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Konjunkturhoffnung und Billiggeld: Dax kurz auf Rekordhoch

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Quelle: dpa-AFX

Von Michael Schilling und Lutz Alexander, dpa-AFX

Nach einem glänzenden Jahr 2019 geht es im neuen Jahr an der deutschen Börse zunächst schleppend voran. Dennoch bricht der Dax den bisherigen Rekord. Ganz überraschend ist das nicht.

Frankfurt/Main (dpa) - Konjunkturoptimismus, Billiggeld der Notenbanken und Entspannung in Nahost: In diesem Umfeld hat der Dax am Mittwoch nach langem Anlauf den Sprung auf ein Rekordhoch geschafft.

Der deutsche Leitindex stieg gleich am Morgen bis auf 13.640,06 Punkte und ließ damit seine zwei Jahre alte bisherige Bestmarke von 13.596,89 Zählern hinter sich. Die Euphorie dauerte aber nicht lange - nach dem Sprung auf den Höchststand ging dem Börsenbarometer schon bald die Luft aus. Am Ende ging der Dax sogar mit einem Minus von 0,30 Prozent auf 13.515,75 Punkte aus dem Handel.

Was Börsianer auch auf das in China aufgetretene Coronavirus zurückführen, was ein Restrisiko mit möglichen Gefahren für die Weltwirtschaft bedeute. Im frühen Handel war auf dem Parkett dagegen noch frischer Rückenwind aus Asien zu spüren. Der Dax profitiere mit seiner internationalen Ausrichtung überdurchschnittlich von der Entspannung der Handelsstreitigkeiten und der damit einhergehenden Verbesserung der Unternehmensstimmung, erklärte Maximilian Kunkel, Chefanlagestratege der Schweizerischen Bank UBS für Deutschland.

Soll heißen: Die 30 deutschen Börsenschwergewichte leben stark von Exportgeschäften - und die könnten anziehen bei weniger Handelskonflikten und geopolitischen Risiken. Marktexperte Andreas Büchler vom Börsenstatistik-Dienst Index-Radar sieht mittelfristig nun sogar Luft bis in den Bereich um die 14.500 Punkte, wenngleich der Weg dahin wohl kaum wie an der Schnur gezogen aussehen werde, erklärte er.

Anders als etwa den großen Indizes an der Wall Street fehlte dem Dax lange Zeit die Kraft für einen Sprung auf neue Höhen. Das lag vor allem an den Konjunktursorgen im Zuge des US-chinesischen Handelsstreits, die stark auf Auto- und Chemiewerten lasteten.

Mittlerweile haben die beiden größten Volkswirtschaften aber ein Teilabkommen unterzeichnet. Damit wurden erst einmal geplante Strafzölle ausgesetzt, die das Zeug gehabt hätten, der globalen Wirtschaft weiteren Schaden zuzufügen. Auch daher war an den Märkten wieder Konjunkturoptimismus aufgekommen.

Darüber hinaus scheint auch die unmittelbare Gefahr eines neuen Krieges im Nahen Osten gebannt, nachdem die zu Jahresbeginn verschärften Spannungen zwischen dem Iran und den USA zumindest nicht weiter eskalierten. Die USA hatten zwar als Reaktion auf iranische Vergeltungsschläge neue Wirtschaftssanktionen gegen das Land verhängt, aber keine weiteren Militäraktionen unternommen. «Es scheint fraglich, ob US-Präsident Donald Trump im Wahljahr einen Krieg vom Zaun brechen will», schrieb Analyst Martin Utschneider vom Bankhaus Donner & Reuschel. Das amerikanische Volk sei «erwiesenermaßen kriegsmüde».

Positiv wertet Index-Radar-Experte Büchler auch, dass der Dax sich schon recht lange in Schlagdistanz zur alten Bestmarke gehalten habe, ohne deutlich zurückzusetzen. Das sei ein Zeichen der Stärke gewesen.

Als Schmiermittel für die Börsen erweist sich besonders die Aussicht auf eine weiterhin lockere Geldpolitik der US-Notenbank (Fed). Erst bei einem «signifikanten» Anstieg der Teuerung werde eine Leitzinserhöhung notwendig, hatte der Fed-Präsident Jerome Powell jüngst gesagt. Niedrige Zinsen lassen Aktien im Vergleich mit festverzinslichen Wertpapieren in einem günstigeren Licht erscheinen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zudem ihren Krisenmodus verschärft und damit die Börsen weiter angetrieben. So will die EZB mit der Neuauflage der Wertpapierkäufe Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. «Die Aussicht auf jahrelange Nullzinsen am Kapitalmarkt und für Spareinlagen bei gleichzeitiger stabiler weltweiter Konjunktur ist für Aktien ein ideales Umfeld», erklärte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Auch Kunkel von der UBS gibt sich zuversichtlich. So sei der Dax im internationalen Vergleich immer noch teils niedrig bewertet. Er verweist aber auch auf latente Risiken: Ein abermalige Verschlechterung der internationalen Handelsbeziehungen, ein drastischer Abschwung der chinesischen oder amerikanischen Wirtschaft oder eine starke Aufwertung des Euro in kurzer Zeit könnten zu Spielverderbern werden.

So rechnen Experten insgesamt im Vergleich zum Bullenjahr 2019 mit seinem satten Plus von rund 25 Prozent für 2020 unter dem Strich mit eher mageren Gewinnen. Wegen der vielen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten weltweit könnte es turbulent zugehen. Auf eine gute erste Jahreshälfte könnte eine schwächere zweite folgen, glaubt etwa Marktstratege Mislav Matejka von der Bank JPMorgan.

An den Hauptrisiken des alten Jahres hat sich denn auch wenig geändert. So bleibt der langfristige Kampf um die globale Vormachtstellung zwischen den USA und China bestehen, wie Stratege Talib Sheikh vom Vermögensverwalter Jupiter Asset Management betont. Weitere Unwägbarkeiten gibt es mit Blick auf den US-Präsidentschaftswahlkampf, der nach Ansicht von JPMorgan Verbraucher, aber auch Unternehmen und Investoren in der weltgrößten Volkswirtschaft zu Passivität veranlassen könnte - ganz nach dem Motto: erst einmal abwarten, wer das Rennen im November macht.

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