DAX ®12.260,07+0,26%TecDAX ®2.866,58+0,98%Dow Jones27.154,20-0,25%NASDAQ 1007.834,90-0,88%
finanztreff.de

dpa-AFX: HINTERGRUND: Mein Vermieter ist mein Chef - im Ausnahmefall

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
LUDWIGSHAFEN/MÜNCHEN/BERLIN (dpa-AFX) - Das Angebot ist nicht schlecht, auch
wenn es einen Haken hat: Zwei helle Neubau-Zimmer, mit Terrasse, in
Ludwigshafen-Gartenstadt, für etwa 10 Euro kalt je Quadratmeter. "Nur für BASF
-Mitarbeiter", steht über dem Inserat. Das ist der Haken
- wenn man nicht für den Chemiekonzern arbeitet. Für das Unternehmen
ist die Mitarbeiterwohnung wenige Kilometer vom Werkstor ein Pfund, mit dem sich
Mitarbeiter locken lassen.

Denn anders als viele andere große Unternehmen hat die BASF über die
Jahrzehnte ihren Wohnungsbestand gehalten. Doch von Dax -Konzernen
bis zu Stadtwerken entdecken immer mehr Personalchefs das Thema neu. Wo
Wohnungen knapp sind, sind Fachkräfte noch schwieriger zu finden.

Das trifft vor allem die Branchen, die ihren Mitarbeitern keine hohen Löhne
zahlen. Am größten ist die Wohnungsnot in München, das für Normalverdiener
allmählich unerschwinglich wird. Das erklärt den Ehrgeiz der Stadtwerke München,
die bisher 120 neue Wohnungen für ihre Mitarbeiter gebaut haben. Bis 2030 sind
weitere 2000 Wohnungen geplant - Busfahrer und Bürokauffrauen sind keine
Topverdiener.

"Die Mitarbeiterwohnung erlebt eine gewisse Renaissance", meint Michael
Voigtländer, der Immobilienökonom des arbeitgebernahen Instituts der deutschen
Wirtschaft Köln. "Sie hält vor allem als Rekrutierungsargument her." Voigtländer
weiß auch von Mittelständlern in Regionen wie dem Sauerland, die ihren
Mitarbeitern günstige Kredite für den Wohnungs- und Hauskauf geben - um sie an
den Standort zu binden.

In der alten Bundesrepublik gab es in den 1970er Jahren noch 450 000
Werkswohnungen, vor allem bei Staatsunternehmen wie Post und Bahn, wie es beim
Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) heißt. Die
meisten wurden verkauft.

"Bezahlbare Mieten sind für unsere Mitarbeiter ein großes Thema geworden",
sagt Bahn-Personalvorstand Martin Seiler nun. Doch die DB muss quasi wieder bei
null anfangen. Einst wohnte die Mehrheit der Eisenbahner in Dienstwohnungen,
doch die wurden nach der Umwandlung vom Beamtenbetrieb in ein
privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen verkauft.

An diesem Freitag will die Bahn ihre "Wohnraumoffensive" verkünden. Das
heißt zunächst: Insgesamt gut 140 weitere Belegungsrechte für Wohnungen in
München - gemessen am Gesamtbedarf eher bescheiden. Das Staatsunternehmen stellt
jährlich rund 20 000 Menschen neu ein.

Das Bundesfinanzministerium will Mitarbeiterwohnungen nun fördern. Ein
Referentenentwurf sieht einen Steuerfreibetrag für die Mieter vor, wenn sie die
Wohnungen vom Arbeitgeber günstiger bekommen als sonst üblich und so einen
geldwerten Vorteil erlangen. "Dies kann einen weiteren Schub für den
Mitarbeiter-Wohnungsbau bewirken", heißt es beim Verbändebündnis Wohnungsbau, in
dem sich Vermieter, Baubranche und Mieterbund zusammengeschlossen haben.

Denn noch ist der Trend keineswegs flächendeckend. Der Elektrokonzern
Siemens etwa, der vor dem Ersten Weltkrieg einen ganzen Stadtteil
in Berlin baute, verkaufte seine letzten 4000 Wohnungen vor zehn Jahren. Ein
Wiedereinstieg ist nicht geplant, wie der Sprecher der
Siemens-Immobiliengesellschaft SRE in München sagt. Zwar wird die Berliner
Siemensstadt wiederbelebt. Am größten Fertigungsstandort sollen durchaus auch
Wohnungen entstehen - aber keine Werkswohnungen.

Für eine Entlastung des angespannten Wohnungsmarkts reichen die Appartements
vom Chef ohnehin nicht. Bundesweit fehlen in den Städten und Ballungsräumen nach
Schätzungen etwa 800 000 Wohnungen, während auf dem Land viel leer steht.

"Die Unternehmen haben das gleiche Problem wie alle anderen: Sie müssen
Wohnungen finden", meint Ökonom Voigtländer. Wohnungen seien für sie ebenso
knapp wie Bauland. Im ungünstigen Fall erhöhten die Unternehmen auf der Suche
nach einer Bleibe für ihr Personal nur die Nachfrage, nicht aber das
Angebot./cho/bf/DP/stk

Von Carsten Hoefer und Burkhard Fraune, dpa
Werbung

Passende Hebelprodukte von

WKN Bezeichnung Hebel
Long  DL2E8H Siemens WaveUnlimited L 85.5467 (DBK) 7,060
Short  DS7LAZ Siemens WaveUnlimited S 113.0863 (DBK) 7,010
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Werbung

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 30 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen