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| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Übertreibungen bedürfen der Korrektur. Noch deutlichere Übertreibungen bedürfen der noch deutlicheren Korrektur. Das gehört zur Börse. Innerhalb von 6 Tagen hat sich das Meinungsbild erstaunlich gewandelt. Vor 10 oder 14 Tagen wurde noch umfangreich gewettet, dass weder eine V-Formation möglich ist noch eine Fortsetzung des bisherigen Trends. Seit dem Wochenende gibt es Kursziele für den DAX von 16.000 und 18.000 und für den Dow zwischen 38.000 und 40.000. Dann klingeln bei mir die Glocken.

 

Vergleiche sind stets etwas schwierig. Aber am Ende nachvollziehbar. Denn sie beruhen auf den gleichen Denkansätzen mit den gleichen Folgen. Vor 21 Jahren lief es ähnlich. Vom Juli 1999 bis Januar 2000 gewann der Dow so um 23 % und der DAX 42 %. Absolute Spitze war natürlich der damalige Neue Markt, der Vorläufer des aktuellen TecDAX, der schon mal über 70 % zulegte. Was dann folgte, wird der eine oder andere noch in Erinnerung haben. Ursache war damals die unkontrollierte Zulassung vieler kleiner Unternehmen mit Tech-Charakter, ohne Zahlen, ohne Produkte, aber mit großen Plänen. Nur etwa 10 % der damals gestarteten Unternehmen leben heute noch.

 

New York spielte damals in Sachen Technik natürlich die Hauptrolle. Die Prozentgewinne lagen in den gleichen Größenordnungen wie in Frankfurt. Auch große Unternehmen waren dabei, sogar Weltmeister in der Technik, die es auch heute noch sind. Eine Reihe mittlerer Firmen gibt es heute genauso, sie sind technisch hochwertig, aber allen gemeinsam war und ist:

 

Jeder überzogenen Erwartung muss die zitierte Korrektur folgen. Wenn Tesla mit Kurszielen bis 2.000 Dollar herumgereicht wird und einen Marktwert von über 300 Mrd. Dollar erreicht, werde ich skeptisch. Für alle anderen gilt mehr oder weniger das Gleiche. Ihre Geschäftsstrukturen stimmen, ihre Produkte ebenfalls, aber jeder will dabei sein. Es gibt wohl kaum ein Portfolio, das nicht irgendeine dieser Tech-Aktien enthält, aber wohl 80 % wissen kaum, wie das Geschäftsmodell aussieht, kennen nur den Namen oder das Produkt, das sie verwenden.

 

Bezahlt wird also die Zukunft. Das ist das Wesen des Marktes, soweit er nicht übertreibt. Jetzt steht er in der Situation, dass er übertreibt und deshalb wird es gefährlich. An einer technischen Korrektur wird die gesamte Tech-Szene nicht vorbeikommen. Über Prozente mag man sich streiten, nicht an der Ursache. Wieder ein Rückblick: Einer der Stars von damals war Microsoft mit Bill Gates. Schon damals erstklassig als größter Softwarekonzern und mit einem Marktwert von über 630 Mrd. Dollar. Für damalige Verhältnisse einmalig. Der Umsatz von Microsoft lag so um 15 bis 20 Mrd. Dollar, annualisiert gerechnet. Damit war die Korrektur fällig. Was blieb übrig? Nach rd. 18 Monaten lag der Marktwert des immer noch gültigen Weltmeisters mit hervorragenden Gewinnen um 180/200 Mrd. Dollar. Rundherum gedrittelt! Microsoft gibt es heute immer noch. Die Führungsposition ist unbestritten und der Marktwert liegt über 1,6 Bio. Dollar. In Relation zum Kerngeschäft und dem Gewinn ergibt sich eine ähnliche Relation wie damals. Wo landet dann eine technische Korrektur? Unter 25 % wird es wohl nicht abgehen. Für Amazon und Apple oder auch Alphabet wird man an ähnliche Relationen herangehen müssen. Dann sind alle dabei, klein wie groß, und darauf kommt es an.

 

Bleiben wir also auf dem Teppich und schauen uns die Relationen an, nicht die absoluten Werte oder die Stories, die herumgereicht werden.

 

Ihr

 

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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