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Erfahrungen

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Autos fahren in der Regel gegen den Baum, Autokonzerne fahren dagegen gegen die Wand. In beiden Fällen kracht es; es kann ein Totalschaden werden, aber in der überwiegenden Zahl ist eine Reparatur aussichtsreich.

 

Daimler fuhr zum dritten Mal gegen die Wand. Das erste Mal wollte E. Reuter aus Daimler einen Technologiekonzern machen und erwarb die pleiteverdächtige AEG und die rudimentäre MBB-Gruppe, um sie anschließend mit einem Aufwand um etwa 3 Mrd. DM (!) aus dem Verkehr zu ziehen. Das zweite Mal war es Jürgen Schrempp, der mit dem Kauf von Chrysler und Teilen von Mitsubishi der größte Autokonzern der Welt werden wollte. Dieser Unfall kostete nach Schätzungen schon gut 20 Mrd. DM. Genaue Zahlen gibt es nicht. Der dritte war Dieter Zetsche, der locker mit Jeans, Sneakers und offenem Hemd die neuen Daimler-Modelle präsentierte, aber vergessen hatte, dass dahinter bereits die E-Mobility deutlich erkennbar war. „Wir sind die einzigen, die bisher mit Tesla Geld verdient haben.“ Tatsächlich war Daimler zeitweise Aktionär von Tesla und machte mit Gewinn Kasse. Wären sie dabei geblieben, läge der Kursgewinn deutlich höher als die gegenwärtigen Sanierungskosten zusammengenommen ausmachen. (Schätzung Stuttgart). Auch Renault gehört in die gleiche Kategorie mit dem Chef Goshn. Der erste, der zeigt, wie man aus Katastrophen, die auf die Managerqualität zurückzuführen sind, sinnvoll wieder herauskommt: VW mit seinem Chef Diess, womit erkennbar ist, wie Autokonzerne wieder auf die Fahrbahn kommen.

 

Das Daimler-Comeback erhält eine doppelte Bedeutung. Einmal als Folge der Fehlleistung des Managements in der Einschätzung technologischer Trends und zum anderen in der offensichtlich falschen Aufstellung seiner Produktpalette nebst Marketing. Das Ganze kostet nach aktuellem Stand wohl 4 – 5 Mrd. € in der Summe. Rückblickend gilt aber: Rd. 50 Mrd. € wurden in etwa drei Jahren verbrannt. Bei VW lag der Betrag in der ähnlichen Größe (Stämme und Vorzüge) und auch im Falle der amerikanischen Varianten, z. B. GM, lagen die Differenzen zwischen krank und scheintot in etwa den gleichen Größen.

 

Daimler ist jedoch für die deutsche Wirtschaft eine Ikone. Sie steht nicht nur als Marke und Produkt für sich, sondern als Orientierung für die Qualität deutscher Technologie. Gelingt also in möglichst kurzer Zeit, und darauf wird es ankommen, die Reparatur des Daimler-Konzerns, ist das eine Überlebensgarantie für Deutschland als eines der wichtigsten Industrieländer, nebst seiner Produkte, wovon gut 40 % aller Beschäftigten in der Industrie leben. Das gibt es weder in Frankreich, noch in Italien und auch in den USA nicht.

 

Einen Konzern dieser Größenordnung wieder aufzubauen, ist eine hervorragende Manageraufgabe. Tatsächlich wurde sie in der Regel auch erreicht. Paradefall dafür war Ferdinand Piëch für VW vor über 30 Jahren. Ob der aktuelle Daimler-Chef die Statur dafür hat, erscheint etwas zweifelhaft, denn dazu bedarf es äußerster Konsequenz und Härte. Daimler wird damit ein weiteres Beispiel dafür werden, dass nicht große Politik oder China-Handel bzw. Autozölle der Amerikaner über Strategien von Konzernen entscheiden, sondern nur wenige Damen und Herren mit großer Erfahrung, technischem Wissen und Courage. Ein blendender Fall für eine Comebackspekulation.

 

Ihr

 

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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