werden soll, entscheidet längst nicht immer die Bewertung. Die Gründe können genauso vielfältig sein wie die einzelnen Marktteilnehmer es sind. Wenn ein großer Aktienfonds oder ein Vermögensverwalter zum Beispiel mit Mittelabflüssen zu kämpfen hat (weil Anleger Geld benötigen oder einfach mal Gewinne realisieren möchten), dann wird der Portfoliomanager nicht umhin kommen, sich von Aktienpaketen zu trennen. Selbst wenn er die Aktien selbst für günstig bewertet hält und eigentlich lieber kaufen würde.

Noch extremer ist es bei den zahlreichen Indexfonds (ETFs), die eins zu eins den Dax oder andere Aktienbarometer abbilden. Hier werden wirklich völlig unabhängig von Bewertungen oder persönlichen Einschätzungen automatisch alle Aktien des Index verkauft (in der entsprechenden Gewichtung), sobald die Investoren Gelder abziehen. Das Angebot am Markt steigt also und dadurch kommt es in der Regel zu Kursverlusten. Die wiederum könnten andere Anleger dazu bringen, sich ebenfalls von ihren Anteilen zu trennen (zur Gewinnsicherung oder Verlustbegrenzung). Und schon entsteht ein gewisser Domino-Effekt. Das funktioniert nach oben genauso wie nach unten. Die Liquidität ist daher ohne Zweifel der entscheidende Faktor. Auch wenn es manchmal weh tut, aber auch solche Phasen wie jetzt gehören an den Märkten zwangsläufig dazu. Und keine Unternehmensanalyse der Welt wird vorhersagen können, wann oder ab welchem Niveau die Korrektur endet.

In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern ein schönes und entspanntes Wochenende!

Thomas Koch

Schlagworte:
,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Werbung

Investmentecke

Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

» Alle News von Investmentecke
Werbung

News-Suche

Suchbegriff:
Werbung

Aktuelle Videos

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Börse Stuttgartschliessen
Börse Stuttgart

Finpulse

der B2B-Regulierungsgipfel für Digitalisierung und Finanzen.

Jetzt registrieren!
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook, Google+ oder Twitter
Aktuelle Umfrageschliessen
Amazon bringt in Großbritannien ein Vergleichsportal für Versicherungen auf den Markt. Die Versicherer beäugen das sehr skeptisch, da sie befürchten, dass Amazon erst mal nur Marktforschung betreibt und danach mit eigenen Versicherungsprodukten auf den Markt geht. Glauben Sie das auch?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen