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Leipziger Ökonom Schnabel: EZB sollte Asset-Preise berücksichtigen

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Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Aussage des Leipziger Ökonomen Gunther Schnabl im Rahmen einer Strategieprüfung beschließen, die Preise von Vermögenswerten in ihre geldpolitische Analyse einzubeziehen. "Die Transmission der Geldpolitik hat sich von Konsumentenpreisen zu den Vermögenspreisen verschoben", sagte Schnabl, Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig beim ersten geldpolitischen Forum der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) in Frankfurt. Ein solcher Strategiewechsel hätte laut Schnabl zur Folge, dass die EZB aus ihrer expansiven Politik aussteigen müsste. Schnabl schlägt vor diesem Hintergrund Zinserhöhungen von 25 Basispunkten pro Jahr über mehrere Jahre vor.

Wir wissen alle, dass sich unsere Wirtschaft an die sehr niedrigen Zinsen gewöhnt hat, und auch die Staatsfinanzen wären nicht tragbar", räumte Schnabl ein. Seine Vorschläge: Keine weitere Ausweitung der Notenbank-Bilanzen mehr, also keine zusätzlichen Anleihekäufe, wie sie gerade beschlossen worden sind. Zudem Korrektur der Minuszinsen und anschließender langsamer Ausstieg aus dem Nullzinsumfeld.

Als Zielgröße schweben Schnabl 4 bis 5 Prozent vor, wo er den langfristigen Gleichgewichtszins sieht. "Wir müssen anerkennen, dass wir die Zinsen nicht ad hoc auf den langfristigen Gleichgewichtszins anheben können, sondern wir müssen sie um 25 Basispunkte pro Jahr anheben", sagte er. Das über einen Zeitraum von 10-20 Jahren hinweg durchgehalten, würde die Unternehmen laut Schnabl zu Strukturanpassungen führen, Staaten würden ihre Ausgaben nach dem wirklich Notwendigen durchforsten und Banken müssten ihre Bilanzen bereinigen. "Damit würden wir zu einem stabileren Wirtschaftssystem zurückkehren", prognostizierte der Ökonom.

Schnabl kritisiert außerdem die Methode der hedonischen Preismessung, bei der Statistiker Qualitätssteigerungen bei den im Verbraucherpreisindex enthaltenen Gütern und Dienstleistungen in Preissenkungen umrechnen.

Es wäre ein toller Ansatz, auch Qualitätsverschlechterungen zu berücksichtigen, dann könnten wir uns die Inflation hochrechnen und dann hätten wir eine andere Geldpolitik", sagte er unter Verweis auf den Einsatz von Plastik bei Haushaltswaren und die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Erbringung von Dienstleistungen. Schnabl glaubt allerdings nicht, dass die Statistiker dieser Aufgabe gewachsen sind und schlägt daher vor, Qualitätsänderungen gar nicht zu berücksichtigen.

In der EZB dürfte nach Einschätzung von Analysten demnächst eine Diskussion über die geldpolitische Strategie beginnen, wie sie seit 2003 feststeht: Das mittelfristige Erreichen von "unter, aber nahe 2 Prozent" Inflation. Allerdings gehen die Meinungen darüber, in welcher Weise die Strategie geändert werden sollte, weit auseinander. Von deutscher Seite sind vor allem Vorschläge zu hören, die es der EZB ermöglichen würde, ihre Geldpolitik zumindest nicht weiter zu lockern.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/sha

END) Dow Jones Newswires

October 31, 2019 08:04 ET ( 12:04 GMT)

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