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„GDL-Strategien“: Der Crash-Filter funktioniert auch in anderen Märkten

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Zum Abschluss unserer kleinen, am Montag gestarteten Serie zu den „GDL-Strategien“ werfen wir heute noch einen Blick auf einige andere Indizes. Schließlich könnte es theoretisch ja sein, dass wir mit dem Dax zufällig den einzigen Index als Versuchsobjekt ausgewählt haben, bei dem dieser Ansatz funktioniert. Noch mal kurz zur Erinnerung: Die Ursprungsidee war, dass eine langfristige Durchschnittslinie (wir haben uns für die 200-Tage-Linie entschieden) vorgibt, ob Anleger ihr Kapital in den jeweiligen Index investieren oder Cash halten. Statt bei jedem Über- und Unterschreiten der 200-Tage-Linie aktiv zu werden, haben wir im zweiten Schritt auf beiden Seiten noch einen kleinen Puffer eingebaut. Dadurch wurde die Zahl der Transaktionen gesenkt, was zu geringeren Kosten (pauschal wurden hier 0,1 Prozent pro Trade angesetzt) und einer höheren Rendite führte.

Blicken wir nun auf andere Indizes, bei denen wir diese Strategie getestet haben. Beim MDax wäre es allein durch die klassische GDL-Strategie gelungen, den maximalen Drawdown der letzten 20 Jahre von 63 Prozent auf 32 Prozent fast zu halbieren. Die Rendite nach Kosten wäre mit 9,6 Prozent pro Jahr (ggü. 10 Prozent beim Index selbst) etwas geringer ausgefallen. Der beim Dax rückwirkend „optimale“ Puffer von 4,5 Prozent hätte die Rendite hier leicht auf 10,1 Prozent gesteigert, bei einem 5,5-Prozent-Puffer wären 11,6 Prozent drin gewesen. Das Beispiel zeigt in Kombination mit den Ergebnissen beim Dax sehr schön, dass es hier keinen immer und überall perfekten Wert für den beidseitigen Puffer geben wird und daher eine Überoptimierung der Strategie unbedingt vermieden werden sollte. Wichtig ist, dass gegenüber dem Index keine wesentlich schlechtere Performance zu erwarten ist und die Drawdowns deutlich reduziert werden können. Beides ist mit den genannten Werten (und allem, was in deren Nähe liegt) beim MDax genau wie beim Dax der Fall.

Sehr spannende Ergebnisse liefert die Auswertung des TecDAX, für den uns Daten der letzten knapp 21 Jahre vorliegen. Damit sind hier auch die letzten Jahre des Nemax50 als Vorgängerindex noch berücksichtigt. Dem gelang 1998 innerhalb von nur acht Monaten eine Verdreifachung. Zur Berechnung eines 200-Tage-Durchschnitts müssen wir den Startzeitpunkt unserer Analyse aber auf Mitte Oktober 1998 legen. Im Anschluss kam es hier zwar noch mal fast zu einer Verdreifachung, danach folgte aber ein brutaler Absturz und schließlich das Ende dieses Aktienbarometers des „Neuen Marktes“. Unter dem Strich haben Nemax50 und TecDax daher zusammen innerhalb von 20 Jahren nur eine Mini-Rendite von 0,3 Prozent sowie einen Drawdown von bis zu 97 (!) Prozent verbucht. Die „GDL-Strategie“ hingegen hätte Anlegern ein weit überdurchschnittliches Plus von 11,7 Prozent p.a. (ohne Puffer) bzw. bis zu gut 13 Prozent (mit Puffer) beschert. Zudem wäre der Maximum Drawdown auf (allerdings immer noch relativ heftige) 51 Prozent reduziert worden.

Etwas anders sieht die Sache aus, wenn wir nur den Zeitraum seit der offiziellen Einführung des TecDax im März 2003 berücksichtigen. Seitdem gelang dem Index eine beachtliche Performance von jährlich 10,8 Prozent, während die GDL-Strategie ohne Puffer „nur“ auf 9,2 Prozent gekommen wäre. Mit den o.a. Puffern wäre auch hier noch etwas mehr drin gewesen, für eine klare Outperformance hätte es dennoch nicht gereicht. Wichtiger ist aber, dass der Maximalverlust während der letzten knapp 15 Jahre dank des „Crash-Filters“ weniger als 30 Prozent betragen hätte, während der TexDAX 2008/09 in der Spitze mehr als 61 Prozent an Wert verloren hat.

Besonders gespannt waren wir auf die Ergebnisse des Nikkei 225, weil der japanische Index in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrere langjährige Seitwärtsphasen durchlebte, was für GDL-Strategien kein gutes Umfeld darstellt. Tatsächlich konnte aber auch hier schon mit der einfachen Strategie eine Verdoppelung der allerdings auch mageren 2-Prozent-Rendite des Index erzielt und der Drawdown von 82 (!) Prozent beim Nikkei 225 auf lediglich 34 Prozent verringert werden. Mit den hier angewandten Puffern bei den Signalen des gleitenden Durchschnitts wären wie üblich leichte Steigerungen der Rendite möglich gewesen.

Da unsere Analysen des SDax, des Euro Stoxx 50 sowie der amerikanischen Leitindizes S&P 500 und Nasdaq 100 ähnliche Ergebnisse geliefert haben, können wir einen Zufallstreffer wohl ausschließen. Daher gehen wir fest davon aus, dass die hier vorgestellte „GDL-Strategie“ auch in Zukunft über einen langen Zeitraum betrachtet gegenüber einem klassischen Aktienindex-Investment zumindest vergleichbare Renditechancen bietet und gleichzeitig zu einer erheblichen Reduzierung des maximalen Drawdowns beiträgt. Wenn man sich die Drawdown-Werte der einzelnen Indizes so ansieht, kommt man ohnehin sehr schnell zu der Erkenntnis, dass man sein Geld niemals ohne einen entsprechenden „Crash-Filter“ am Aktienmarkt anlegen sollte.

 

Thomas Koch

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