DAX ®12.633,60-0,17%TecDAX ®2.778,43-0,81%Dow Jones26.770,20-0,95%NASDAQ 1007.868,49-0,93%
finanztreff.de

Hammer-Meldung bei Bayer: Hedgefonds steigt ein

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der für seine aggressive Einmischung bekannte Hedgefonds-Investor Elliott aus dem Imperium des US-Milliardärs Paul Singer hat seinen Einstieg beim Dax -0,17%-Unternehmen Bayer öffentlich gemacht. Elliott sei mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro am Leverkusener Agrar- und Chemiekonzern beteiligt, teilte der Hedgefonds am Mittwochabend mit.

Der nun öffentlich gemachte Einstieg des Hedgefonds hat den Bayer-Aktien -0,90% am Donnerstag Rückenwind verliehen. Sie stiegen zum Xetra-Handelstart um über sechs Prozent auf 59,59 Euro. Damit setzt sich der jüngste Erholungsversuch fort, nachdem die Papiere erst Anfang Juni bei 52,02 Euro den tiefsten Stand seit 2012 markiert hatten. So sorgen sich die Investoren wegen Milliardenrisiken nach schon drei Gerichtsschlappen in den USA im Zusammengang mit Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter.

Elliott ist dafür bekannt, sich manchmal aggressiv bei seinen Beteiligungen einzumischen. Bei Bayer zeigt sich der Hedgefonds zunächst von seiner freundlichen Seite und begrüßte die jüngsten Schritte zur Bewältigung der US-Klagewelle gegen Unkrautvernichter mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat. Elliott sei zuversichtlich, dass die Bildung eines Sonderausschusses der richtige Weg sei, die Probleme zu lösen. Bayer hat schon drei Gerichtsprozesse verloren, in denen es um angebliche Krebsgefahr von Glyphosat-Produkten der US-Tochter Monsanto geht. Der Konzern ist mit rund 13.400 weiteren Klägern konfrontiert.

Im letzten Teil von Elliotts Statement verbirgt sich allerdings auch eine Formulierung, die durchaus Brisanz enthalten könnte. Dort fordert der Investor langfristig mehr Rendite und deutet auch an, wie diese zu bekommen sein könnte. "Elliott ist der Ansicht, dass der aktuell niedrige Aktienkurs von Bayer den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftseinheiten beziehungsweise die bestehende Wertschaffungsmöglichkeit von mehr als 30 Milliarden Euro nicht widerspiegelt". Was verklausuliert klingt, ließe sich durchaus als Forderung nach einer Aufspaltung des Unternehmens interpretieren.

Das käme auch wenig überraschend, auf eine Zerlegung des Konzerns in seine Einzelteile drängen einige Investoren hinter den Kulissen offenbar schon länger. Bereits Ende 2018 hatte es Spekulationen gegeben, dass Singers Hedgefonds die treibende Kraft hinter der Initiative sein könnten. Bayer-Chef Werner Baumann hatte eine Aufspaltung im Dezember entschieden abgelehnt. "An diesen Einwürfen beteiligen wir uns nicht", sagte er damals der "Börsen-Zeitung". Doch seitdem ist der Druck auf den Vorstand weiter gestiegen - die Glyphosat-Urteile in den USA haben den Börsenwert stark gedrückt.

Bayer hat nun einen Aufsichtsratsausschuss gegründet, der die Causa Glyphosat vorantreiben soll, etwa durch Beratung des Vorstands und Vorschläge zur Prozessstrategie. Zudem soll der US-Anwalt John Beisner, ein Experte für Produkthaftungsklagen, den Aufsichtsrat zum Rechtskomplex Glyphosat kontinuierlich beraten.

Die Gründung des Ausschusses mache eine Einigung etwa durch einen Vergleich mit den vielen tausend US-Klägern wahrscheinlicher, erklärte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Das Ziel sollte es nun sein, eine tragfähige Lösung zu finden.

Analyst Keyur Parekh von der Investmentbank Goldman Sachs sieht es genauso: Bayer habe einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Nun könnte zumindest ein kleiner Teil der Glyphosat-Last vom Aktienkurs genommen werden.

Gerade die Unsicherheit über das Ausmaß möglicher finanzieller Belastungen zog den Bayer-Kurs -0,90% nach unten. Seit der Niederlage im ersten Glyphosat-Prozess vergangenen August haben die Aktien rund 40 Prozent an Wert verloren. Ein Vergleich mit den Klägern könnte zwar teuer werden, würde aber für Transparenz hinsichtlich der Kosten sorgen. Angesichts dessen, was bereits in den Aktienkurs eingepreist sei, wäre sogar eine Einigung in der Größenordnung von 15 bis 20 Milliarden Euro ein positiver Kurstreiber, glaubt Analyst Markus Mayer von der Baader Bank.

So bringt es Bayer aktuell an der Börse nur noch auf einen Wert von mehr als 55 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Für Monsanto legten die Leverkusener 63 Milliarden US-Dollar oder zum aktuellen Wechselkurs rund 55 Milliarden Euro auf den Tisch.

Mit Material von dpa-AFX

Sechs-Monats-Chart Bayer (in Euro, Xetra)
Schlagworte:
, , , , , , ,
Werbung

Passende Hebelprodukte von

WKN Bezeichnung Hebel
Long  DC53YF Bayer WaveUnlimited L 55.4446 (DBK) 6,459
Short  DS8AAZ Bayer WaveUnlimited S 73.6652 (DBK) 7,330
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

News-Suche

Suchbegriff:
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 43 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen