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MÄRKTE EUROPA/Anleger werden bei steigenden Zinsen vorsichtiger

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Thomas Leppert

FRANKFURT (Dow Jones)Gewinnmitnahmen belasteten die Börsen in Europa zur Wochenmitte. Die seit dem Jahresbeginn gesehene Aufwärtsbewegung hatte dem DAX zwischenzeitlich einen Gewinn von 600 Punkten beschert. Diese Plus wurde nun von vielen als "zu schnell und zuviel" eingestuft, so dass einige Investoren erst einmal Kasse machten. Der DAX verlor 0,8 Prozent auf 13.281 Punkte, der Euro-Stoxx-50 gab 0,4 Prozent auf 3.610 Zähler nach.

Aber auch die Entwicklung auf der Zinsseite sorgte dafür, dass die Anleger etwas vorsichtiger wurden. Ausgehend von Japan stiegen die Renditen am längeren Ende jüngst. Einige Akteure spekulierten darauf, dass die Bank of Japan eine geldpolitische Straffung noch in diesem Jahr vorbereitet. Zudem gibt es Berichte, dass das chinesische Finanzministerium die US-Staatsanleihen momentan als weniger attraktiv einstuft. Dies trifft mit einem Zeitpunkt zusammen, zu dem sich die Kurse der US-Staatsanleihen bereits im Fallen befinden.



Politik der Bank of Japan unterschiedlich gewertet


Japans Notenbank kaufte am Dienstag 5 Prozent weniger lang laufende Anleihen zurück als erwartet. Sowohl die japanischen Renditen wie auch der Yen legten seitdem zu. "Die Notenbanken weltweit bereiten sich auf einen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik vor", hieß es an der Börse. Gestützt wird dies von exzellenten Konjunkturdaten weltweit.

Allerdings gab es auch andere Stimmen: "Ob die Maßnahme der Bank of Japan, weniger am langen Ende zu kaufen, tatsächlich als Einstieg zum Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik zu werten ist und damit auf andere Rentenmärkte abstrahlt, darf zum aktuellen Zeitpunkt bezweifelt werden", sagt Dirk Gojny von der Essener Nationalbank. Er verwies stattdessen auf hohe Anleiheemissionen, die erst einmal verdaut werden müssten.



Anleihe-Guru Bill Gross ruft Bärenmarkt aus


Für den Anleiheexperten Bill Gross sind US-Treasurys in einen Bärenmarkt hineingelaufen. Der aktuelle Ausverkauf bei US-Staatsanleihen habe die Renditen über wichtige technische Hürden getrieben. Gross, auch als "Anleihe-Guru" bekannt, ist Rentenfondsmanager bei Janus Henderson. In einem Tweet wies er darauf hin, dass die Renditen sowohl der fünf- wie der zehnjährigen Treasurys über die langfristige 25-jährige Trendlinie geschossen sind. Bereits vergangenen Oktober hatte Gross angekündigt, dass ein nachhaltiger Anstieg der Zehnjahres-Rendite über 2,40 Prozent und damit ein Ausbruch über eine entscheidende Marke den lange erwarten Aufschwung bei den Renditen erbringen könnte.

Vom dem globalen Zinsanstieg gestützt wurden auf der Aktienseite die Titel der Banken. Ihr europäischer Stoxx-Sektorindex stieg gegen den Trend um 2,1 Prozent. Weil die längeren Zinsen schneller steigen als die kurzen, nehmen die Zinsmargen zu. Auf den anderen Seite tendierten die Immobilienwerte und Versorger leichter.



Gewinnmitnahmen bei Continental


Gewinnmitnahmen gab es unter anderem bei Continental, die Aktie verlor 3,5 Prozent. Die am Vorabend gemeldeten Vorabzahlen für 2017 fielen im Rahmen der Erwartungen aus, der Ausblick wird von Analysten als konservativ eingestuft. Zu den von Continental bestätigten Spekulationen, eine Aufspaltung zu prüfen, hieß es bei den Analysten von Evercore ISI: Im günstigen Fall würde eine Aufspaltung wohl dazu führen, dass die Reifensparte höher bewertet würde, allerdings hätten Investoren dies nun bereits in den Aktienkurs eingepreist.

