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Duell der Giganten – FANG versus BAT

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nein, es geht nicht um das gestern absolvierte Auftaktspiel zur Fußball-WM bei dem mit Russland und Saudi-Arabien auch die beiden größten Akteure auf dem Ölmarkt gegeneinander angetreten sind. Hinter den beiden kryptischen Kürzeln stehen vielmehr die Megakonzerne des Technologiesektors, die in den vergangenen Jahren in rasanter Geschwindigkeit zu den wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen sind.

Die Frage ob dies gerechtfertigt ist und ob die dabei inzwischen erreichten Bewertungen nicht viel zu hoch sind, scheint müßig. Denn solange alles darauf hindeutet, dass Giganten wie Facebook, Amazon, Netflix und Google (Alphabet) das Internet und damit irgendwie auch die Welt von morgen dominieren, bleibt auch das Interesse an den Anteilsscheinen dieser Unternehmen bestehen und mithin steigen dann eben auch die Kurse. Bewertung hin, Bewertung her.

Wenn man die Zukunft der Welt ganz böse interpretiert, dann könnte man die Anlage in den vermeintlich hoch bewerteten Internet-Riesen sogar als „konservativ“ und „sicherheitsorientiert“ bezeichnen. Denn während bei den genannten Konzerne ziemlich sicher scheint, dass sie auch in fünf oder zehn Jahren in der digitalisierten Zukunft noch eine bedeutende Rolle spielen werden, ist die gleiche Aussage für viele jetzt noch bedeutsame Unternehmen aus klassischen Branchen nicht ganz so eindeutig zu beantworten.

Sinnbild hierfür ist Nokia. Die Finnen beherrschten einst den Markt für Mobiltelefone, haben dann aber leider den Schwenk zum Smartphone verpasst. Das gleiche Schicksal droht den deutschen Autobauern, die ihre Innovationskraft in den letzten Jahren offenbar vor allem darauf gerichtet haben, wie sie mit flächendeckendem Betrug ihre staatlich geförderten Verbrennungsmotoren weiter auf die Straße bringen können, anstatt über die Fahrzeuge und Antriebe der Zukunft nachzudenken.

Das zweite – sehr persönliche - Sinnbild ist Karstadt. Hier hat sich in meinem Hinterkopf unauslöschlich die Aussage eines Fondsmanagers des vor fast 20 Jahren lancierten „Nordinternet“ eingebrannt. Auf die Frage, ob der nicht profitable kleine Internet-Händler Amazon nicht viel zu hoch bewertet sei, sagte der damals für den Fonds verantwortliche Volker Kuhnwaldt, dass er sich um die Bewertung von Amazon weniger Sorge mache, als um die „Karstadts“ dieser Welt. 20 Jahre später ist klar, wie Recht er damit hatte.

Beim Blick auf das Hier und Jetzt scheint niemand in Sicht, der den vier FANG-Aktien wirklich gefährlich werden könnte. Oder vielleicht doch? In der viel zu Amerika-fixierten öffentlichen Wahrnehmung geht nämlich oft unter, dass da im fernen China mindestens ebenso starke Kräfte am Werke sind. Und streng genommen sind die Zukunftsperspektiven bei den dortigen - nicht minder gigantischen - Megakonzernen der Online-Welt ähnlich gut, wenn nicht sogar besser.

Folglich war die von der Deutschen Bank jetzt lancierte Produktidee des BAT-Indexzertifikats eigentlich überfällig (DS8BAT). Der BAT-Index bündelt die Anteile von Baidu, Alibaba und Tencent, die fortan also gegen die schon vor zwei Jahren im FANG-Index zusammengefassten US-Größen antreten können (DL2FAN). Das „Indexkonzept“ ist in beiden Fällen banal und hat mit Indexing im eigentlichen Sinne wenig zu tun. Es werden schlicht die entsprechenden Aktien in einem einzelnen Wertpapier zusammengestellt, so dass Anleger die drei bzw. vier Aktien mit einer Transaktion erwerben können. Eine Anpassung der Gewichtung erfolgt während der Laufzeit nicht. Immerhin werden aber etwaige von den Unternehmen gezahlte Dividenden nach Abzug fälliger Steuern im Index angerechnet.

Genau dies bewirkt beim FANG allerdings, dass das Zertifikat mittlerweile wegen geänderter Steuergesetze in den USA vorübergehend nicht mehr zum Kauf angeboten werden kann. Für Neueinsteiger ist also vorerst kein Depot-Duell zwischen Amerika und China möglich. Immerhin bekommen sie so jetzt aber eine neue Gelegenheit, die sich mittelfristig vielleicht sogar als die bessere erweisen könnte…

Seit der Emission des FANG-Zertifikats im Februar 2016, hat es den Anlegern auf Euro-Ebene schon mal ein Plus von satten 160 Prozent eingespielt. Mit den Anteilen von Alibaba oder Tencent waren im selben Zeitraum aber fast 200 Prozent möglich.

Ralf Andreß

 

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Investmentecke

Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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