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Falschgold im Bankensystem: Sparkasse prüft Goldbarren nicht!

| Quelle: Markus Miller | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sparkasse Göttingen aus Niedersachsen ist die älteste öffentlich-rechtliche Sparkasse Deutschlands. Der Fall der aktuell bei der altehrwürdigen Sparkasse öffentlich wurde - aufgrund eines Betrugsprozesses - ist aus meiner Sicht unglaublich. Der "Falschgold-Fall" zeigt in erschreckender Form die Gefahren von physischen Gold-Investments, im Hinblick auf die Echtheitsgarantie der erworbenen Werte, selbst wenn diese von scheinbar seriösen Banken aus dem Sparkassensektor erworben wurden. Der nachfolgende Fall verdeutlicht: Es gibt Falschgold selbst im Bankensystem!

Im Jahr 2016 verkaufte ein damals 18-jähriger Realschüler in regelmäßigen Abständen Goldbarren an die Sparkasse Göttingen. Das ist an und für sich kein ungewöhnlicher Vorgang. Die Summen waren allerdings ungewöhnlich hoch. Allein im November 2016 kaufte die Sparkasse Göttingen Gold im Wert von rund 190.000 Euro von dem jungen Mann an. Insgesamt beliefen sich die Goldverkäufe des Jugendlichen an die Sparkasse Göttingen auf 300.984 Euro. Diese hohen Umsätze führten schlussendlich auch zu einer Geldwäscheanzeige der Sparkasse Göttingen, die einen Betrugsfall mit Goldfälschungen ans Tageslicht brachte.

Unfassbar: Die Sparkasse Göttingen hat die Goldbarren auch ungeprüft weiterverkauft!

Insgesamt wurden der Sparkasse Göttingen 259 falsche Goldbarren und 2 nachgemachte Krügerrand-Münzen angedreht. Die Barren hat der damals 18-Jährige über die Internetplattform Ebay erworben, sie stammen höchstwahrscheinlich aus Asien. In China kann man Metallbarren aus Kupfer, Messing oder Wolfram mit hauchdünnem Goldüberzug und täuschend echter Goldbarrenverpackung für wenig Geld erwerben. Auch die "Original-Verpackungen" der Hersteller sind täuschend echt nachgemacht.

Dass ein Jugendlicher einer Sparkasse gefälschte Goldbarren verkaufen will ist aus meiner Sicht kein Skandal, sondern relativ naiv und dumm. Es muss eigentlich damit gerechnet werden, dass dieser Betrug umgehend auffliegt. Dem war aber nicht so, weil die Sparkasse Göttingen absolut unverantwortlich gehandelt hat. Die gefälschten Goldbarren wurden sogar innerhalb des Bankensystems ungeprüft weiterverkauft, beispielsweise an die Landesbank Nord/LB. Das ist ein absoluter Skandal!

Massiver Anstieg von Fälschungen bei Edelmetallen

Scheideanstalten und Edelmetallhändler aber auch der Münzfachhandel und das Pfandkreditgewerbe in Deutschland haben in den letzten Jahren stark zunehmend davor gewarnt, dass immer mehr Falschgold in Umlauf ist. Die Zunahme von Fälschungen ist dabei nicht nur bei Gold zu beobachten, sondern generell bei Edelmetallbarren (Gold, Silber, Palladium, Platin), Münzen, Diamanten, Schmuck und Uhren.

Gold-Produkte in Form von Barren und Münzen stellen dabei ganz offensichtlich das größte Problem dar. Weder Prägestempel in Goldschmuck, noch Zertifikate für die angebliche Echtheit von eingeschweißten Goldbarren sind mittlerweile ein Garant für die Echtheit. Die deutschen Pfandleihäuser müssen heute immer aufwendigere Techniken zur Materialprüfung einsetzen, um sich vor immer raffinierter gefertigten Plagiaten zu schützen.  

Echtheitstests sind aufwändig aber effizient und notwendig

Ob "goldene" Eheringe mit Kupferkern, angeblich weißgoldene, aber tatsächlich mit Bleikabeln gefüllte Versace-Halsketten, mit Wolfram auf exaktes Goldgewicht gebrachte Goldbarren: Die Tricks der Fälscher werden immer raffinierter. Selbst 1-Kilogramm Barren, oder auch die als Geschenk beliebten 50-Gramm Goldbarren mit Wolfram-Kern sind in den Edelmetall-Scheideanstalten bereits aufgetaucht. Die Echtheitstests bei Pfandleihhäusern reichen von Säure- über Klangprüfungen bis zum Einsatz von Magnetwaagen, Röntgenfluroeszenzspektrometern und auch extrem teuren, elektronischen Messgeräten.

Durch diese sorgfältigen Prüfungen schützen sich die Pfandleiher nicht nur vor Betrügern bzw. vor eigenen Verlusten, sondern sie schützen auch ihre Kunden, die etwa bei Versteigerungen im Leihhaus günstigen Goldschmuck oder auch edle Uhren aus den Beständen des Pfandkreditbetriebs ersteigern. All diese Sorgfaltspflichtmaßnahmen hat die Sparkasse Göttingen aus meiner Sicht grob fahrlässig missachtet.

Auch wenn es sowohl bei Barren, Münzen, Uhren oder Schmuckgegenständen im Allgemeinen manchmal verlockend sein mag ein Schnäppchen zu erwerben, muss die Gefahr eines Plagiates immer bedacht und überprüft werden. Ist dies nicht möglich, verzichten Sie darauf. Nutzen Sie seriöse Bezugsquellen für Ihre physischen, realen Werte in Eigenbesitz und zur Selbstverwahrung wie ich Sie Ihnen immer wieder vorstelle und empfehle.

Herzliche Grüße

Markus Miller

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Markus Miller

Markus Miller Markus Miller (1973) hat langjährige Erfahrungen bei international tätigen Banken und Beratungsfirmen in Österreich, Liechtenstein sowie der Schweiz gesammelt. Der renommierte Analytiker ist Gründer und Geschäftsführer des spanischen Medien- und Consultingunternehmens GEOPOLITICAL.BIZ S.L.U. mit Sitz auf der Baleareninsel Mallorca. In dieser Funktion koordiniert er ein internationales Informations- und Kommunikations-Netzwerk von Wirtschafts- und Finanzexperten, Rechtsanwälten und Steuerberatern. Markus Miller ist Chefanalyst und Chefredakteur des renommierten Wirtschaftsmagazins „Kapitalschutz vertraulich“, einem ganzheitlichen Wirtschafts- und Beratungsdienst, bei dem neben fundierten wirtschaftlichen und finanziellen Empfehlungen zusätzlich die - für den umfassenden Vermögensschutz - so wichtigen Segmente der GeoPolitik, Rechtsprechung und Steuergesetzgebung berücksichtigt werden.

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