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Familienunternehmen (2) – Marketing-Gag GEX kann nicht überzeugen

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der hierzulande bekannteste Index für sogenannte Familienunternehmen ist der German Entrepreneurial Index (kurz: GEX). Wie die meisten relevanten Indizes für heimische Aktien wird er von der Deutschen Börse AG erstellt und beinhaltet nur Aktien von Unternehmen, bei denen noch zwischen 25 und 75 Prozent der Anteile im Besitz der Eigner sind. Ein Performance-Vergleich für den Index ist auf den ersten Blick spektakulär! In den letzten fünf Jahren erreichte er einen Anstieg von beinahe 150 Prozent, womit er nicht nur den Dax in den Schatten stellt, sondern auch die hier sehr viel besser für einen Vergleich geeigneten Nebenwerte-Indizes Mdax und Sdax.

Das imposante Bild verblasst allerdings schnell, wenn man einen längeren Vergleich anstellt. Bei einer 10-Jahres-Betrachtung dreht sich das Blatt nämlich in dramatischer Weise und da kann der Gex nicht einmal mit dem Dax als derzeit schwächstem großen Index mithalten. Grund ist ein drastischer Indexeinbruch zwischen Mitte 2011 und Ende 2012 während dem der Gex von über 2.000 bis unter 900 Punkte zurückfiel. Einen noch stärkeren Einbruch hatte der Index zwischen 2007 und 2009 zu verschmerzen, was die Begeisterung über die Erfolge der jüngeren Historie dann doch deutlich schmälert.

Ein Grund für die eher irritierende Entwicklung, die so gar nicht zur These der soliden Familienunternehmen passt, dürfte in der sehr eigenwilligen Indexkonstruktion liegen. Die offenbart nämlich schnell die eigentlichen Beweggründe bei der Lancierung des GEX (oder Gags?). In dem Index werden nämlich nur Unternehmen mit sehr kurzer Börsenhistorie von maximal 10 Jahren berücksichtigt. Erfolgreiche über Generationen geführte Konzerne sind hier also unerwünscht und der Index zielt wohl vor allem darauf ab, junge Unternehmen für einen Börsengang zu begeistern.

Dass dabei nicht alle so erfolgreich sind, wie die Neulinge der vergangenen Jahre, ist hinlänglich bekannt. Hinzu kommt, dass der IPO-Boom früherer Jahre längst Geschichte ist, sodass auch die Zahl der im Gex enthaltenen Unternehmen im Laufe der Zeit drastisch zurückgegangen ist - von einst mehr als 100 auf heute weniger als 20.

Kurzum: Um von den gestern hier skizzierten Vorzügen familiengeführter Unternehmen – etwa der langfristigen, solide Geschäftspolitik - zu profitieren (siehe IE vom 11.9.), ist der Gex vollkommen ungeeignet. Aber auch sonst sollten sich Anleger von der starken Performance der letzten Jahre nicht blenden lassen. Denn es ist kaum ersichtlich für welches Szenario der verkappte IPO-Index mit Familienanstrich überhaupt relevant sein sollte. Denn auch für das IPO-Thema gibt es andere zum Teil noch erfolgreichere Ansätze (DB0LKK, SG0HN2).

Die ersten Produktkandidaten für das vielversprechende Anlagethema „Familienunternehmen“ fallen damit durch.  

Ralf Andreß

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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