DAX®13.921,37+0,77%TecDAX®3.354,42+1,29%Dow Jones 3031.188,38+0,83%Nasdaq 10013.296,45+2,31%
finanztreff.de

Economy First

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Das Jahr 2020 endet mit einem noch nie dagewesenen Wettrennen zwischen der Ökonomie und einer Pandemie. 10 Monate sind inzwischen vergangen und es ist Zeit, nun die ersten Schlüsse zu ziehen. Die Hektik legen wir beiseite.

In welcher Form eine Pandemie auf die Psychologie der Menschen und ihr Verhalten in der Wirtschaft wirkt, haben wir alle seit März dieses Jahres nachvollziehen können. Jeder für sich allein oder gemeinsam. Der ersten Krise folgte eine Erholung, die offensichtlich zu schnell verlief oder zu unkontrolliert und nun stecken wir in der zweiten Krise. Wann diese endet, wird sich noch zeigen.

Die Wirtschaft reagierte darauf natürlich ebenfalls, aber durchweg anders als alle Ökonomen, Politiker, Psychologen oder gar Theologen vorausgesagt haben. Nämlich wesentlich stabiler oder robuster, wenn auch von Hektik geprägt.

Die erste Frage in dieser Wette lautet mithin: Was ist wichtiger, die Wirtschaft auf jeden Fall laufen zu lassen und eine größere Opferzahl hinzunehmen oder alles zu tun, um die Opferzahlen möglichst niedrig zu halten, aber dafür die Wirtschaft schwer zu schädigen? Daran haben sich viele Theorien entzündet, was demnächst noch zur Analyse ansteht.

Die Amerikaner haben zweifellos fahrlässig gehandelt. Der Präsident leugnete zunächst die Gefahr einer Epidemie und daran ist er gescheitert. Offensichtlich lag das Bestreben der Republikaner darin, der Wirtschaft ein größeres Gewicht beizumessen als den Gefahren einer Epidemie. Abgesehen davon, dass Donald Trump damit eine zweite Präsidentschaft verloren hat, entspricht dies dem amerikanischen Denkansatz mehr als den sehr vorsichtigen Ansätzen der Europäer.

Frankreichs Präsident Macron versuchte einen Mittelweg. Die zentral angeordneten Maßnahmen gegen die Epidemie scheiterten wohl an der mangelnden Organisation der französischen Gesundheitsbehörden. Doch unverkennbar hat Paris auch zu erkennen gegeben: Die Wirtschaft hat Vorrang. Das kostete die Franzosen deutlich mehr Todesopfer als den Deutschen, wahrscheinlich im Verhältnis von rd. 4 zu 1. Für Italien ließe sich ähnliches formulieren, doch dafür gibt es zu wenig Belege. Jedenfalls:

Der Wirtschaft die Priorität einzuräumen, klingt zumindest in Deutschland sehr befremdlich. Es ist eine Grundsatzfrage, worüber man nicht diskutieren kann. Doch der objektive Blick reicht aus, um zu belegen:

Die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Warenströme, der Produktion und damit des ökonomischen Gleichgewichtes in einem Land hat künftig sehr wahrscheinlich Vorzug gegenüber zu weit gehenden Maßnahmen gegen eine solche Virusattacke. Es mag nicht jedem schmecken, aber: Die jährliche Grippewelle in Deutschland hat etwa 15.000 bis 17.000 Todesopfer zur Folge, worüber so gut wie nichts bekannt ist. Diese Zahl taucht ein oder zwei Mal am Ende des Jahres in irgendeiner Statistik auf. Das wärs. Wir werden also künftig mit ähnlichen Epidemien leben müssen und uns darauf einstellen müssen.

Die Börse hatte für diese Sachverhalte offenbar das beste Gespür. Sie hat sehr heftig reagiert, wie es zu einem Markt gehört, aber ebenso schnell die Wendepunkte markiert, die sich letztlich an den tatsächlichen wirtschaftlichen Fakten orientierte.

Im Bernecker.tv haben wir seit drei Wochen mehrere riskant erscheinende Thesen begründet vorgetragen, die in den normalen Publikationen so gut wie nie diskutiert werden. Ich begründe dies auch persönlich und werde dies in den nächsten Wochen kontinuierlich jeweils am Mittwoch ergänzen. Ich würde mich freuen, wenn Sie einen Blick darauf werfen. Damit wünsche ich Ihnen schöne Weihnachten in Ihrer Familie, Freunde gibt es voraussichtlich nicht, aber dafür haben wir alle Zeit, über das schwierige Jahr 2020 nachzudenken und umgekehrt in das interessante Jahr 2021 vorauszuschauen.

Ihr

Hans A. Bernecker

Schlagworte:
, , , , , , , , , ,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

» Alle News von Hans A. Bernecker

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

HSBC Trading TV

Werbung

Trading-Tipp

Börsen & Märkte

US-Marktüberblick

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Die Regierung möchte neue Verschärfungen gegen den Corona-Virus vereinbaren. Finden Sie diese Verschärfungen notwendig?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen