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dpa-AFX: IMMOBILIENUNTERNEHMEN IM FOKUS: Mietdeckel sorgt für schlechte Stimmung

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die großen Immobilienunternehmen wie Vonovia
, Deutsche Wohnen , LEG Immobilien
und Grand City Properties profitieren seit Jahren von der
Wohnungsnot und steigenden Mieten in deutschen Großstädten. Die Hauptstadt will
nun als erstes Bundesland einen fünfjährigen Mieterhöhungsstopp einführen,
zuletzt waren sogar Forderungen nach einer Enteignung von Immobilienkonzernen
laut geworden. Was bei den Unternehmen los ist, wie die Analysten sie bewerten
und was die Aktien machen.

DAS IST LOS BEI DEN IMMOBILIENUNTERNEHMEN:

Seit Jahren verdienen die großen Wohnkonzerne wie Vonovia, Deutsche Wohnen,
LEG Immobilien und Grand City Properties dank der anziehenden Mieten in den
Großstädten glänzend. Dabei profitieren Vermieter vor allem von modernisierten
Wohnungen. Kosten für die modernisierten Wohnungen legen sie nicht nur teilweise
auf die Mieter um, sondern können auch die Mieten anschließend stärker erhöhen.
Seit Anfang des Jahres hat die Bundesregierung das Mietrecht zugunsten von
Mietern verschärft.

Hausbesitzer dürfen nach Modernisierungen nur noch acht Prozent der Kosten
im Jahr statt zuvor elf Prozent auf die Miete umlegen. Pro Quadratmeter sind
dann Erhöhungen bis zu drei Euro erlaubt. Wo die Miete weniger als sieben Euro
pro Quadratmeter beträgt, dürfen Vermieter je Quadratmeter nur zwei Euro
aufschlagen.

Neben dem verschärften Mietrecht weht den großen Wohnimmobilienkonzernen ein
immer heftigerer Wind in Ballungszentren entgegen. Viele Mieter befürchten, sich
ihre Wohnung aufgrund der anziehenden Mieten in der Stadt bald nicht mehr
leisten zu können. Berlin will deshalb als erstes Bundesland einen fünfjährigen
Mieterhöhungsstopp für nicht preisgebundene Wohnungen in Mehrfamilienhäusern
einführen. Die Hauptstadt zählt zu den Städten mit den größten Mieterhöhungen.

Laut Mieterverein wären bis zu 1,6 Millionen Wohnungen betroffen. Bei
Wiedervermietung soll höchstens die zuletzt vereinbarte Miete aus dem vorherigen
Mietverhältnis verlangt werden können. Überhöhte Mieten können auf Antrag sogar
gesenkt werden - das Ganze soll sich an einer Mietobergrenze orientieren. Der
Neubau ist von den Regelungen ausgeschlossen. das soll helfen, den Bau
anzukurbeln. Kritiker laufen hingegen wegen des geplanten Mietdeckels Sturm, es
wird mit Klagen gerechnet.

In Berlin wird neben einem Mietdeckel auch die Enteignung großer
Wohnungskonzerne diskutiert. Die Bürgerinitiative "Deutsche Wohnen und Co.
enteignen" übergab jüngst 77 000 Unterschriften an die Senatsverwaltung, um ein
Volksbegehren offiziell einzuleiten. Das Bündnis hat es vor allem auf den
börsennotierten Konzern Deutsche Wohnen abgesehen. Er besitzt bundesweit 160 000
Wohnungen, darunter 112 000 in Berlin.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Analysten nahmen den Beschluss des Berliner Senats skeptisch auf. Karsten
Oblinger von der DZ Bank bezeichnete den Mietendeckel als "deutliche
Regulierungsmaßnahme", da sowohl Altverträge als auch Neuvermietungen betroffen
seien. Für Unsicherheit sorge, inwieweit das Beispiel Schule mache. Mit dem
Beschluss sei offen, "ob andere Bundesländer nachziehen werden beziehungsweise
wie die Frage der Mietregulierung künftig im Bundestag diskutiert werden wird."

Der Mietdeckel ist rechtlich höchst umstritten. Die UBS bezeichnete den
Mietdeckel in einem Kommentar als möglicherweise verfassungswidrig und berief
sich dabei auf die Einschätzung "eines führenden deutschen Mietrechtsanwalts".
Danach seien Mietverträge auf Bundesebene über das Bürgerliche Gesetzbuch
bereits ausführlich geregelt, so dass den Ländern keine legislative Kompetenz in
dieser Hinsicht zukomme. Bevor ein Bundesland eine Maßnahme ergreife, die
staatlich verbürgte Rechte tangiere, müsse es darüber hinaus nachweisen, andere
ihm zustehende Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben wie etwa Neubau oder
finanzielle Unterstützung von Mietern.

Analyst Manuel Martin von Oddo BHF rechnet damit, dass Vermieter und Verbände
rechtlich gegen das Vorhaben vorgehen werden. Doch selbst wenn sich die Kritiker
vor Gericht durchsetzen sollten, könnte noch eine längere Phase der Unsicherheit
bevorstehen. Nach Einschätzung der UBS-Analysten könnten Monate oder sogar Jahre
vergehen, bis das Vorhaben gekippt werde.

An seiner positiven Einschätzung rüttelt Martin deswegen aber nicht.
Angesichts der angespannten Lage von Angebot und Nachfrage geht er von einem
weiter robusten deutschen Immobilienmarkt aus. Dafür spreche nicht zuletzt das
anhaltende Niedrigzinsumfeld. Auch die Analysten der UBS sind zuversichtlich für
den Immobiliensektor. Die Aktien deutscher Anbieter von Wohnimmobilien wiesen
derzeit im Durchschnitt einen Abschlag von elf Prozent zum Nettovermögenswert
auf. Favorit der UBS ist Vonovia. Auch Martin hält große Stücke auf den
bundesweit vertretenen Immobilienkonzern, der auch in Österreich und Schweden
Wohnungen besitzt.

DAS MACHEN DIE AKTIEN:

Die Sorge, dass das Berliner Beispiel bundesweit Schule machen könnte,
spiegelt sich in den Aktienkursen. Es überrascht nicht, dass nun auch die Aktien
eines im ganzen Land agierenden Konzerns wie Vonovia unter Druck stehen. Das
Papier verlor innerhalb eines Monats um fast zehn Prozent. Dennoch steht seit
Jahresanfang noch ein Plus von fast neun Prozent zu Buche.

Die Diskussion um einen Mietdeckel hat vor allem die Aktien der stark in
Berlin engagierten Deutsche Wohnen sowie der ausschließlich dort
aktiven Ado Properties belastet. Die Anteilsscheine der Deutschen
Wohnen fielen in den vergangenen vier Wochen um gut ein Fünftel. Die Aktien von
Ado büßten seit Ende Mai ebenfalls mehr als ein Fünftel ein./mne/mf/fba/men
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