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K+S: Warum die Düngemittel-Aktie abrutscht

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Sinkende Kalipreise und noch umfangreichere Produktionskürzungen verhageln dem Dünger- und Salzkonzern K+S die Jahresziele stärker als erwartet. Wegen der schwachen Nachfrage drosselt das Unternehmen seine Kaliproduktion zusätzlich zu den bereits angekündigten 300.000 Tonnen um weitere 200.000 Tonnen, wie K+S am Donnerstag mitteilte. Zudem lief es im Geschäft mit Auftausalz vor der Hauptsaison noch nicht rund. Die Aktie geriet erneut spürbar unter Druck. Am Freitag-Vormittag wurde der tiefste Stand seit September 2005 erreicht.

Die Aktien von K+S +3,66% haben ihre jüngsten Verluste zeitweise um rund vier Prozent auf 11,50 Euro ausgeweitet. Tags zuvor waren die Papiere des Dünger- und Salzherstellers nach ihrem Quartalsbericht auf das tiefste Niveau seit 14 Jahren abgesackt. Allein 2019 steht nun schon ein Minus von mehr fast einem Viertel auf der Kurstafel. Zahlreiche Analysten strichen nun ihre Schätzungen und Kursziele für die Kasseler zusammen.

Analysten zunehmend skeptisch

Christian Faitz von der Investmentbank Kepler Chevreux entfernte die Papiere gar von der "German Top Picks List" des Hauses und erklärte dies mit anhaltender Schwäche des Kali-Marktes im vierten Quartal. An seiner grundsätzlichen Kaufempfehlung hielt er jedoch fest. Dies gilt auch für die Experten der Commerzbank und vom Bankhaus Metzler, die auch mit ihren gesunkenen Kurszielen inzwischen massives Erholungspotenzial signalisieren.

Die Schweizer Bank Credit Suisse hat das Kursziel für K+S nach den Zahlen zum dritten Quartal von 15 auf 12 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Neutral" belassen. Analyst Chris Counihan senkte in einer aktuellen Studie seine Prognosen für das operative Ergebnis des Salz- und Düngemittelkonzerns um durchschnittlich acht Prozent. In einem Umfeld sinkender Kalipreise erscheine es sehr schwierig, wie angepeilt einen positiven Barmittelzufluss (FCF) zu erwirtschaften.

Gewinnziele eingedampft

Konzernchef Burkhard Lohr rechnet 2019 nur noch mit einem leichten Wachstum des operativen Gewinns (Ebitda) auf rund 650 Millionen Euro. Bisher hatte er 730 bis 830 Millionen Euro angepeilt. Das neue Ziel liegt deutlich unter der durchschnittlichen Schätzung von Analysten. Auch Patrick Rafaisz von der UBS rechnet nun mit weiter fallenden Markterwartungen.

Positiv sei immerhin, dass der Konzern gleichzeitig die Investitionen senke, schrieb Analyst Oliver Schwarz von Warburg Research. Daher schlage der niedrigere Gewinnausblick nicht voll auf den bereinigten freien Mittelfluss (Free Cashflow) durch.

Auf den Mittelzufluss achten Investoren derzeit besonders, weil der Konzern aufgrund eines teuren neuen Kaliwerks in Kanada stark verschuldet ist. Zwar rückte Manager Lohr von seinem bisherigen Ziel ab, einen bereinigten Free Cashflow von mindestens 100 Millionen Euro zu erwirtschaften. Er will aber weiterhin erstmals seit 2013 wieder einen positiven Wert erreichen.

10-Jahres-Chart K+S (in Euro)


Gewinnsprung zum belasteten Vorjahresquartal

Der Umsatz des MDAX-Konzerns -0,37% stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 905 Millionen Euro. Sein operatives Ergebnis konnte K+S sogar auf 81 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Allerdings war das Vorjahresquartal besonders schwach ausgefallen. Damals hatten Probleme bei der Abwasserentsorgung wegen des trockenen Sommers zu schweren Produktionsausfällen im hessisch-thüringischen Kalirevier geführt. Solche Probleme sind angesichts des feuchteren Wetters in diesem Jahr sowie zusätzlicher Abwasser-Speichermöglichkeiten von K+S im laufenden Jahr kein Thema.

Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre indes wegen hoher Abschreibungen sowie Zinsaufwendungen für die hohe Verschuldung diesmal ein Verlust von knapp 57 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte der Fehlbetrag allerdings mit gut 63 Millionen noch etwas höher gelegen.

Während der Kasseler Konzern im vergangenen Jahr deutlich mehr hätte verkaufen können, machte ihm dieses Jahr eine trägere Nachfrage nach Kalidünger einen Strich durch die Rechnung. Der fortgesetzte chinesische Importstopp sorge auch in anderen Märkten für Zurückhaltung, hieß es. So führt China Kaliumchlorid wegen hoher Lagerbestände schon seit längerer Zeit nicht mehr ein. Viel dürfte sich mit Blick auf China in diesem Jahr auch nicht mehr tun, sagte K+S-Chef Lohr in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Auch die Konkurrenz drosselt Produktion

Die Branche reagierte in den vergangenen Monaten denn auch deutlich. Bereits im September hatte Konzernchef Lohr es größeren Konkurrenten wie Nutrien -2,52%, Mosaic -1,05% und Belaruskali gleichgetan und die Produktion gedrosselt. Die Hoffnung ist, dass bei einem geringeren Angebot die Lager der Kunden schneller leer werden und dann höhere Verkaufspreise durchgesetzt werden können. "Die Situation ist schwierig, aber wir sind hoffnungsvoll, dass der Markt 2020 auf die Maßnahmen reagierten wird," sagte Lohr.

Bis es so weit ist, nagen die Produktionskürzungen aber am Gewinn. Ohne diese und die nun bekannt gegebenen zusätzlichen Einschnitte wäre das Ebitda von K+S im laufenden Jahr wohl um bis zu 130 Millionen Euro höher ausgefallen. Aus dem ursprünglich für 2019 geplanten Befreiungsschlag wird daher wohl nichts.  (Mit Material von dpa-AFX)

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