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Drama um Wirecard – Ermittlungen eingeleitet

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times (FT) hat am Freitag-Mittag von einer Polizei-Razzia in den Singapur-Büros von Wirecard berichtet. Im Deutschen Aktienindex Dax stürzte die Wirecard-Aktie daraufhin wieder ab. Am Nachmittag verschärften sich die Kursverluste noch. Zeitweise lag sie zum Vortagsschluss rund 25 Prozent im Minus bei 86 Euro (siehe Chart unten). Hintergrund ist, dass nun gegen Wirecard ermittelt wird.

Update: Die Behörden in Singapur gehen einem möglichen Fehlverhalten nach und haben die Büros in Singapur untersucht. Wirecard reagierte am Nachmittag mit einem weiteren kurzen Statement, dass Finanztreff hier komplett wiedergibt:

"Nach einer solchen negativen Medienberichterstattung ist die Einleitung einer Untersuchung ein normales Verfahren. Wir versichern, dass wir unsere internen Compliance-Untersuchungen ordnungsgemäß abschließen und diese Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen werden. Heute Morgen traf sich Wirecard mit der singapurischen Strafverfolgungsbehörde am Hauptsitz von Wirecard in Singapur und stellte der Polizei umfassendes Unterstützungsmaterial für ihre Ermittlungen zu den diffamierenden Behauptungen in der FT-Artikelreihe zur Verfügung. Wir möchten erneut bestätigen, dass die Vorwürfe gegen Mitarbeiter von Wirecard unbegründet sind. Wir arbeiten eng mit der Polizei von Singapur zusammen, um alle Vorwürfe auszuräumen."

Außerdem hat die Staatsanwaltschaft München wegen der Kursturbulenzen beim Zahlungsdienstleister Wirecard ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Behörde ermittle wegen möglicher Marktmanipulation gegen unbekannt, sagte eine Sprecherin auf Anfrage in München. Wirecard habe eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Die Behörde prüfe aber immer auch von Amts wegen, ob sie ein Ermittlungsverfahren in die Wege leite. Gegen Manager von Wirecard selbst sieht die Staatsanwaltschaft München I nach wie vor keinen Anfangsverdacht der Marktmanipulation.

Der Kurs der Wirecard-Aktie ist seit Tagen nach Berichten der FT zu internen Untersuchungen rund um angebliche Bilanzierungsverstöße eines Mitarbeiters in Singapur massiv unter Druck. Das Unternehmen hat die Untersuchungen, die intern sowie von einer beauftragten externen Anwaltskanzlei durchgeführt werden, eingeräumt. Allerdings habe die Zeitung nur einen frühen Stand der Untersuchung veröffentlicht, hieß es am Montag in einer Telefonkonferenz des Managements. Vorstandschef Markus Braun sieht die Sache intern bereits als ausgeräumt an, es habe keine schlüssige Feststellung eines Fehlverhaltens gegeben. Das formelle Ende der eigenen Prüfung stehe kurz bevor.

Wirecard ist in der Vergangenheit des öfteren fragwürdiger Geschäftspraktiken bezichtigt worden, von den Vorwürfen aus oft dubiosen Quellen blieb aber bisher nichts am Konzern hängen. Ermittler und Experten sehen in früheren Kurskapriolen auch Versuche von sogenannten Short-Sellern, an der Börse mit fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen.

Intraday-Chart Wirecard in Euro vom 08.02.19

Am Vormittag (Ortszeit) untersuchte die Polizei in Singapur die Büros von Wirecard. Die Razzia fand statt, nachdem die FT Berichte veröffentlicht hatte, die Fragen zur Integrität der Buchhaltung bei einem der erfolgreichsten Fintech-Konzernen Europas hatten aufkommen lassen.

Die FT hatte am vergangenen Donnerstag ihre Vorwürfe in einem Artikel konkretisiert. Wie es in dem neuen Bericht hieß, sollen ranghohem, namentlich genannte Manager in der deutschen Konzernzentrale zumindest Kenntnis von einigen geplanten Zahlungsvorgängen eines Mitarbeiters aus Singapur gehabt haben, der in den Vorwürfen die zentrale Rolle spielt.

Wirecard reagierte darauf am Freitag-Vormittag mit einer schriftlichen Stellungnahme, die der Redaktion von Finanztreff vorliegt. Darin heißt es wörtlich: "Dies ist das dritte Mal, dass dieselben hochvertraulichen Dokumente aus einem Compliance-Audit als Grundlage für eine diffamierende Medienberichterstattung verwendet wurden." Wirecard erklärt, dass diese Dokumente von Anfang Mai 2018 stammen, als eine interne Untersuchung eingeleitet wurde. Sie würden die Vorwürfe eines Mitarbeiters gegen einen anderen Mitarbeiter auflisten, wie sowohl in der ersten Stellungnahme von Wirecard als auch in der Telefonkonferenz am Montag, den 4. Februar 2019, beschrieben.

Wirecard erklärte weiter: "Seitdem wurden diese Vorwürfe in einem professionellen Compliance-Prozess sowohl von unserem internen Compliance-Team als auch von einer unabhängigen Untersuchung einer auf Compliance spezialisierten Anwaltskanzlei (Rajah & Tann) untersucht. Weder die interne Untersuchung durch unsere Compliance-Abteilung hat eine Bestätigung für die erhobenen Vorwürfe gefunden, noch hat die externe Untersuchung durch Rajah & Tann bisher zu schlüssigen Feststellungen über kriminelles Fehlverhalten von Mitarbeitern oder Führungskräften geführt." Man verweist ferner auf die Aussage der Anwälte von Rajah & Tann vom 3. Februar 2019 – zu finden unter ir.wirecard.de. Die Untersuchung durch Rajah & Tann stehe kurz vor dem Abschluss und Wirecard werde "die Ergebnisse zu gegebener Zeit bekannt geben".

"In dem gestern veröffentlichten Artikel werden Wirecard-Mitarbeiter mit unbewiesenen und falschen Behauptungen verleumdend verurteilt", heißt es in dem neuen Statement. "Wir werden alle verfügbaren rechtlichen Mittel einsetzen, um das Unternehmen und insbesondere unsere Mitarbeiter und deren Persönlichkeitsrechte zu schützen. Wirecard geht rechtlich gegen FT und seine unethische Berichterstattung vor."  (mmr)
12-Monats-Chart Wirecard in Euro
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