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Doping

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Versuchung für die Notenbanken ist riesengroß, den Märkten einen weiteren Anstoß zu geben, gut über das Jahresende hinweg zu kommen. Es entspricht üblicher Praxis, dem Markt eine Botschaft zu geben, ohne genau begründen zu können, warum. Die Fed steht vor der schwierigen Konstellation, dem neuen Präsidenten und seiner Finanzministerin vorzugreifen, ohne die bisherige Linie zu unterlaufen. Aber niemand weiß, was Biden und seine Mannschaft wollen oder meinen. Ein Konjunkturprogramm von 750 Mrd. Dollar – wie gerade diskutiert – ist ein Trostpflaster ohne Wert. Das weiß jeder Ökonom in den USA, aber niemand wird dem widersprechen. Denn peinlich genug ist: Biden tritt mit einer Mannschaft an, die zu wohl 60 % aus ehemaligen Obama-Mitarbeitern besteht, und er muss damit alle befriedigen, die irgendwie vertreten sind. Eine seriöse Finanzpolitik und ebenso seriöse Geldpolitik entstehen daraus nicht.

Die EZB steht vor dem gleichen Problem: Alle warten auf irgendetwas, was mit Geld oder Lockerung zu tun hat, aber niemand wagt es, dies kritisch zu beurteilen. Alle warten auf ein Weihnachtsgeschenk.

Die Märkte haben eine Schieflage. Alles, was mit Tech oder Growth zu tun hat, ist deutlich überkauft oder zu teuer. Der Fall Tesla steht dafür als bestes Beispiel, aber gekonnt gemacht: Elon Musk war diese Woche in Berlin, schlief auf der Baustelle, ist offen für eine Fusion mit anderen Autokonzernen und kündigte die Aufnahme von Tesla in den S&P 500 für den 21.12.20 an. Mit voller Gewichtung, also 550 Mrd. Dollar für einen Umsatz um ca. 50 Mrd. Dollar. Das wären rd. das 11-Fache. Mit solchen Stimmungsmachern lässt sich so gut wie alles erreichen, wenn zusätzlich Geld als Doping zur Verfügung gestellt wird. Die Konsequenz liegt auf der Hand:

1999 versteht sich rückblickend als Dotcom-Hype. Das war in New York der Sammelbegriff und in Frankfurt der Neue Markt. Der eine oder andere wird sich noch daran erinnern, wie es anschließend lief. Dazu gehört: Der absolut größere Teil des Marktes in New York wie auch in Frankfurt ist solide eingeschätzt. Größere Abweichungen gibt es kaum, aber wenn 25 % des größten Index (S&P 500) allein von 6 Titeln abgedeckt werden bzw. 10 inklusive 2. Kategorie, liegt die Schieflage auf der Hand. Wie dieser Ausgleich zu schaffen sein wird, ist ab Januar die entscheidende Frage. Da aber per 31.12. alle Fonds und Vermögensverwalter Spitzenkurse anstreben, spielt die Kapelle so lange, wie es irgendwie geht. Die Unterstützung kommt nicht aus der Sachkenntnis, sondern aus der Interessenlage der Broker, Banker, Analysten etc. Das gefällt mir nicht.

Im Bernecker.tv haben wir diese Schieflage mit der Überschrift beschrieben: „Wer entschärft die 8 Bio. Dollar Bombe?“ Es geht nicht um eine Blase, sondern um die Entschärfung einer Übertreibung, ohne die Bombe zu beschädigen. Rd. gerechnet um 25 % oder 2 Bio. Dollar. Also geht es um angemessene Relationen und nicht um eine Crash-Vorlage. Die nächste schaut schon um die Ecke:

Brennstoffzellen und Wasserstoff sind das nächste Thema, wenn auch in ihrem Umfang der Kapitalwerte deutlich bescheidener. Aber sind 10-fache Umsatzbewertungen in dieser Technik, die fast jeder Technikkonzern in Deutschland angehen kann, wenn er dafür eine Expertise hat, vertretbar? Also gilt das Gleiche: Hier steht eine saftige Korrektur bevor, die nichts mit den Geschäften dieser Firmen zu tun hat. Es geht ebenfalls um die Überbewertung oder richtigen Bewertung nach den Übertreibungen. Und die dritte Variante lässt sich ebenfalls voraussagen: Angeblich forschen 100 Firmen am Impfstoff. Zwei deutsche Spezialisten und ein Amerikaner sind die Ersten. Weitere 10 kündigten soeben an, schon im Januar ihre Ergebnisse vorzulegen. Dann beginnt die Auswahl nach Art, Umfang, Qualität und Anwendung - und vor allem: Wer lässt sich impfen, wer lässt sich nicht impfen und wie entsteht daraus ein vernünftiges Bild über die Situation insgesamt? Darüber diskutieren wir diesen Mittwoch im Bernecker.tv zum zweiten Mal nach dem letzten Bericht vor einer Woche; beide gehören zusammen. In der Actien-Börse dieser Woche (03.12.) finden Sie zum Thema Brennstoffzelle/Wasserstoff die entsprechenden Tabellen. Viel Vergnügen.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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