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„GDL-Strategien“: Vergleichbare Rendite bei deutlich geringerem Risiko

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Wer unsere Ausführungen zum Börsengeschehen am Freitag (Link) aufmerksam gelesen hat, der wird sich vielleicht die Frage stellen, warum sich so viele Marktteilnehmer überhaupt die Mühe machen, die Geschäftsberichte zahlreicher Unternehmen zu lesen und deren Bilanzen bis ins Detail zu analysieren. Zunächst einmal muss man sagen, dass diese Herangehensweise langfristig durchaus zum Erfolg führen kann. Dafür gibt es zahlreiche gute Beispiele. Der Star-Investor Warren Buffet etwa schwört auf fundamentale Analyse.

Es gibt an der Börse aber auch viele andere vermeintlich aussichtsreiche Ansätze. Als ganz simple Strategie wird zum Beispiel immer wieder das Arbeiten mit einfachen gleitenden Durchschnitten angeführt („GDL-Strategie“). Hier bildet man zunächst einmal den Mittelwert aus den vergangenen x oder y Tagen und entscheidet dann zu einem festen Zeitpunkt (zum Beispiel jeden Abend zum Börsenschluss), ob man sein Kapital in den Dax investiert oder lieber Cash hält. Der Vorteil gegenüber einer klassischen „buy and hold“-Strategie ist, dass man in echten Crash-Phasen den Großteil der Zeit an der Seitenlinie verbringt und dadurch nicht so dramatische Drawdowns miterleben muss. Der Nachteil ist, dass man den ersten Teil der anschließenden Aufwärtsbewegung in der Regel verpasst und dass es in längeren Seitwärtsphasen (wie in diesem Jahr) viele Ein- und Ausstiegssignale gibt, die unter dem Strich Transaktionskosten verursachen, aber keinen echten Mehrwert liefern.

Schauen wir uns die Ergebnisse solcher Strategien mal an. Sehr beliebt ist allgemein ja der auch als „Lebenslinie“ bezeichnete 200-Tage-Durchschnitt. Hätte man das o.a. Regelwerk mit diesem Trendfilter auf den Dax angewendet, wäre in den vergangenen gut 30 Jahren vor Kosten (!) eine Rendite von 8,0 Prozent p.a. erwirtschaftet worden. Ein Dauerinvestment im DAX hätte in diesem Zeitraum 7,5 Prozent p.a. gebracht. Wenn wir nun pauschal 0,1 Prozent Transaktionskosten für jede Umschichtung ansetzen, sinkt die Jahresrendite bei der „GDL-Strategie“ auf 7,4 Prozent. Die Ergebnisse sind also geringfügig schlechter als beim DAX. Doch jetzt kommt das große ABER. Der Blick auf den maximalen Drawdown (wie stark wären Anleger beim ungünstigsten Einstieg ins Minus gerutscht) relativiert das Bild nämlich. Während dieser so genannte Maximalverlust beim Dax fast 73 (!) Prozent betrug (wir rechnen hier auf Basis von Schlusskursen, intraday hätte der Verlust noch etwas höher gelegen), wären es durch den Trendfilter bei der ausgewählten GDL-Strategie „nur“ 40 Prozent gewesen.

Das sind zwar erst mal nur nackte Zahlen, die man jetzt (wo man weiß, dass man im Nachhinein beim Dax trotzdem noch ein sattes Plus erzielt hätte) einfach so hinnehmen könnte. In der Realität weiß man aber eben nicht, was in der Zukunft passiert. Und wenn man mal fast drei Viertel seines eingesetzten Kapitals verloren hat, dürfte es rein emotional sehr schwierig werden, nicht doch irgendwann vorzeitig die Reißleine zu ziehen, „bevor der Rest auch noch weg ist“. Deshalb sollte man diese Komponente nicht vernachlässigen und bei Backtests von Strategien neben der End-Performance unbedingt immer auch die Drawdwon-Phasen im Blick haben.

Die Frage, welchen Zeitraum man bei den Gleitenden Durchschnitten wählen sollte, ist auf Dauer übrigens gar nicht so wichtig. Letztendlich muss nur gewährleistet sein, dass man in den heftigen Crash-Phasen nicht allzu lange im Markt ist, um so das Drawdown-Risiko zu reduzieren. Je kürzer man den Zeitraum für die Berechnung des letztlich relevanten Zeitraums ansetzt, desto häufiger wird es zu Signalen und damit Umschichtungen kommen. Die 200-Tage-Linie ist ein häufig genutzter Indikator, aber man könnte problemlos auch mit 190 oder 210 Tagen oder irgendeinem anderen Wert in diesem Bereich arbeiten, ohne dass es hier signifikante Abweichungen bei den Ergebnissen gibt.

Morgen gucken wir uns an dieser Stelle an, wie man die Strategie mit den Gleitenden Durchschnitten noch weiter verbessern kann und worauf Anleger bei solchen Optimierungsversuchen unbedingt achten sollten.

 

Thomas Koch

 

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