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Langfristige Hebel-Spekulationen: Das muss zwingend beachtet werden!

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Bei der am Freitag (Investmentecke vom 9. November) angestoßenen Suche nach moderat gehebelten Knock-out-Produkten ohne Laufzeitbegrenzung auf die Aktie von Walt Disney gehen wir heute ins Detail. Wichtig ist, dass Anleger neben dem grundsätzlich vorhandenen Währungseinfluss (der auch beim Kauf der Aktie besteht) unbedingt zwei weitere Dinge beachten. Zum einen stellt bei niedrig gehebelten Produkten auf US-Aktien aufgrund einer Steuerproblematik aktuell nicht jeder Emittent auch Briefkurse. Die Scheine können Sie daher nicht kaufen, sondern nur verkaufen (wenn sie sie schon haben). Zum anderen gilt es die Finanzierungskosten zu berücksichtigen, durch die sich der Basispreis regelmäßig erhöht, was wiederum negative Einflüsse auf den Kurs hat. Diese Kosten sind aber leider nicht bei jedem Anbieter direkt erkennbar.

Konkret haben wir uns Knock-out-Produkte mit einem Hebel zwischen 2,3 und 2,5 angeschaut. Hier haben aktuell insgesamt acht Emittenten mindestens einen Schein im Angebot. Bei der Citi und der Commerzbank werden allerdings nur Geldkurse angezeigt, was mit der o.a. Problematik der Dividenden-Besteuerung von US-Aktien zu tun hat. So bleiben also noch sechs potenzielle Anbieter übrig, bei denen wir im zweiten Schritt nach den Finanzierungskosten Ausschau halten. Die Gesamtkosten bestehen hier immer aus zwei Komponenten, einem offiziellen Referenzzinssatz und einer Marge des Emittenten. Das ist beim Vergleich der Emittenten sehr wichtig, weil nicht jeder alle Informationen auf seiner Homepage zur Verfügung stellt.

Bei Morgan Stanley zum Beispiel finden wir bei den Produktmerkmalen lediglich einen „Zinsanpassungssatz“ von 3,5 Prozent p.a.. Dass hier noch der aktuelle 1-Monats-Zinssatz des US-Dollar LIBOR (aktuell: 2,32 Prozent) hinzukommt, sehen wir erst beim Blick in die 67-Seiten-starken „Endgültigen Bedingungen“. Wir wissen bei diesem Pamphlet mittlerweile allerdings auch genau, wo wir danach suchen müssen. Viele Investoren würden bei dem Wust an Informationen wohl verzweifeln. Wesentlich anlegerfreundlicher ist da HSBC, wo direkt der gesamte Anpassungssatz von derzeit 5,68 Prozent aufgeführt ist (mit dem Hinweis „davon 3,50 Prozent Emittentenprämie“). Auf der Seite der Societe Generale (aktuell 5,82 Prozent Gesamtkosten) ist dieser Service ebenfalls gegeben. Bei der BNP Paribas wird neben der Marge von 3,5 Prozent der „USD-LIBOR 1M“ als Referenzzins zumindest genannt. Aktuelle Daten müssen sich Anleger aber selbst raussuchen. Bei der Deutschen Bank und der UBS wiederum findet man auf der Produktseite gar keine Informationen zu den Kosten.

Wie wichtig die aber gerade für Langfrist-Spekulanten sind, zeigt folgendes Beispiel. Der Open End-Turbo-Optionsschein von HSBC auf Walt Disney (Basispreis und Knock-out-Marke bei aktuell 69,5227 US-Dollar und damit 40 Prozent unter dem Aktienkurs) mit einem Hebel von 2,4 ist wie geschrieben mit einem Anpassungssatz von derzeit 5,68 Prozent ausgestattet. Ausgehend davon würde der Basispreis innerhalb der nächsten fünf Jahre auf sage und schreibe 91,73 Dollar steigen. Wenn sich der Aktienkurs und das Euro/Dollar-Verhältnis bis dahin nicht verändern, hätte das bei dem Schein einen Verlust von 45 Prozent zur Folge. Klingt erst mal dramatisch und sollte auch unbedingt berücksichtigt werden. Allerdings: Um den negativen Effekt der Finanzierungskosten zumindest auszugleichen, müsste die Aktie in fünf Jahren bei rund 141 Dollar stehen, was ein Plus von lediglich 19 Prozent bedeuten würde. Das sollte bei diesem langen Zeitraum locker möglich sein, wenn sich die Wachstumshoffnungen durch die Umwandlung tatsächlich erfüllen.

Allerdings wollen Anleger mit einem solchen Trade ja nicht nur Kosten decken, sondern Gewinne erzielen, die zudem noch möglichst höher ausfallen sollten als wenn sie die Aktie direkt kaufen. Unter den genannten Bedingungen wäre das ab einem Aktienkurs von rund 160 Dollar der Fall. Dann hätte die Aktie 35 Prozent zugelegt und der Schein wäre trotz der immensen Kosten um immerhin 38 Prozent gestiegen. Sollte sich die Aktie in den kommenden fünf Jahren sogar verdoppeln, winkt bei dem moderat gehebelten Schein immerhin eine Verdreifachung des Kurses (WKN: TR23EE). Ein steigender Euro/Dollar-Kurs, steigende US-Zinsen und eine Erhöhung der Emittentenmarge würden den Gewinn jeweils schmälern, während das gegenteilige Szenario zu höheren Zuwächsen führen sollte. Bei langfristigen Hebel-Spekulationen am amerikanischen Aktienmarkt müssen also sehr viele Einflussfaktoren berücksichtigt und prognostiziert werden.

Thomas Koch

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WKN Bezeichnung Hebel
DS9XD4 WaltDisney WaveXXL L 102.9 (DBK) 7,337
XM45ZB WaltDisn WaveUnlimited S 128.6033 (DBK) 7,128
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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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