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Konjunktur: Schwächer als erwartet

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Keine guten Nachrichten: Die Wirtschaft in Deutschland wird nach Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft in diesem Jahr deutlich langsamer wachsen als erwartet.

Die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) revidierten am Donnerstag in ihrer Konjunkturprognose den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2019 auf 0,6 Prozent und für 2020 auf 1,6 Prozent. Zuletzt hatten sie noch mit 1,0 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr gerechnet. Bereits im März hatte das IfW die Prognose für 2019 von 1,8 auf 1,0 Prozent gesenkt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) reduzierte schon im März ihre Prognose für das deutsche Wachstum 2019 von 1,6 auf 0,7 Prozent - das wäre nur halb so viel wie im vergangenen Jahr. Im April berichtete der "Spiegel", Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gehe nur noch von einem Wachstum von 0,5 Prozent aus.

"Die deutsche Konjunktur kühlt sich deutlich ab, und die globale politische Unsicherheit setzt der deutschen Wirtschaft zu", betonten die Kieler Wissenschaftler. Die Arbeitslosigkeit dürfte nach ihrer Einschätzung kaum noch weiter sinken, die Überschüsse der öffentlichen Haushalte bis auf 33 Milliarden Euro zurückgehen. IfW-Präsident Gabriel Felbermayr forderte eine Unternehmensteuerreform und eine Abschaffung des Solidaritätszuschlages.

Der Anstieg des BIP im ersten Quartal 2019 um 0,4 Prozent sei vor allem Sonderfaktoren geschuldet wie Aufholeffekten in der Automobilindustrie nach Problemen mit dem neuen Prüfverfahren WLTP. Für das zweite Quartal 2019 zeichne sich sogar ein leichter Rückgang des BIP ab. Anschließend dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion zwar wieder zulegen, aber moderat.

"An der globalen politischen Unsicherheit, die die Unternehmen hierzulande belastet, kann die deutsche Politik wenig ändern - an der Standortqualität hingegen schon", sagte Felbermayr. "Es sollte daher jetzt darum gehen, die deutsche Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen, etwa durch eine Reform der Unternehmensteuern und die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags."

Insgesamt ist das Konjunkturbild uneinheitlich. Während die industrielle Auslastung deutlich nachgibt - die Produktion in den Industriebereichen dürfte im laufenden Quartal das vierte Mal in Folge schrumpfen - und der Dienstleistungssektor nur moderat zulegt, dauert der Bauboom an. Mit Zuwachsraten von 4,4 Prozent (2019) und 3,1 Prozent (2020) überragen die Bauinvestitionen alle übrigen inländischen Wirtschaftsaktivitäten. Die Baupreise dürften jeweils um etwa fünf Prozent steigen.

Der private Konsum dürfte dank weiter kräftig steigender Einkommen mit Raten von 1,7 Prozent (2019) und 1,4 Prozent (2020) wieder spürbar anziehen. Ebenfalls stützend für die Konjunktur wirken, so das IfW, die sehr günstigen Finanzierungskonditionen und die trotz allem noch recht robuste Weltkonjunktur. "Die Exporte werden zwar allmählich wieder Tritt fassen, aber mit Raten von 1,2 Prozent (2019) und 3,5 Prozent (2020) nur moderat steigen", lautet die Prognose.

Mit Material von dpaAFX.
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