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Gnadenfrist für Huawei erfreut auch Infineon

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die USA haben die strengen Maßnahmen gegen den chinesischen Huawei-Konzern nach nur wenigen Tagen teilweise gelockert. Ab sofort gelte für 90 Tage eine Regelung, die einige Geschäfte mit Huawei erlaube, teilte das US-Handelsministerium in der Nacht zum Dienstag mit. Dabei geht es vor allem um die Versorgung bestehender Smartphone-Nutzer sowie den Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik.

Für Nutzer von Huawei-Smartphones bedeutet der Schritt unter anderem, dass Google in den drei Monaten die Telefone weiterhin in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann. Der Google-Mutterkonzern Alphabet -0,57% hatte die Bereitstellung von Hardware und einiger Software-Dienste eingestellt. Für die Verwendung von US-Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung nicht. Damit könnte Huawei künftige Smartphone-Modelle nach wie vor nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen.

Systemausfall in den USA befürchtet

Ein zentraler Auslöser für den Aufschub dürfte gewesen sein, dass Huawei-Technik auch in vielen lokalen Mobilfunk-Netzen in den USA installiert ist und ihr Ausfall sie zum Erliegen bringen könnte. Während die großen amerikanischen Mobilfunk-Konzerne auf Technik von Huawei verzichten, verbauten sie viele kleine US-Netzbetreiber unter anderem in ländlichen Gegenden. Die Sanktionen könnten sie von Ersatzteilen und Software-Updates abschneiden.

Der Aufschub solle Betroffenen die Zeit geben, nach Alternativen zu suchen und sich auf die Änderungen einzustellen, erklärte die US-Regierung. Das Ministerium werde auswerten, ob die Regelung über 90 Tage hinaus verlängert werde.

Die USA hatten Huawei erst am Freitag auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Wer US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, muss eine Lizenz erwerben. Diese kann laut US-Regierung verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt sind.

Infineon-Aktie steigt wieder

Die chinesische Regierung dürfte Huawei künftig mit staatlichen Finanzhilfen durchfüttern, um von US-Zulieferern unabhängig zu werden und eigene Soft- und Hardware serienreif zu machen. Es droht eine Eskalation des Konflikts, die sämtliche Chip-Zulieferer zu Verlierern machen wird. Dazu würden insbesondere auch Infineon, Intel, Alphabet und Qualcomm zählen, deren Anteile an den Börsen zuletzt unter Druck standen. Im Nasdaq 100 -0,07% Index reichten die Verluste für die Chip-Hersteller von 3,3 bis zu 6 Prozent.

Die Tech-Aktien zeigten sich am Dienstag nun von den Vortagsverlusten erholt. Das Infineon-Papier +0,64% legte im frühen Handel um gut zwei Prozent zu und war damit größter Gewinner im Dax. Im Handelsverlauf verkleinerte sich das Kursplus wieder.

Huawei bezieht von diversen Zulieferern Komponenten, die vor allem für den neuen Mobilfunk-Standard 5G wichtig sind. Neben den politischen Entwicklungen rund um Huawei leiden Experten zufolge viele US-Branchentitel wie AMD -0,67%, Nvidia +1,23%, Applied Materials +1,79% und Cisco -0,72% auch unter dem US-chinesischen Handelskonflikt.

Huawei ist ein führender Ausrüster von Mobilfunk-Netzen unter anderem in Europa und der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt. Das Unternehmen gab sich am Dienstag kampfeslustig. Die Einschränkungen seien von "geringer Bedeutung", sagte Huawei-Gründer Ren Zhengfei in einem Interview mit dem chinesischen Staatssender CCTV und anderen chinesischen Medien am Dienstag. Huawei sei auf alles vorbereitet. Die US-Politiker unterschätzten die Kraft des chinesischen Konzerns.

Chinesen wollen weiter US-Chips kaufen

Huawei sei in der Lage, seine eigenen Chips zu fertigen. "Wir können die gleichen Chips bauen wie US-Anbieter", sagte der Huawei-Gründer. Unter anderem die aktuellen Top-Modelle von Huaweis Smartphones laufen bereits mit Prozessoren aus eigener Entwicklung. Das bedeute jedoch nicht, dass man keine US-Chips mehr kaufen wolle, sagte Ren Zhengfei. In "friedlichen Zeiten" komme die Hälfte der von Huawei verbauten Chips aus den USA, die andere Hälfte stelle man selbst her.

Auch versprach Ren, dass es durch die US-Sanktionen keine Verzögerungen bei der Auslieferung von Ausrüstung für den superschnellen 5G-Datenfunk geben werde. Huawei sei allen anderen Anbietern bei der Technik um zwei bis drei Jahre voraus.

Google bezeichnete Zhengfei als ein "gutes Unternehmen", das verantwortungsvoll agiere. Man sei mit dem US-Konzern im Gespräch über eine Lösung.

Huawei wird von US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Die USA drängen aber auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den neuen superschnellen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten. Huawei wies die US-Vorwürfe stets zurück.

Mit Material von dpa-AFX

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