Die Aktie des schwedischen Mobilfunkanbieters Tele2 gehörte mit einem Minus von 7,5 Prozent zu den großen Verlierern des Tages. Skeptisch wird an der Börse der Kauf des TV- und Breitbandanbieters Com Hem gewertet. "Die Synergien sind kleiner als bei vergleichbaren Transaktionen in ganz Europa", sagte Robert Slorach, Analyst bei Handelsbanken. Zudem werde es drei Jahre dauern, bis der Großteil der Einsparungen sichtbar werde.

Ein Wechsel im Management habe zudem die Investoren erschreckt. Tele2-CEO Allison Kirkby, der in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet habe, trete nach Abschluss der Transaktion zurück. Slorach ist zudem skeptisch, was die Zukunft der TV-Geschäfte angehe. Die ebenfalls gelisteten Com Hem stiegen um 3,4 Prozent.



Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
. stand absolut in % seit
. Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.609,83 -13,04 -0,4% +3,0%
Stoxx-50 3.246,40 -6,97 -0,2% +2,2%
Stoxx-600 398,60 -1,51 -0,4% +2,4%
XETRA-DAX 13.281,34 -104,25 -0,8% +2,8%
FTSE-100 London 7.738,41 +7,39 +0,1% +0,6%
CAC-40 Paris 5.504,68 -19,26 -0,3% +3,6%
AEX Amsterdam 560,44 -2,59 -0,5% +2,9%
ATHEX-20 Athen 2.148,43 -13,99 -0,6% +3,1%
BEL-20 Bruessel 4.157,55 +15,91 +0,4% +4,5%
BUX Budapest 39.651,23 -218,33 -0,5% +0,7%
OMXH-25 Helsinki 4.033,17 -20,70 -0,5% +2,9%
ISE NAT. 30 Istanbul 138.730,94 -1954,74 -1,4% -1,6%
OMXC-20 Kopenhagen 1.045,40 -4,94 -0,5% +2,1%
PSI 20 Lissabon 5.654,24 +3,71 +0,1% +5,0%
IBEX-35 Madrid 10.428,30 +1,80 +0,0% +3,8%
FTSE-MIB Mailand 23.157,42 +152,44 +0,7%
RTS Moskau 1.234,64 +5,49 +0,4% +7,0%
OBX Oslo 766,88 +0,13 +0,0% +3,2%
PX-GLOB Prag 1.480,63 -4,14 -0,3% +2,1%
OMXS-30 Stockholm 1.629,29 -2,99 -0,2% +3,3%
WIG-20 Warschau 2.511,27 -17,60 -0,7% +2,0%
ATX Wien 3.596,14 +37,28 +1,0% +5,2%
SMI Zuerich 9.524,96 -86,65 -0,9% +1,5%

DEVISEN zuletzt +/- % Mi, 8:44 Di. 17:10 % YTD
EUR/USD 1,1961 +0,21% 1,1936 1,1924 -0,5%
EUR/JPY 133,39 -0,13% 133,56 134,15 -1,4%
EUR/CHF 1,1697 -0,26% 1,1727 1,1720 -0,1%
EUR/GBP 0,8852 +0,23% 0,8831 1,1338 -0,4%
USD/JPY 111,52 -0,32% 111,88 112,53 -1,0%
GBP/USD 1,3512 -0,03% 1,3516 1,3518 -0,0%
Bitcoin
BTC/USD 14.500,51 +0,12% 14.182,05 14.794,56 0,95

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 63,26 62,96 +0,5% 0,30 +4,7%
Brent/ICE 68,97 68,82 +0,2% 0,15 +3,5%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.317,12 1.313,00 +0,3% +4,12 +1,1%
Silber (Spot) 16,99 16,97 +0,1% +0,02 +0,3%
Platin (Spot) 972,10 967,00 +0,5% +5,10 +4,6%
Kupfer-Future 3,23 3,20 +0,8% +0,03 -1,8%


Kontakt zum Autor: thomas.leppert@wsj.com

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January 10, 2018 12:08 ET ( 17:08 GMT)

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