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Glaubensfrage Wirecard – Langfristig long, kurzfristig short

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Mit der nun beschlossenen Aufnahme in den Dax, die in zwei Wochen umgesetzt wird, sind die Diskussionen um Wirecard noch einmal voll entbrannt. Die eine Seite sieht den Dienstleister für die Zahlungsabwicklung als wichtigsten deutschen Hoffnungsträger für einen Platz an der Hightech-Sonne. Die andere Seite  fürchtet einen überzogenen spekulativen Hype, der unweigerlich in den Absturz münden muss. Beide Seiten haben durchaus stimmige Argumente auf ihrer Seite und so wird Wirecard inzwischen zur Glaubensfrage, auf die es irgendwie keine „richtige“ Antwort geben kann.

Das Handelsblatt würdigt das Dilemma in der Montags-Ausgabe mit einem Pro & Contra, in dem die Plädoyers von zwei Redakteuren gegeneinander gestellt werden. Der eine verweist auf den Boom von Nicht-Bargeld-Zahlungen in Asien, Amerika und Afrika, der gewissermaßen das Fundament für  einen Fortsetzung des Höhenflugs von Wirecard liefern soll. Der Kollege hingegen meldet Zweifel an, weil das Geschäftsmodell leicht kopiert werden könne und weil die Bewertung der Aktie aberwitzige Höhen erreicht habe. Die derzeitige Bewertung entspreche dem 14-fachen des Eigenkapitals und dem 60-fachen des in diesem Jahr erwarteten Gewinns.

Wie so oft haben irgendwie beide Seiten Recht und in der Deutung hängt vermutlich viel davon ab, ob man selbst in Wirecard investiert ist oder nicht. Denn auch dies gehört zur immer gleichen Börsenrealität: Wer die Aktie hat, der lauscht bevorzugt auf die guten Nachrichten, weil sie die eigene Hoffnung bestätigen. Wer die Aktie nicht hat, der ärgert sich vielleicht insgeheim, weil er selbst eben nicht von der Kursvervielfachung profitiert hat und die schnöde menschliche Eigenschaft des Neides, lässt ihn dann eher die negativen Meldungen wahrnehmen.

Losgelöst von diesen Fragen, könnte in den kommenden Tagen und Wochen aber erst einmal ein ganz anderer Aspekt in den Vordergrund rücken, der am besten mit dem Börsen-Bonmot „Buy the rumours, Sell the news“ zusammengefasst werden könnte. Denn die Erfahrung lehrt, dass zumindest ein Teil des Höhenflugs schlicht und einfach durch die Erwartung der Dax-Aufnahme genährt worden ist. Und seien es nur die zusätzlichen Kursgewinne seit dem Frühjahr, wo sich abzuzeichnen begann, dass der Durchmarsch in den Dax nur eine Frage der Zeit ist. Das wäre nichts Ungewöhnliches, weil es eben viele Beispiele gibt, bei denen Aktien im Vorfeld des Aufstiegs noch einmal kräftig zugelegt haben, um dann – nach dem Vollzug – erst einmal in eine lange Phase mit bestenfalls stagnierenden Kursen überzugehen. Und erst wenn die Aufstiegs-Spekulanten wieder ausgestiegen sind, beginnt die eigentliche neue Dax-Realität, in der dann zu beweisen sein wird, welche der beiden Seiten näher an der Wahrheit liegt.

An diesen Effekt dachten wohl auch die Produktkonstrukteure bei der Hypovereinsbank, die in der vergangenen Woche eine Reihe von neuen Reverse-Bonus-Zertifikaten auf Wirecard lanciert haben. Dieser Ansatz ist durchaus stimmig, auch deshalb weil mit solchen Reverse-Bonussen eben auch dann Geld verdient werden könnte, wenn die Aktie nicht abstürzt, sondern sie tatsächlich nur eine lange Verschnaufpause einlegt. Lediglich eine Fortsetzung der atemberaubenden Rallye sorgt bei diesen Papieren für böse Verluste, ein Szenario das mit Blick auf frühere Aufsteiger aber eben nicht besonders wahrscheinlich ist.

Und damit könnten die Papiere sogar für beide Seiten interessant sein. Die Skeptiker können endlich auf ein Ende des Höhenflugs setzen (ohne sofort Verluste zu machen, falls die Aktie doch noch ein bisschen anzieht). Die Jubel-Fraktion kann sich derweil ein wenig absichern falls ihr Liebling nun erst mal nachgeben sollte oder die besagte Kurspause einlegt.

Bei der Auswahl solcher Produkte sind zwei Kennzahlen von entscheidender Bedeutung. Zum einen die Barriere, bei deren Überschreiten die Sicherungsfunktion des Bonus zerstört wird. Und zum anderen der sogenannte Reverse Level. Er zeigt an, von wo aus der Wert der Papiere ermittelt wird, beziehungsweise ab welchem Aktienkurs das Zertifikat in einen Totalverlust mündet. Er sollte also nicht zu niedrig angesetzt werde.

Ein ausgewogenes Chance-Risiko-Profil bietet zum Beispiel der Reverse-Bonus mit Barriere bei 240 Euro, einem Reverse-Level bei 320 Euro und einem Cap bei 150 Euro (HX41ZL). Die denkbaren Szenarien sehen bei diesem bis Juni 2019 laufenden Papier wie folgt aus:

Wenn Wirecard bis zum Sommer kommenden Jahres nie über 240 Euro steigt, werden automatisch 170 Euro (320-150) zurückgezahlt. Bei dem aktuellen Preis von rund 133 Euro ergibt das einen Gewinn von 27 Prozent oder satten 36% p.a.

Springt die Aktie aber doch irgendwann über die 240 Euro, dann wird am Ende der Abstand des Kurses bei Fälligkeit zum Reverse-Level bei 320 Euro ausgezahlt. Notiert die Aktie im Juni 2019 wie heute bei 190 Euro, kämen 130 Euro zurück und der Verlust wäre moderat. Steht sie dann aber immer noch bei 240 oder 250 Euro, würden eben nur 70 oder 80 Euro ausgezahlt. Und bei einem Anstieg bis über 320 Euro ist das Geld futsch.

Ralf Andreß

 

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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