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Globale Schulden – IWF alarmiert

| Quelle: FIN_BLOG | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Bereits in unserem Artikel vor einigen Wochen haben wir unter Bezugnahme auf das Institute for International Finance (IFF) darauf verwiesen, welche Risiken die exorbitante Zunahme der Schulden weltweit implizieren.

Der neueste Global Financial Stability Report des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestätigt nun diese teils alarmierenden Entwicklungen. Vor genau einem Jahr machte der IWF bereits über die ausufernde Verschuldung im privaten Sektor (Unternehmensschulden) aufmerksam. Im neuesten Bericht wird nunmehr gewarnt vor der exzessiven Verschuldungsdynamik im öffentlichen Sektor.

Mit einer Summe von 164 Billionen USD, was 225% des globalen Bruttosozialproduktes entspricht, sind die weltweiten öffentlichen und privaten Sektoren höher verschuldet als zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Damals erreichte das Verhältnis von Schulden zum Bruttosozialprodukt in der Spitze 213%.

 

Die Masse der Schulden liegt dabei, wenig überraschend, bei den Industrieländern, während das Gros des Zuwachses in den Schwellenländern erfolgte. China allein trug 43% zum Schuldenzuwachs seit 2007 bei. Die Entwicklungsländer sind in ihrer Größenordnung vernachlässigbar.

Im Großen und Ganzen geht es hauptsächlich um die Vereinigten Staaten, Japan und China, welche zusammen die Hälfte der 164 Billionen USD Schulden im privaten und öffentlichen Sektor für sich in Anspruch nehmen. An der Stelle sei gesagt, dass das in unserem vorigen Artikel zum Thema angeführte Institute for International Finance eine andere Schuldendefinition nutzt und auf 237 Billionen USD Schulden, respektive auf ein Verhältnis von Schulden/Bruttosozialprodukt von 318% kommt.    

  

 

 

Beide Institute stimmen jedoch darüber überein, dass die weltweiten Schulden niemals so hoch waren wie aktuell und eine Bedrohung für die Erholung seit der Finanzkrise darstellen. Obwohl ja genau dieser Schuldenzuwachs diese Erholung erst ermöglichte.

Der IWF mahnt nun explizit, dass es dringend notwendig sei die Schuldenlast im privaten und öffentlichen Sektor zu reduzieren, um die Widerstandsfähigkeit der globalen Wirtschaft zu stärken und bessere Notfallmöglichkeiten zu haben, falls es zu plötzlichen Verwerfungen kommen sollte. „Fiskale Stimulation, um die Nachfrage zu stützen, hat keine Priorität mehr“, heißt es wörtlich.

Es mutet schon ein wenig seltsam an: Während der letzten 10 Jahre wuchs dieser Schuldenberg aufgrund der Nullzinspolitik der Notenbanken stetig, sowohl im privaten als auch öffentlichen Sektor. Und kürzlich bezeichnete auch Goldman Sachs diese Schulden als „nicht mehr tragfähig“. Während dieser 10 Jahre sprach jedoch kaum jemand über die damit einhergehenden Gefahren, nun aber hört man plötzlich die Warnungen von Notenbanken, Bankvorständen sowie Institutionen wie dem IWF oder dem IFF.

Auch der IWF-Direktor Vitor Gaspar äußerte sich entsprechend und schrieb: „Wir raten den Staaten von prozyklischen politischen Entscheidungen ab, die unnötigen Stimulus bereitstellen, wenn die ökonomische Aktivität bereits anzieht.“ Dabei kritisierte er insbesondere die USA, welches das einzige Industrieland sei, dass nicht plane, seine Schulden zurückzufahren, da die Steuersenkungen die öffentliche Neuverschuldung hochhalten.

Die andere bereits in unserem vorigen Artikel umrissene Gefahr sind Zinssteigerungen. „Die Zinslast hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt und erreicht fast 20% der Steuereinnahmen“ heißt es im IWF-Report. Der IWF führte weiter aus, dass man besorgt sei, dass die Schulden im privaten Sektor die globale Wirtschaft sehr anfällig machen für eine neue Finanzkrise. Diese könnte ausgelöst werden von einem abrupten „Deleveraging“, welches viele Schuldner gleichzeitig treffen würde.

Die Empfehlung des IWF lautet: Die Länder sollten die Steuern erhöhen und weniger Staatsausgaben vornehmen, um die jährliche Verschuldung herunterzufahren. Die einzigen Ausnahmen hierfür seien Deutschland und die Niederlande, welche fiskalpolitisch stark genug wären, um Staatsausgaben für Infrastruktur vorzunehmen.

Prinzipiell kündigt also nun auch der IWF die Möglichkeit einer neuen Finanzkrise an, zumindest zeigt man eine solche Möglichkeit nun immer deutlicher auf. Ob die „Empfehlungen“ des IWF angesichts der bereits exorbitanten Verhältnisse von Schulden zu Bruttosozialprodukt in solch einem Falle noch wirksam helfen könnten, erscheint wohl dem einen oder anderen doch recht fragwürdig.

Viel Erfolg bei der Geldanlage wünscht Ihnen wie immer Ihr

 

finanztreff.de Team

 

Bildquelle mit CC0-Lizenz: https://pixabay.com/de/hauptstadt-capital-markets-3205562/

 

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