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Kursverlauf von Zertifikaten: Kurios und dennoch logisch

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Kursentwicklung mancher Zertifikate ist für viele Investoren immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Das gilt vor allem während der Laufzeit und rund um etwaige Bewertungstage. Das Problem dabei ist, dass zwar die Szenarien am Ende der Laufzeit und bei einer vorzeitigen Fälligkeit ganz klar definiert und damit auch problemlos nachvollziehbar sind. In der Zeit davor bestimmen aber Einflussfaktoren den Kurs, die von Anlegern auf den ersten Blick schwer bis gar nicht zu bewerten sind. Dabei spiegelt der aktuelle Kurs letztendlich immer nur die Wahrscheinlichkeiten wider, mit der die angesprochenen Szenarien am Ende auch Realität werden könnten. Geht man in die Detail-Analyse, wird selbst der kurioseste Kursverlauf irgendwann verständlich.

Ein besonders „schönes“ Beispiel lieferte zuletzt das hier vor knapp einem Jahr während der Zeichnungsphase vorgestellte „Express Step Down Airbag“-Zertifikat der Credit Suisse auf die Deutsche Bank (Investmentecke vom 6. Dezember 2016). Bei einer Laufzeit von maximal fünf Jahren wurde das Zertifikat Ende 2016 mit einem Risikopuffer von 80 Prozent, einem zusätzlichen Airbag-Schutz und einer sinkenden Rückzahlungsschwelle ausgestattet. Zu den jährlichen Bewertungstagen (immer kurz vor Weihnachten) erhalten Anleger einen Bonus von 30 Euro (entspricht 3 Prozent des Nennwertes), wenn die Aktie dann nicht unter der Barriere von 3,12 Euro (entspricht einem Puffer von 80 Prozent) notiert. Liegt der Kurs zudem über der jeweiligen Rückzahlungsschwelle (sinkt ausgehend vom Startwert – 15,62 Euro - jedes Jahr um fünf Prozentpunkte), wird das Zertifikat vorzeitig zu 1000 Euro zurückgezahlt. Soweit die Details, die aus aktueller Sicht von Bedeutung sind (WKN: CS8BEW).

Beim Blick auf die bisherige Historie fällt auf, dass sich der Kurs des Zertifikats im ersten Halbjahr trotz eines recht deutlichen Anstiegs der Deutsche Bank-Aktie kaum nach oben bewegt hat. Das ist in dieser Phase der Laufzeit nicht ungewöhnlich, weil bis zum ersten Bewertungstag ja noch relativ viel Zeit vergeht und einiges passieren kann. Danach wurde es dann allerdings spannend. Just in der Phase, in der die Aktie deutlich zurückfiel, sprang der Kurs des Zertifikats an. Zwischen Anfang Juli und Anfang September kletterte der Express um 3 Prozent auf 1030 Euro, während die Aktie um über 20 Prozent auf 13,20 Euro fiel. Bis Ende Oktober konnte sich die Aktie dann bis auf 14 Euro erholen, was dem Zertifikat aber noch einen weiteren Anstieg auf 1050 Euro bescherte. Richtig „kurios“ wurde es zumindest auf dem ersten Blick dann in den vergangenen Wochen. Da entwickelte sich die Aktie nämlich lange Zeit richtig gut und kletterte bis auf über 16 Euro hinauf. Und unser Express-Zertifikat auf die Deutsche Bank? Das fiel zeitweise fast bis auf 1020 Euro zurück.

Ein direkter Zusammenhang zwischen den beiden Kursverläufen lässt sich hier wahrlich nicht erkennen. Und doch ist das alles relativ leicht nachvollziehbar, wenn man die genauen Zertifikate-Bedingungen berücksichtigt. Als die Deutsche Bank im September auf 13,20 Euro gefallen war, lag sie zwar deutlich über der Barriere von 3,12 Euro, aber auch klar unter dem Startwert von 15,62 Euro. Läge dieses Szenario am ersten Bewertungstag (19. Dezember) vor, würden Anleger den Bonus von 3 Euro bekommen, das Zertifikat aber nicht vorzeitig fällig werden. Damit bestünde im kommenden Jahr erneut die (wegen des großen Puffers sehr realistische) Chance auf den Bonus. Genau das wurde in dem Zertifikat zu diesem Zeitpunkt zumindest teilweise bereits eingepreist, weshalb der Kurs im Zuge des Aktieneinbruchs deutlich anzog. Eine sehr ähnliche Konstellation zeigte sich auch Ende Oktober (zwei Monate vor dem Bewertungstag) noch, was den Sprung des Zertifikats auf 1050 Euro erklärt.

Durch das anschließende Comeback der Aktie hat sich das Bild dann allerdings spürbar geändert. Aktuell notiert die Deutsche Bank bereits knapp über (!) dem Rückzahlungslevel, was ein vorzeitiges Ende wieder deutlich wahrscheinlicher macht. In diesem Fall gäbe es logischerweise auch keine Bonuschance mehr in den nächsten Jahren, weshalb sich Kurse deutlich oberhalb von 1030 Euro (1000 Euro Nennwert plus 30 Euro Bonus) aktuell auch nicht rechtfertigen lassen. Das erklärt den Rückgang des Zertifikats, das aktuell fast genau zu diesen 1030 Euro gehandelt wird. Ist doch alles ganz logisch oder…?

Thomas Koch

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Investmentecke

Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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