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Hugo Boss: Das sieht nicht gut aus

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der Modekonzern Hugo Boss wird für das Jahr 2019 vorsichtiger. Die "anhaltenden gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten" sowie die Hongkong-Unruhen würden sich immer stärker auf die Nachfrage der Kunden auswirken, teilte das MDAX-Unternehmen +0,27% in Metzingen mit. Gerade in Nordamerika werde das Geschäft schwieriger. Außerdem habe das Unternehmen dort schon länger mit Rabattschlachten zu kämpfen.

Darum rechnet Hugo Boss nur noch mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zuvor hatte das Unternehmen mit einem Wachstum am unteren Ende des mittleren einstelligen Prozentbereichs gerechnet.

Beim Betriebsgewinn (Ebit) erwartet das Unternehmen nur noch 330 bis 340 Millionen Euro. Zuvor peilte das Management ein Wachstum am unteren Ende eines Anstiegs im hohen einstelligen Prozentbereich an. Der Vorjahreswert lag bei 347 Millionen Euro. Der Modekonzern war bereits im August etwas vorsichtiger mit seinen Erwartungen geworden.

Magere Quartalszahlen

Die Gewinnwarnung verschickte Boss gemeinsam mit den vorläufigen Quartalszahlen. Demnach blieb der Umsatz im dritten Quartal währungsbereinigt zum Vorjahr gleich, unbereinigt stieg er um ein Prozent auf 720 Millionen Euro. Das Ebit lag bei 80 Millionen Euro, deutlich unter dem Wert von 92 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Die endgültigen Zahlen für das dritte Quartal legt der Modekonzern Anfang November vor. Im zweiten Quartal waren Umsatz und operativer Gewinn noch leicht gestiegen.

Der Abwärtstrend der Aktien von Hugo Boss -0,40% hat sich am Freitag nach der Gewinnwarnung des Modekonzerns beschleunigt. Die Papiere fielen am Vormittag zeitweise um mehr als 13 Prozent auf 38,63 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit 2010.

Börsenwert sinkt

Der Bekleidungs-Konzern bringt es nach einem Kursrutsch um mehr als ein Viertel im bisherigen Jahresverlauf nur noch auf einen Börsenwert von knapp 2,8 Milliarden Euro. Vom Rekordhoch der Aktien von mehr als 120 Euro im Jahr 2015 ist mittlerweile nur noch rund ein Drittel übrig. Im Schlepptau kamen auch Adidas +1,31% im DAX +0,58% mit 1,6 Prozent unter Druck. Der Luxusgüterhersteller LVMH +0,70% hatte den Branchenanlegern tags zuvor mit seinem Umsatztrend im dritten Quartal noch Mut gemacht, indem er der Krisensituation in Hongkong getrotzt hatte.

Fünf-Jahres-Chart Hugo Boss (in Euro)


Die Senkung der Gewinnziele durch Hugo Boss kommt laut Analystin Elena Mariani von der Bank Morgan Stanley zwar nur eingeschränkt überraschend, sie "senkt aber die mittelfristige Vorhersagbarkeit der Umsatz- und Gewinnentwicklung weiter, weshalb die Bewertung der Aktien noch länger als gedacht auf niedrigem Niveau bleiben könnte."

US-Schwäche überrascht Analysten

Ein eher schwaches drittes Quartal sei zu erwarten gewesen, doch sei die Profitabilität geradezu eingebrochen, schrieb Analyst Christian Salis von der Privatbank Hauck und & Aufhäuser nun in einer ersten Einschätzung.

Nach der recht guten Entwicklung der vergangenen beiden Jahre scheine dem Modeunternehmen in diesem Jahr die Luft auszugehen, konstatiert Salis. Die Belastungen infolge der Unruhen in Hongkong dürften einmaliger Natur sein. Was überrasche, sei die Schwäche der Marke Hugo Boss in den USA und Europa - das habe es schon länger nicht mehr gegeben. Zudem zeige die Gewinnentwicklung, dass die Effizienzmaßnahmen des Konzerns kaum Früchte trügen.

Analyst Piral Dadhania von der Bank RBC sieht zwar einen gewissen Spielraum für weitere Einsparungen bei dem Unternehmen, die die Gewinnmargen stützen könnten. Allerdings dürften mögliche positive Effekte zumindest teilweise durch Kosten für Werbung und Investitionen aufgezehrt werden.

Premium-Bekleidungs-Hersteller unter Druck

Zudem stehe die Premium-Modebranche insgesamt unter Druck - ein Trend, dem sich Boss nicht entziehen könne. Vor diesem Hintergrund hält der Experte das vom Unternehmen bestätigte mittelfristige Ziel einer Ebit-Marge von 15 Prozent für zu hoch.

Mit dieser Einschätzung ist Dadhania nicht alleine. Morgan-Stanley-Analystin Mariani rechnet mit nur 13 Prozent Marge im Jahr 2022 und der Hauck & Aufhäuser-Experte Salis bezeichnet eine operative Gewinnmarge von 15 Prozent im Jahr 2022 als zumindest ambitioniert, da sie eine Margensteigerung von mindestens einem Prozentpunkt pro Jahr bedeuten würde.

Die Deutsche Bank hat das Kursziel für Hugo Boss -0,40% von 72 auf 67 Euro gesenkt, immerhin aber die Einstufung auf "Buy" belassen.

Mit Material von dpa-AFX

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