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Dividenden ohne Aktienkursrisiko? Grundsätzlich möglich, aber…

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Dividenden sind im Zeiten anhaltender Niedrig- bzw. Nullzinsen ein ganz heißes Thema unter Anlegern. Das Problem bei der Suche nach hohen Ausschüttungen ist allerdings, dass Anleger dafür in der Regel Aktien kaufen und sich mit den entsprechenden Kursrisiken herumschlagen müssen. Daneben gibt es überdies aber tatsächlich auch die Möglichkeit, ohne das volle Aktienkursrisiko von steigenden Dividenden zu profitieren. Möglich ist das durch ein Investment in Zertifikate, die sich auf die an den Terminbörsen gehandelten und mit verschiedenen Laufzeiten gehandelten Dividenden-Futures beziehen. Deren Wert errechnet sich bei Fälligkeit im Dezember eines Jahres aus sämtlichen Dividenden, die von den im Euro Stoxx 50 notierten Unternehmen im Verlaufe des entsprechenden Jahres ausgeschüttet wurden. Ganz konkret werden die Dividenden abhängig von der Aktiengewichtung in „Dividendenpunkte“ umgerechnet. Der innere Wert der Futures liegt zu Jahresbeginn also immer bei null und erhöht sich mit jeder erfolgten Ausschüttung, so dass bei Fälligkeit der Höchststand und damit auch der für die Zertifikate relevante Endbetrag erreicht werden.

Für das laufende Jahr konnten nach Berechnung von HSBC durch die bereits erfolgten Ausschüttungen bislang rund 54 Dividendenpunkte eingebucht werden. Weitere 48 Punkte gelten als gesichert, weil die entsprechenden Dividendenvorschläge von den Unternehmen bereits offiziell bestätigt wurden und nur noch von den Aktionären „abgenickt“ werden müssen. In der Summe kommen wir damit auf einen Wert von gut 102 Punkten. Der 2017er-Dividenden-Future notiert aktuell aber bei gut 116 Punkten, weil bei einigen Indexmitgliedern die Höhe der Ausschüttung eben noch offen ist. Dazu zählt zum Beispiel der Öl-Konzern Total, der nicht nur einmal im Jahr sondern jedes Quartal eine Dividende zahlt und dessen Ausschüttungen aufgrund der Gewichtung einen nicht unerheblichen Einfluss auf den finalen Wert des Dividenden-Futures haben.

An diesem Beispiel lässt sich schön erkennen, dass der Kurs dieser Futures zum einen von den bereits gezahlten und zum anderen durch die vom Markt noch erwarteten Dividenden beeinflusst wird. Für die Futures, die erst in den kommenden Jahren fällig werden, werden dementsprechend ausschließlich Dividendenerwartungen gehandelt. Das birgt natürlich höhere Risiken, bietet aber auch größere Ertragschancen für Anleger. Wie HSBC ausgerechnet hat, konnten in den vergangenen sieben Jahren im Schnitt rund 5 bzw. 17 Prozent Gewinn verbucht werden, wenn man ein bzw. zwei Jahre vor Fälligkeit Zertifikate auf die Futures gekauft hätte. In den einzelnen Jahren gab es allerdings größere Schwankungen und auch mal Verluste, weil die tatsächlich ausgeschütteten Dividenden am Ende geringer ausfielen als erwartet oder weil sich Veränderungen bei der Indexzusammensetzung des Euro Stoxx 50 negativ auf die Höhe der Dividendenpunkte ausgewirkt haben.

Aktuell sieht es so aus, dass sich Investments auf den 2017er-Future nicht mehr lohnen, weil fast 90 Prozent der Dividenden bereits fix sind und die Preise sich demnach bis Jahresende kaum noch verändern werden. Auch die Zertifikate auf den 2018er-Future hingegen werden aktuell zu rund 123,20 Euro und die auf den 2019er-Future zu ca. 121,50 Euro gehandelt, während die Konsensschätzungen der Analysten für diese Futures bei gut 126 bzw. 134 Punkten liegen. Behalten die Experten Recht, lassen sich mit den Zertifikaten bis Ende 2018 bzw. 2019 Gewinne von knapp 3 (TB9C35) bzw. gut 10 Prozent (TB9C36) erzielen. Legt man die nicht ganz so optimistischen Prognosen von HSBC zugrunde, liegen die Ertragschancen bei 0,1 bzw. 6,1 Prozent.

Zu berücksichtigen ist bei geplanten Investments, dass die Korrelation mit dem Aktienmarkt umso höher ist desto länger die Restlaufzeit ist. Eine echte Abkoppelung vom Euro Stoxx 50 erfolgt erst dann, wenn die ersten Dividendenzahlungen gesichert sind, also in dem Jahr der Fälligkeit. Wer also an den Aktienmärkten noch mal mit einer stärkeren Korrektur rechnet, der sollte die hier erwähnten Dividenden-Zertifikate erst mal nur auf die Watchlist setzen, weil diese dann sicher auch noch etwas günstiger werden. Das gilt erst recht für Zertifikate auf die noch später fälligen Dividenden-Futures. Wobei die „traditionell“ günstig aussehen, was der deutlich größeren Unsicherheit zu verdanken ist. Bei einer Laufzeit bis 2021 etwa zahlt man jetzt lediglich gut 113 Euro, wobei es hier noch keine Konsensschätzungen gibt. Es weiß ja auch keiner, welche Aktien in vier Jahren überhaupt in dem Index vertreten sind und ob diese dann noch Dividenden zahlen (TB9C38 oder GL6R44).

Thomas Koch

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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