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Henkel: Chef weg – diese Linie muss nun halten

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Machtwechsel beim Konsumgüter-Konzern Henkel -1,05%: Konzernchef Hans Van Bylen wird seinen Vertrag nicht verlängern und verlässt das Unternehmen vorzeitig zum Jahresende. Seinem Nachfolger, Finanzchef Carsten Knobel, hinterlässt er eine durchwachsene Bilanz. So gelang es Van Bylen nicht, das jüngst schwächelnde Wachstum der Düsseldorfer anzukurbeln. Auch die Profitabilität ließ nach den Erfolgen in den vergangenen Jahren zuletzt zu wünschen übrig.

Knobel ist seit 2012 Finanzvorstand des Konzerns. Simone Bagel-Trah, Vorsitzende des Aufsichtsrats und des Gesellschafterausschusses, stattete den Manager mit Vorschusslorbeeren aus. "Er kennt das Unternehmen bestens, verfügt über langjährige internationale Management- und Führungserfahrung", erklärte sie am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung. Und er genieße auch "am Kapitalmarkt einen ausgezeichneten Ruf".

Das Verhältnis von Henkel zum Kapitalmarkt war zuletzt durch eine schwache Entwicklung getrübt. Die Erwartungen an Knobel sind nun hoch. Nachhaltiges profitables Wachstum soll bei Henkel weiterhin im Mittelpunkt stehen. Doch Knobel muss gegen sein Image als Zahlenmensch kämpfen. So gab es bereits Kritik an der internen Lösung.

Enttäuscht zeigten sich etwa die Analysten von JPMorgan. In dieser Branche hätten es Finanzchefs in der Vergangenheit nur selten geschafft, als Unternehmenschef erfolgreich zu sein, schrieb Celine Pannuti in einer am Freitag vorliegenden Studie. Zudem sei Knobel schon Teil des Henkel-Managements gewesen, das es zuletzt nicht geschafft habe, operativ zu liefern. Auch sei er mitverantwortlich für die Übernahme des US-Wachmittelherstellers Sun Products, die enttäuschte und zu erheblichem Druck in den USA führte. Die Analystin hält einen strategischen Neuanfang für notwendig und hatte auf frischen Wind durch einen von außen kommenden Chef gehofft. Den Willen, sich neu aufzustellen - etwa durch Akquisitionen oder womöglich sogar durch eine Aufspaltung des Konglomerats - spricht sie Henkel damit ab.

Auch Martin Deboo vom Analysehaus Jefferies zeigt sich kritisch. Zwar begrüßte er den Wechsel an der Spitze generell. Doch stellt er in Frage, ob ein Manager wie Knobel, der an den Entscheidungen und Weichenstellungen der vergangenen Jahre beteiligt war, die richtige Antwort auf die Herausforderungen bei Henkel sei. So habe Knobel eine lange Aufgabenliste. Von einem hinter Wettbewerbern zurückbleibendem Klebstoffgeschäft über das Marktanteile verlierende US-Waschmittelgeschäft bis hin zu einem wettbewerbsintensiven Konsumgütermarkt reichten die Probleme.

Die lange Jahre erfolgsverwöhnten Investoren hatten in den vergangenen Jahren wenig Freude an ihren Henkel-Aktien. Kletterte die Aktie im Juni 2017 auf ein Rekordhoch von fast 130 Euro, ging es danach stetig bergab. In diesem Jahr fällt die Aktie erheblich hinter der Entwicklung der anderen DAX-Konzerne zurück und gehört zu den schwächsten Werten des Index. Auch die Nachricht über den Chefwechsel kann nicht beflügeln - im Gegenteil, die Zweifel bleiben. Die Vorzugsaktien von Henkel -1,05% verloren am Freitagvormittag fast fünf Prozent und waren damit Schlusslicht im DAX. Ein seit August intakter Aufwärtstrend wurde verlassen, nun sollte die 200-Tage-Linie halten. Sonst drohen technisch gesehen weitere Kursverluste bis 83 Euro.

Sechs-Monats-Chart Henkel Vz. (in Euro)


Henkel hatte die Trennung von Van Bylen am Donnerstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung in Düsseldorf verkündet. Der Vertrag wäre im kommenden Jahr ausgelaufen, der Manager selbst machte "persönliche Gründe" geltend, diesen nicht verlängern zu wollen. Van Bylen ist ein Urgestein bei Henkel. 35 Jahre verbrachte er in dem Konzern, davon rund 15 im Vorstand. Der 58-jährige Belgier übernahm dabei im Mai 2016 den Chefsessel des Herstellers von Marken wie Schwarzkopf, Persil, Schauma oder Pritt. Zuvor hatte er das Geschäft mit Haut- und Haarpflege geführt.

Van Bylen hatte den Stab von Kasper Rorsted übernommen, der damals zum Sportartikel-Hersteller Adidas -0,68% wechselte. Der Däne Rorsted hatte Henkel acht Jahre geführt und den einst behäbigen Konzern entstaubt, auf Rendite getrimmt und das Markendickicht gelichtet. Dabei stand die Profitabilität über allem, das Wachstum geriet in den Hintergrund. An der Börse feierte der von außen kommende Manager, der zuvor etwa bei Hewlett Packard gearbeitet hatte, große Erfolge und stieg zum Liebling der Analysten auf.

Mit Van Bylen übernahm wieder ein Manager den Konzern, der die Marken und Märkte kannte. Henkel sollte unter seiner Ägide wieder wachstumsstärker werden. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit kaufte der zuvor akquisitionsscheue Konzern für mehr als drei Milliarden den US-Waschmittel-Hersteller Sun Products, der jedoch die Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte. Zwar konnte Van Bylen zunächst weiter mit guten Ergebnissen aufwarten. Doch inzwischen ist die Erfolgsserie gerissen. Das Unternehmen enttäuschte zuletzt mehrfach und fiel hinter die Konkurrenz wie etwa Beiersdorf -3,47% oder Procter & Gamble -6,16% zurück.

So leidet die konjunktursensible Klebstoffsparte unter der Schwäche in der Automobil-Industrie. Das Geschäft mit Haut- und Haarpflege ist einem hohen Konkurrenzdruck in den reifen Märkten - insbesondere in Europa - ausgesetzt. Zudem belastet in China der Abbau von Lagerbeständen. Höhere Kosten für Marketing und Vertrieb knabbern am Gewinn. Rund läuft lediglich das Geschäft mit Wasch- und Reinigungsmitteln wie etwa Persil, Somat oder Sidolin, wobei sich die Entwicklung im zweiten Quartal deutlich abschwächte. Als Folge musste Henkel seine Prognosen für das laufende Jahr senken.

Van Bylen wollte die sich seit Jahren abzeichnende Wachstumsschwäche mit zusätzlichen Investitionen ankurbeln. Eingeplant hat er dafür rund 300 Millionen Euro im Jahr. Der Markenartikel-Hersteller will damit das Wachstum in den Konsumenten-Geschäften stärken und seine digitale Transformation beschleunigen. Auch dem Ökologie-Trend wollte Henkel folgen. Noch haben sich Maßnahmen jedoch nicht ausgezahlt, die Kosten dafür lasten auf der Profitabilität. (Mit Material von dpa-AFX)

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