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Inline-Optionsscheine endlich wieder handelbar! Aber macht das jetzt noch Sinn?

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Seit Anfang dieses Monats können Investoren in Deutschland also endlich wieder die von einigen so geliebten Inline-Optionsscheine sowie Stay-High bzw. Stay-Low-Optionsscheine handeln. Das war in den vergangenen Monaten nicht so einfach möglich, weil die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA ein Handelsverbot für Privatanleger bei binären Optionen beschlossen hatte und davon auch diese exotischen Optionsscheine betroffen waren. Während das generelle Verbot der ESMA weiterhin gilt, sind die genannten Produkte davon mittlerweile explizit ausgeschlossen worden (siehe Investmentecke vom 3. September). Der Deutsche Derivate Verband (DDV), der sich dieser Sache intensiv und letztlich auch erfolgreich angenommen hatte, hat nun fünf Grundsätze für die Emission von Inline-Optionsscheinen und vergleichbaren Wertpapieren zum Vertrieb an Privatkunden in Deutschland veröffentlicht, zu deren Einhaltung und Beachtung sich alle DDV-Mitglieder verpflichtet haben. Dabei geht es vor allem darum, dass die Emittenten einen ordentlichen Wertpapierprospekt erstellen, durch Absicherungsgeschäfte nicht „direkt gegen den Anleger“ wetten, die Produkte an der Börse handelbar sind und bei der Emission eine Mindestlaufzeit von 90 Kalendertagen haben. Zudem werden die Scheine so eingestuft, dass sie nur von Anlegern mit „umfangreichen Kenntnisse und/oder Erfahrungen mit Finanzprodukten“ erworben werden können.

Dass gerade der letzte Punkt grundsätzlich sinnvoll ist, zeigt sich im aktuellen Marktumfeld sehr deutlich. So hat sich der DAX in den vergangenen 1,5 Jahren bei historisch niedrigen Kursschwankungen unter dem Strich kaum verändert. In diesem Umfeld hätte sich der Einsatz von Inline-Optionsscheinen mal so richtig gelohnt. Theoretisch hätte man irgendwann Mitte 2017 einen Schein mit Barrieren bei 11700 und 13600 Punkten kaufen können und würde damit immer noch auf Kurs Richtung Höchstbetrag liegen. Bei einer Laufzeit von damals noch mindestens 16 Monaten und der vergleichsweise engen Range hätten entsprechende Produkte sicher kaum etwas gekostet. Entsprechend hoch wären heute die Gewinne. Wobei wir hier bewusst im Konjunktiv bleiben. Denn zum einen haben wir keinen passenden Schein gefunden, der damals schon am Markt war. Zum anderen wäre dieses Risiko wohl kaum jemand eingegangen. Schließlich war der DAX in den zwölf Monaten zuvor gerade um rund 3800 Punkte gestiegen. Eine Bewegung, die doppelt so groß ausgefallen war wie die Range des Scheins, die in den 18 Folgemonaten nicht durchbrochen werden durfte. Wer bitte sollte ahnen, dass eine solche Wette tatsächlich aufgeht?

Genau umgekehrt stellt sich die Situation heute dar. Nach der langwierigen Seitwärtsphase haben sich viele Anleger daran gewöhnt, dass kaum noch Bewegung am Markt herrscht (zumindest was den Dax betrifft). Einen Anstieg (oder auch Kursrutsch) des Index um fast 4000 Punkte innerhalb von einem Jahr hat aktuell wohl kaum jemand auf dem Radar. Dann stünde der Dax schließlich bei über 16000 Punkten oder aber bei gut 8000 Punkten. Doch die Erfahrung zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer starken Bewegung umso höher ist je länger der Markt vorher seitwärts gelaufen ist. Zu enge Korridore könnten daher schnell gefährlich werden.

Gleichzeitig verharrt der VDAX New als Schwankungsbarometer des deutschen Leitindex auf niedrigem Niveau (was er Mitte 2017 allerdings auch tat). Das führt dazu, dass die Konditionen der Dax-Inliner aktuell nicht sonderlich attraktiv sind. Wer zum Beispiel auf eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung bis kurz vor Weihnachten setzt und dabei nach oben und unten jeweils gut 10 Prozent Puffer haben möchte (entspricht Barrieren von 11000 und 13600 Punkten), der zahlt dafür je nach Anbieter aktuell zwischen 8,60 (WKN: HX0E8Q) und 8,90 (WKN: ST1AH2) Euro. Die Renditechancen liegen also grob zwischen 12 und 16 Prozent. Demgegenüber steht das Risiko eines unmittelbaren Totalverlustes, sobald eine der beiden Barrieren gerissen wird. Und das kann bei einer impulsiven Bewegung ganz schnell gehen. Von daher sollten Anleger zumindest beim DAX aktuell vielleicht eher etwas zurückhaltend agieren, was den Kauf solcher Scheine angeht.

Thomas Koch

 

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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