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Im Autoland

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Voraussetzung für jede Wende zum Besseren ist der totale Absturz ins Loch. Das gilt sowohl psychologisch wie faktisch und mit der anschließenden Wendung für neue Ideen. Die deutsche Autoindustrie beginnt in diesen Wochen unter genau diesen Bedingungen.

 

Über Autos in Deutschland zu diskutieren, ergibt lediglich Negativa. Die einen zum Thema Diesel, die anderen zum Thema der E-Mobility, die dritten in Sachen CO2, und die nächste Gruppe guckt dann schon auf andere Alternativen und schließlich aufs Fahrrad. Aber 82 Mio. Einwohner in Deutschland leben mehr oder weniger zu einem guten Viertel vom Auto. Sei es im Bau, oder in der Verwendung, schließlich im Verkauf weltweit und mit allen Varianten dazwischen. In solchen Dingen sind die Deutschen nie sehr schnell, aber wenn sie die Kurve bekommen, durchweg gründlich. Im Moment dem deutschen Autobau eine Zukunft vorauszusagen, erscheint wie eine gewagte Prognose à la Nostradamus. Und dennoch ist sie greifbar. So eine Art Vorspiel fand am Dienstag statt. Morgens um 09.00 Uhr meldete Continental zum dritten Mal in diesem Jahr eine Gewinnwarnung. Wie reagierte der Kurs? + 4,7 %! Die Daimler-Story ist nur zur Erinnerung an die Seite zu stellen. Die konstruierte Gewinnwarnung führte zunächst zu einem Schock und am Dienstag waren es ebenfalls knapp 3 % auf der Plusseite. BMW wechselt seinen Chef kurzerhand aus und wird am 18.08. seine Perspektiven vortragen, wobei der neue Chef es vermutlich so hält wie im Falle Daimler: Alle Altrisiken oder Eventualitäten werden in das Ergebnis des ersten Halbjahres gesteckt, um für sich selbst eine reine Weste zu haben. Das funktioniert wie immer. Vielleicht gibt es noch einen kleinen Rücksetzer, aber BMW gewann am Dienstag ebenfalls beinahe 5 %.

 

Stecken wir den Rahmen größer. Mit der eingangs genannten Dominanz des Autobaus in Deutschland verändert sich die gesamte Einschätzung der Wirtschaft entscheidend. Wenn jeder Fünfte davon betroffen ist, steckt jeder Fünfte auch den Sechsten an und muss oder wird handeln. Das gilt für den Besitzer der Tankstelle ebenso wie für die KFZ-Werkstatt oder den kleineren oder größeren Zulieferer, die allesamt vor dem gleichen Problem seit mehr als zwei Jahren stehen: Keiner wusste, was aus dem deutschen Autodilemma wird. Denn ursächlich ist es ein deutsches Thema mit der ansteckenden Wirkung für andere Länder, andere Techniken und andere psychologische Eindrücke. Wenn Audi inzwischen zu einer „Nichtmodemarke“ geworden ist, so ist alleine die Gerüchteküche um den Audi-Diesel schuld. Keineswegs die Qualität der Produkte. Relativ glimpflich kam mit dieser Frage bisher Daimler davon und am wenigsten traf es BMW. Jeweils in den echten Ergebnissen gerechnet. Also netto nach allen möglichen Strafzahlungen. Schauen wir nach vorne: Eine Wende in den Automärkten hat stets eine Breitenwirkung. Das war früher in den USA deutlicher zu spüren, als der Autoanteil an der Wirtschaftsleistung des Landes fast die doppelte Quote erreicht hatte wie aktuell. Die Umsätze von GM und Ford zusammen sind nur noch eine Minigröße in der BIP-Rechnung. Die gebündelte Leistung der deutschen Autobauer ist in der BIP-Quote ebenfalls relativ bescheiden, weil fast 50 % der Autoumsätze gar nicht im Lande abgewickelt werden, sondern in den jeweiligen Montagewerken im Ausland. Der Kleinste, BMW, verfügt über 30 Autowerke im Ausland. Deren Wertschöpfung findet sich in der Bilanz von BMW wider, aber nicht in der deutschen Wirtschaftsstatistik. Bei VW liegen die Anteile in ähnlichen Größenordnungen und etwas geringer fallen sie bei Daimler aus. Aber: Alles, was mit dem Auto zu tun hat, inklusive Zulieferer, erreicht eine wesentlich größere Quote in der genannten Bandbreite. Also lässt es sich hochrechnen: Die Bundesbank verkündet soeben ein Wachstum von 0,4 % für die deutsche Wirtschaftsleistung. Eine Autowende würde innerhalb von drei Monaten diese Wachstumsrate sehr schnell auf 0,6 bis 0,7 % erhöhen, und je nach Begünstigung sogar auf 1 bis 1,1 %. Daran wird am besten deutlich, wie groß die Bedeutung des Autobaus für Deutschland ist.

 

Kluge Investoren greifen einer solchen Konstellation vor. Autoaktien kauft man deshalb dann, wenn keiner sie haben will. So ähnlich wie Autos mit Sonderrabatten oder einer 0 % Finanzierung, wenn es zu viele gibt und der Preis möglichst günstig ist. Das kann man fühlen, wenn man den Autoverkäufer geschickt testet. Das Erfolgserlebnis eines günstigen Autokaufs entspricht dem Erfolgserlebnis des möglichst günstigsten Kaufes einer Autoaktie. Beides deckt sich zu 100 %.

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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