DAX ®12.260,07+0,26%TecDAX ®2.866,58+0,98%Dow Jones27.154,20-0,25%NASDAQ 1007.834,90-0,88%
finanztreff.de

Erfolgsfaktor digitales Ökosystem

| Quelle: Marcus Landau | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nur wenige Konzerne verfügen über eine derart hohe Kundenbindung wie Apple. Durch die geschickte Verknüpfung von Hardware- und Dienstleistungsangeboten zu einem digitalen Ökosystem dürfte sich daran für lange Zeit auch kaum etwas ändern. Dennoch scheinen die Risiken für Anleger kurzfristig zu überwiegen.

Ob Smartphone, Tablet, Desktop oder Fernseher – fast alles ist inzwischen digital vernetzt. Jeder Nutzer möchte praktisch überall und von allen Geräten aus auf seine Daten und Abonnements zugreifen können. Gleichzeitig wird es für die großen Elektronikkonzerne im Hardwarebereich immer schwerer, sich von den Mitbewerbern abzuheben. Die Verknüpfung beider Segmente innerhalb eines möglichst gut abgeschotteten Systems und die sich daraus ergebende hohe Kundenbindung dürften deshalb zukünftig eine wichtige Grundlage für den Erfolg sein.

Platzhirsch und Allrounder

Der unangefochtene Vorreiter auf diesem Gebiet ist Apple, dessen Systeme weltweit 1,3 Milliarden Menschen aktiv nutzen. Angefangen vom App Store über Apple Music und Apple Pay bis hin zu Apple Card (Kreditkarten), Apple Care (Garantiegeschäft und Zusatzversicherungen) und bald auch den hauseigenen Streamingdienst Apple TV+ (voraussichtlich ab Herbst) baut der Platzhirsch rund um die eigenen Technikprodukte immer mehr Dienstleistungen auf. Lagen deren Umsätze 2010 noch bei 7 Mrd. Dollar, waren es im vergangenen Jahr bereits 41 Mrd. USD. Bis 2020 will CEO Tim Cook die margenstarken Dienstleistungsumsätze nochmals verdoppeln. Dabei zeigen die Zahlen, wie sehr Apple-Nutzer ihr geschlossenes System zu schätzen wissen. Spezifische Apps, gleiche Benutzeroberflächen und Backups für alle Geräte in der Cloud sorgen dafür, dass Apple-User auch solche bleiben. Denn einmal in dem nahezu perfekt etablierten digitalen Ökosystem „gefangen“, wird es immer mühsamer, auf andere Marken umzusteigen. Stecker, Betriebssysteme und sonstige Features funktionieren eben nur auf den hauseigenen Geräten. Die Umsätze und Erträge des Apple-Universums dürften damit langfristig gesichert sein. Entsprechend liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten auf Sicht eines Jahres auch bei grob 210 USD und damit leicht über dem aktuellen Preis der Aktie.

Für Anleger, die aus den genannten Gründen sogar mit noch stärker steigenden Apple-Kursen rechnen, könnten langlaufende Call-Optionsscheine reizvoll sein. In Frage kämen hier möglicherweise Papiere mit einem Basispreis von 190 USD und Fälligkeit im kommenden Juni (WKN DF2Y0N). Der Hebel beträgt aktuell 7,4, der Break-Even liegt bei knapp 217 USD.  Ein gänzlicher Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich (Totalverlustrisiko).

Handelskrieg und Huawei-Gegenschlag

Kurzfristig scheinen die Risiken für die Aktie allerdings zu überwiegen. So dürfte der Handelsstreit zwischen China und den USA für die Kursentwicklung in den kommenden Wochen das entscheidende Thema bleiben. Dabei sehen Analysten insbesondere die Gefahr, dass Apple zum Opfer eines „Huawei-Gegenschlags“ wird. Auch wenn Boykottaufrufe oder sogar ein Verkaufsverbot ausbleiben sollten, könnte schon allein die wachsende Furcht der chinesischen Konsumenten vor einer erneuten Eskalation des Handelskonflikts zu rückläufiger Nachfrage nach Apple-Produkten führen.

Sollte es sogar zu Strafzöllen auf das iPhone oder Schlimmerem kommen, dürfte sich dies trotz der guten Perspektiven im Servicebereich, der starken Bilanz und der umfangreichen Aktienrückkäufe unmittelbar und sofort negativ auf den Apple-Kurs auswirken. Für Trading-affine Anleger, die mit dieser Möglichkeit rechnen, könnten deshalb Put-Optionsscheine kurzer bis mittlerer Laufzeit und einem Basispreis nahe dem aktuellen Börsenkurs die interessantere Wahl sein. Recht gefragt sind hier derzeit beispielsweise ein Strike-Level von 190 USD sowie die Fälligkeit Ende Dezember 2019 (WKN DF2STM). Der Hebel des Papiers liegt aktuell bei rund 20, der Break-Even bei ca. 180 USD, wobei der Put natürlich nicht bis zur Endfälligkeit gehalten werden muss. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist auch bei diesem Schein möglich. Gleichzeitig dürften direkte Auswirkungen des Handelsstreits auf Apple aber nicht nur zu Kursabschlägen führen, sondern auch für einen Anstieg der impliziten Volatilität sorgen, was sich dann zusätzlich preissteigernd auf entsprechende Verkaufs-Optionsscheine auswirken würde. Dem steht der Zeitwertverlust gegenüber. Genauso bieten sich die Papiere auch zur kurzfristigen Absicherung einer bestehenden Apple-Position an.

Stand: 28.06.2019

Autor: Marcus Landau, Derivate-Sales-Experte bei der DZ BANK

Schlagworte:
, ,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Im Artikel erwähnt...

Appl Optionsschein Put 190 2019/12 (DZ)
Appl Optionsschein Put 190 2019/12 (DZ) - Performance (3 Monate) 0,610 ±0,00%
EUR ±0,000
Porträt - Chart

Marcus Landau

Marcus Landau Marcus Landau, Derivate-Experte bei der DZ BANK, schreibt zu aktuellen Markt- und Produktthemen. Als Abteilungsdirektor Public Distribution ist er bei der DZ BANK für die Bereiche Vermarktung und Emission von Hebelprodukten und Zertifikaten mitverantwortlich und besitzt rund 15 Jahre Branchenerfahrung. In seinen Kommentaren beleuchtet er regelmäßig verschiedene Märkte und zeigt Handlungsmöglichkeiten für Anleger und Trader auf.

» Alle News von Marcus Landau
Werbung

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 30 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen