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KONJUNKTUR IM BLICK/Ifo-Geschäftsklima hellt sich leicht auf

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)Das Geschäftsklima in Deutschland dürfte sich im Dezember leicht aufgehellt haben. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex auf 95,5 (November: 95,0) Punkte gestiegen ist. Es wäre der vierte Monat, in dem der wichtigste deutsche Frühindikator nicht gesunken ist, und damit ein weiteres Zeichen einer konjunkturellen Stabilisierung. Das Ifo-Institut veröffentlicht die Daten am Mittwoch (10.00 Uhr).

Weitere wichtige Konjunkturdaten der Woche sind die europäischen Einkaufsmanagerindizes, das Euroraum-Verbrauchervertrauen sowie der Philly-Fed-Index. Zudem kommen am Donnerstag vier geldpolitische Entscheidungen, darunter die der Bank of Japan (BoJ) und die der Bank of England (BoE).


Günstige Vorgaben für Ifo-Geschäftsklimaindex

Die Vorgaben für den Ifo-Index sind einigermaßen günstig. Es gibt zunehmende Hoffnungen, dass es im Handelsstreit USA-China zu einer Deeskalation kommt. Das würde die weltweite Unsicherheit der Unternehmen verringern und möglicherweise den Appetit auf deutsche Investitionsgüter wachsen lassen.

Die Stimmung deutscher Unternehmen würde sich mit mehr Auftragseingängen aufhellen, und irgendwann auch produktionswirksam werden. Das wiederum würde sich auch im Bruttoinlandsprodukt (BIP) niederschlagen. Allerdings kann dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Maschinenbauverband VDMA schätzt, dass eine weitere Stabilisierung der Stimmungsindikatoren zum jetzigen Zeitpunkt erst im zweiten Halbjahr 2020 zu Produktionszuwächsen führen würde.


Ifo-Lagebeurteilung und Erwartungen dürften steigen

Gleichwohl wäre ein solches Szenario auch aus Sicht des Arbeitsmarkts wünschenswert, wo die anhaltende Schwäche der Industrie bereits zu einer langsamer wachsenden Arbeitskräftenachfrage des Dienstleistungssektors geführt hat. Für den Unterindex der Geschäftslagebeurteilung erwarten die Volkswirte einen Anstieg auf 98,0 (97,9) Punkte und für den Index der Geschäftserwartungen einen Zuwachs auf 93,0 (92,1) Punkte.

Hoffnungen auf einen Ifo-Anstieg machen auch die Aufwärtsbewegung von Sentix-Konjunkturindex und ZEW-Konjunkturerwartungen. Andererseits sind negative Rückwirkungen schwacher harter Konjunkturdaten auf die Stimmung nicht ausgeschlossen. So sank die Produktion zuletzt unerwartet kräftig (minus 1,7 Prozent), und die Auftragseingänge (minus 0,4 Prozent) gingen entgegen den Erwartungen zurück.

Auswirkungen für die Erwartungen an den Ifo-Index dürften auch die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Dezember haben, die am Montag (9.30 Uhr) veröffentlicht werden. Volkswirte prognostizieren für den deutschen Industrie-PMI einen Anstieg auf 44,5 (44,1) Punkte und für den Dienstleistungs-PMI einen Zuwachs auf 52,0 (51,7) Punkte. Die PMI für die Eurozone kommen um 10.00 Uhr, die für Frankreich um 9.15 Uhr.


Bank of Japan hält Kurs mit Stimuluspaket

Die Bank of Japan (BoJ) dürfte wegen des Konjunkturprogramms der Regierung im Umfang von 13,2 Billionen Yen (110 Milliarden Euro) ihre Wachstumsprognose für das nächste Fiskaljahr, das im April beginnt, erhöhen. Die nächste Revision der Prognosen steht aber erst im Januar an. Dennoch ist damit die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die BoJ-Ratsmitglieder bei ihrer bevorstehenden Sitzung ihren geldpolitischen Kurs beibehalten werden. Die Regierung rechnet damit, dass ihr Paket das Wachstum um 1,4 Prozentpunkte anschieben wird, hat aber den Effekt für das nächste Fiskaljahr nicht spezifiziert.

Ökonomen haben Zweifel an der Zahl der Regierung geäußert, aber sie sind sich weitgehend einig, dass das Paket es der BoJ erleichtert, auf zusätzliche Lockerungen zu verzichten. Die BoJ könnte sogar das ganze nächste Jahr stillhalten, falls der Handelsstreit nicht eskaliert. Die BoJ veröffentlicht ihre geldpolitischen Entscheidungen am frühen Donnerstagmorgen.


Bank of England erreicht nach Brexit-Sturm ruhige Gewässer

Mit der Weichenstellung für einen geregelten Brexit Ende Januar segelt auch die Bank of England (BoE) in ruhigen Gewässern. Bei der bevorstehenden Sitzung wird es aller Voraussicht nach keine Änderung in der Geldpolitik geben. Der Leitzins wird damit bei 0,75 Prozent verharren. Obwohl die Wirtschaftsdaten zuletzt sehr schwach ausfielen, wird einer Zinssenkung bis zum Sommer nur eine Chance von 40 Prozent eingeräumt.

Bei der Sitzung im November hatten allerdings zwei Ratsmitglieder für eine Senkung um 25 Basispunkte gestimmt. Die BoE macht ihre Zinsentscheidung am Donnerstag (13.00 Uhr) bekannt. Die BoE legt außerdem am Montag (18.00 Uhr) ihren halbjährlichen Bericht zur Finanzstabilität vor, den sie wegen der Wahl verschoben hatte. Dieser enthält die vollständigen Ergebnisse des Stresstests für die Banken.


Riksbank verabschiedet sich vom Negativzins

Mit ungewöhnlich hoher Aufmerksamkeit dürften Analysten am Donnerstag (9.30 Uhr) die Zinsentscheidung der schwedischen Riksbank verfolgen. Die Zentralbank hatte bei ihrer Sitzung im Oktober prognostiziert, dass der Reposatz im Dezember voraussichtlich um 25 Basispunkte angehoben werden dürfte. Damit würde sich die Riksbank vom Negativzins verabschieden. Die Riksbank hatte lange an dem Negativzins festgehalten obwohl die Wirtschaft gut lief und der Immobilienmarkt seit langem als überhitzt gilt. Dass die Riksbank ihn nun abschaffen will, obwohl sich die Wachstumsaussichten eingetrübt haben, hat viele Beobachter überrascht.

Eine halbe Stunde nach der Riksbank (10.00 Uhr) macht die Zentralbank des Nachbarlands Norwegen ihre Zinsentscheidung bekannt. Analysten erwarten unveränderte Zinssätze, auch wenn der relativ hohe Kerninflationsdruck zumindest perspektivisch höhere Zinsen wahrscheinlich macht.


US-BIP, Industrieproduktion und PCE-Deflator

In den USA steht am Freitag (14.30 Uhr) die dritte Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das dritte Quartal an. Zudem kommen die Daten zu Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung (Dienstag, 15.15 Uhr), der Philly-Fed-Index (Donnerstag, 14.30 Uhr) und Daten zu den privaten Einkommen und Ausgaben, inklusive des Preisindex der privaten Konsumausgaben (PCE-Deflator).

Am Freitag kommen außerdem der deutsche GfK-Konsumklimaindex (8.00 Uhr) und der Index des Euroraum-Verbrauchervertrauens (16.00 Uhr).

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/jhe

END) Dow Jones Newswires

December 13, 2019 08:59 ET ( 13:59 GMT)

Copyright (c) 2019 Dow Jones & Company, Inc.
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