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Führungskrise bei Thyssenkrupp

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Quelle: dpa-AFX

Essen (dpa)- Rund zwei Monate nach den Rücktritten von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner bleibt die Besetzung der Spitze des Industriekonzerns schwierig.

Die eher undurchsichtige Gemengelage und Berichte über reihenweise Absagen wirken offenbar wenig einladend. Auf die Kandidaten wartet ein komplizierter Job. Auch nach einer vor wenigen Tagen angesetzten Aufsichtsratssitzung konnte der Öffentlichkeit kein Kandidat präsentiert werden.

Noch sei in dem in einer Führungskrise steckenden Konzern keine ausreichend starke Persönlichkeit in Sicht, die in der Lage sei, die Interessen innerhalb der Gesellschafter zu ordnen, so Wolfram Tröger. Er ist Chef der Frankfurter Personalberatung Tröger & Cie und Vorsitzender des Fachverbands Personalberatung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Realistischerweise müsse man für die Neubesetzung derartiger Chefposten jedoch einen Zeitraum zwischen zwei und vier Monaten einplanen, sagte Tröger.

Zudemd rohen bei dem Industriekonzern weitere Stellenstreichungen in seiner schwächelnden Sparte Anlagenbau. «Derzeit überprüfen wir, ob der im letzten Jahr angekündigte Personalabbau angesichts der veränderten Marktperspektiven ausreichend ist», sagt ein Unternehmenssprecher. Der Essener Konzern hatte 2017 angekündigt, innerhalb von drei Jahren in der Anlagen- und Schifffahrtsparte bis zu 2000 Stellen abzubauen. Insgesamt arbeiten im Geschäftsbereich Industrial Solution mehr als 21.000 Menschen.

Aus dem Geschäftsbereich Industrial Solutions soll zudem der Marinebereich herausgelöst und unmittelbar durch Thyssenkrupp geführt werden, wie Thyssenkrupp am Freitag mitteilte. Industrial Solutions soll sich nun ganz auf die Restrukturierung im Anlagenbau konzentrieren. Der Geschäftsbereich erhält zudem ein neues Management: Der bisher für das operative Geschäft der Sparte zuständige Marcel Fasswald übernimmt zum 1. Oktober die Leitung.

Thyssenkrupp steht unter Druck, bessere Ergebnisse zu liefern. Wegen der anhaltenden Schwäche im Anlagen- und Schiffsbau sowie Problemen bei Großprojekten hatte der Konzern Anfang August seine Prognose senken müssen. Interimschef Guido Kerkhoff kündigte daraufhin einen «tiefgreifenden Umbau» der Sparte an. Die Aufstellung müsse an die veränderten Marktbedingungen angepasst und die Kosten gesenkt werden, erklärte er damals. Vor einigen Tagen hatte Thyssenkrupp einen milliardenschweren Auftrag aus Ungarn an Land gezogen. Für das Öl- und Gasunternehmen MOL soll der Konzern einen Chemiekomplex bauen.

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