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Fresenius-Finanzchefin im AKTIONÄR-Interview: "Dann schlagen wir zu"

| Quelle: DER_AKTIONAER | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Fresenius hat im Rahmen der Zahlenvorlage zum zweiten Quartal 2019 die Umsatzprognose angehoben. Viele Aktionäre bleiben dennoch skeptisch. Im Interview mit dem AKTIONÄR erklärt Finanzchefin Rachel Empey, wie sie das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen will.

Frau Empey, im Herbst vergangenen Jahres schockte Fresenius die Anleger mit zwei Gewinnwarnungen innerhalb weniger Wochen. Bis dato stand das Unternehmen für Zuverlässigkeit. Können Sie den Anlegern für die Zukunft Entwarnung geben?

Rachel Empey: Auch 2018 war ein Rekordjahr für Fresenius, übrigens das 15. in Folge. Und man darf nicht vergessen: Fresenius hat die Ziele für 2018 erreicht! Aber es ist wahr: Wir haben unsere anspruchsvollen mittelfristigen Ziele angepasst, das war für viele eine große Überraschung. Daher war die Reaktion auch recht heftig. Wir werden hart dafür arbeiten, dass diese Art der Anpassung eine einmalige Ausnahme bleibt.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Geschäftsverlauf 2019?

Wir sind gut in das Jahr 2019 gestartet. Im zweiten Quartal haben sich die Geschäfte ziemlich genau so entwickelt, wie wir es erwartet haben. Ich bin daher insgesamt zufrieden, auch wenn wir natürlich immer noch besser werden wollen: Viele Hausaufgaben haben wir bereits erledigt, an anderen arbeiten wir noch.

Das laufende Jahr 2019 hatte Fresenius bereits als Übergangsjahr angekündigt. Soll es ab 2020 dann wieder nach oben gehen?

Wir investieren in diesem Jahr kräftig in unser künftiges Wachstum: In Forschung und Entwicklung, in die Produktion, in unsere Kliniken, in die Weiterentwicklung unseres Geschäfts. Denn der Gesundheitsmarkt wandelt sich stetig. Wir verstehen uns als Treiber dieser Entwicklung hin zu modernen Strukturen. Es geht darum, dass immer mehr Menschen Zugang zu immer besserer, aber auch bezahlbarer Medizin bekommen. Unsere Investitionen in diesen Wandel werden sich schon im Jahr 2020 und noch mehr in der Zeit danach auszahlen.

Wovon erhoffen Sie sich die größten Wachstumschancen?

In allen unseren Unternehmensbereichen gibt es große Wachstumschancen. Bei Fresenius Medical Care ist es z.B. die Heimdialyse. Deren Ausweitung ist gut für Kostenträger und Patienten – und damit auch für uns. Oder nehmen Sie unser Krankenhaus-Geschäft in Deutschland: Hier haben wir eine neue Sparte für die bessere Verzahnung stationärer und ambulanter Versorgung und für neuartige medizinische Angebote gegründet. In Spanien machen wir das bereits erfolgreich. Mittelfristig wird sich auch unser Engagement bei Biosimilars, den „neuen“ Generika, auszahlen. Und das sind nur ein paar Beispiele.

Wo sehen Sie im Konzernverbund das größte Kostensenkungspotenzial, um Margen zu heben und die Nettoverschuldung zu reduzieren?

Wir investieren kräftig. Aber wir schauen bei Fresenius immer auch auf unsere Kostenstrukturen. Alle unsere Bereiche sind auf einen effizienten Einsatz ihrer Mittel getrimmt und werden kontinuierlich an weiteren Verbesserungen ihrer Kostenbasis arbeiten. Als dezentral aufgestellter Konzern sehe ich noch einiges an Potenzial in einer stärkeren Zusammenarbeit bei einzelnen Themen wie z.B. Produktzulassungen. Wir können noch mehr Synergien heben. Und das übrigens nicht nur mit Blick auf die Kosten. Zur Nettoverschuldung: Wir leihen uns Geld, um zu investieren. Dadurch optimieren wir unsere Kapitalkosten, zum Wohl unserer Aktionärinnen und Aktionäre.

Halten Sie an der Dividendenpolitik der vergangenen Jahre fest?

Wir haben unserer Dividende für das vergangene Jahr zum 26. Mal in Folge erhöht. Ich habe gelesen, dass man uns deswegen nun zu den „Dividenden-Aristokraten“ zählt. In diesem exklusiven Kreis von Unternehmen, die auf eine lange Tradition aufeinanderfolgender Dividendenerhöhungen zurückblicken, fühlen wir uns ausgesprochen wohl.

Zuletzt hatte Fresenius mit Problemen im US-Geschäft zu kämpfen. Wie sehen Sie hier die weitere Entwicklung – auch im Hinblick darauf, was die Gesundheitspolitik von Trump angeht?

Die von der US-Regierung im Juli angekündigten Veränderungen in der Versorgung nierenkranker Menschen bestätigen die Strategie von Fresenius Medical Care: Denn wir sind Vorreiter auf dem Weg zu wertorientierten Versorgungsmodellen, die künftig eine noch viel stärkere Rolle spielen sollen. Wie schon erwähnt, fördern wir zudem die Heimdialyse und bauen unser entsprechendes Angebot aus – nicht zuletzt durch die Akquisition von NxStage.

Im vergangenen Jahr sorgte die geplante Akorn-Übernahme für ordentlich Schlagzeilen. Hier hatte sich Fresenius ordentlich verkalkuliert. Wie konnte es dazu kommen?

Ja, das hat für reichlich Schlagzeilen gesorgt. Aber verkalkuliert haben wir uns nicht. Ganz im Gegenteil: wir haben sehr sorgfältig geprüft, was wir vorab prüfen durften. Und wir haben sehr bewusst die nötigen Sicherungen in die Verträge eingebaut, um vom Kauf zurücktreten zu können, wenn wir betrogen werden. Und dass Akorn betrogen hat, belegen nicht zuletzt die jüngsten Maßnahmen der US-Gesundheitsbehörde.

Fresenius ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Wie wollen Sie so etwas in Zukunft vermeiden? Hat dies Auswirkungen auf die zukünftige Akquisitionsstrategie?

Es hat vor allem gezeigt, dass unsere Deckung funktioniert, um in Ihrem Bild zu bleiben. Damit meine ich, dass unser Risikomanagement sehr gut funktioniert. Daher gibt es keinen Grund für uns, zahm zu werden. Wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt, dann schlagen wir zu.

Sind in naher Zukunft Zukäufe geplant? Wenn ja, in welchem Bereich?

Wir sind jederzeit bereit, auch für große Übernahmen. In diesem Jahr konzentrieren wir uns aber auf die erwähnten Investitionen in unser eigenes Geschäft.

Zum Abschluss eine allgemeine Frage: Warum sollten Ihrer Ansicht nach Anleger jetzt in Fresenius investieren?

Weil Fresenius ein hervorragend aufgestelltes Unternehmen im Zukunftsmarkt Gesundheitsversorgung ist. Der Bedarf an hochwertigen Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen wächst weiter und wir sind bestens positioniert, um immer mehr Menschen mit immer besserer Medizin zu versorgen. Darauf kann man auch als Aktionär stolz sein.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!

Michel Doepke

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