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MÄRKTE EUROPA/Schwach - DAX auf tiefstem Stand seit Ende März

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 6 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)Politische Spannungen in Ostasien haben an den europäischen Börsen am Dienstag im Handelsverlauf einen Schwächeanfall ausgelöst. Der DAX kann die 15.000er Marke nicht mehr verteidigen, mit einem Minus von 2,1 Prozent auf 14.923 Punkte markiert er den tiefsten Stand seit Ende März. Der Euro-Stoxx-50 kommt mit einem Minus von 1,4 Prozent auf 3.945 Punkte etwas besser davon. Am Markt heißt es, die chinesische Luftwaffe habe den Luftraum Taiwans verletzt. "Der DAX ist besonders stark von Exporten und auch von guten Wirtschaftsbeziehungen zu China abhängig", so ein Händler. Deshalb gerate der DAX besonders stark unter Druck. In London notiert der FTSE-100 dagegen immer noch fast unverändert.

Allerdings trafen die Meldungen aus Ostasien bereits auf einen labilen Markt in Europa. Gute Unternehmensnachrichten konnten die Stimmung schon am Vormittag nicht mehr stützen, sondern wurden zu Gewinnmitnahmen genutzt. Begründet wurde die Nervosität am Markt vor allem mit der anhaltenden Tapering-Diskussion, also des Zurückschneidens der Anleihenkaufprogramme durch die Notenbanken. Die Anleger sind derzeit hin- und hergerissen zwischen der Aussicht auf weitreichende Lockerungen und der Sorge, dass die erwartete massive wirtschaftliche Erholung die Notenbanken zwingen wird, die geldpolitischen Zügel anzuziehen. Star-Investor Warren Buffett sieht die US-Wirtschaft in einem Kaufrausch, in dem die Konsumenten auch höhere Preise bezahlen. "Mit den zunehmenden Impfungen könnte das eine Blaupause auch für Europa sein", so ein Marktteilnehmer.

Erst der Freitag wird darüber entscheiden, wie sich die Tapering-Diskussion entwickelt", so ein weiterer Marktteilnehmer. Ein starker US-Arbeitsmarktbericht - "mit über einer Million neuer Stellen" - würde die Tapering-Diskussion stark anheizen, sagt er. Ein schwacher Bericht könnte sie dagegen zunächst verstummen lassen. Erwartet wird, dass die US-Wirtschaft im April außerhalb der Landwirtschaft fast 900.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat und damit wieder fast so viele wie im März. Erste Indikationen könnten am Mittwoch vom ADP-Bericht kommen.

Ein Marktanalyst meint, noch sei die Antwort offen auf die Frage, ob der DAX die Konsolidierung nun auch räumlich ausweite oder nur eine Bärenfalle erzeuge. Charttechnische Unterstützungen liegen nun bei den noch offenen Gaps - den charttechnischen Lücken - zwischen 14.890 und 14.845 sowie 14.694 bis 14.621 Punkten im DAX.


Rohstoff-Aktien statt Technologie

Auf der Gewinnerseite liegen nach wie vor die Rohstoff-Titel und die Ölaktien, deren Stoxx-Branchenindizes um bis zu ein halbes Prozent anziehen. Das stützt auch den FTSE-100 in London. "Bei einer boomenden Wirtschaft mit steigenden Preisen schneiden Rohstoff-Titel fast immer überdurchschnittlich gut ab", so ein Marktteilnehmer. Zudem sei die Nachfrage nach Rohstoffen wie Kupfer ungebrochen hoch, auch wegen der Nachfrage durch die Infrastruktur-Programme. Die Marktanalysten der Commerzbank erwarten, dass zumindest auch die Preise für Nickel, Zink, Zinn und Aluminium noch weiter anziehen.

Der Index der Technologie-Aktien fällt dagegen um 1 Prozent. "Die Branche war der Gewinner der Lockdowns, nun wird in andere Bereiche umgeschichtet, weil die Branche schon hoch bewertet ist", so der Marktteilnehmer.

Auch Internet-Handelsunternehmen wie Hellofresh oder Boohoo notieren sehr schwach. Der Kurs von Boohoo fällt um gut 3 Prozent. Zwar werden laut Marktteilnehmern am Mittwoch gute Geschäftszahlen zum Quartal erwartet. Auf die Stimmung drücke aber die Öffnung der Wirtschaft. Außerdem würden die ESG-Kriterien als unbefriedigend eingestuft


Infineon und Teamviewer brechen ein - gute Zahlen stützen nicht

Nach den guten Zahlen sehen die Analysten der Citi zunächst keine neuen Impulse für die Infineon-Aktie und sprechen von Gewinnmitnahmen, für den Wert geht es um 5,2 Prozent nach unten. Bei Infineon hat sich die dynamische Auftragsentwicklung im zweiten Geschäftsquartal fortgesetzt. Der Chiphersteller bekam allerdings die Lieferschwierigkeiten der Branche bei den Halbleitern zu spüren, die er selbst von Auftragsfertigern bezieht. "In den meisten Anwendungsfeldern übersteigt der Bedarf das Angebot deutlich", sagte Vorstandschef Reinhard Ploss. Der Markt boome, und Infineon investiere in zusätzliche Kapazitäten. Vor diesem Hintergrund erhöhte Infineon seine Jahresprognose erneut.

Der Softwarekonzern Teamviewer hat seine Prognose für das Gesamtjahr 2021 bekräftigt. So sollen die Billings in diesem Jahr auf 585 bis 605 Millionen Euro steigen. Der Umsatz soll im laufenden Jahr unverändert 525 bis 540 Millionen Euro erreichen, nach 455,6 Millionen im vergangenen Jahr. Die bereinigte EBITDA-Marge sieht die Teamviewer AG weiterhin bei 49 bis 51 Prozent, nachdem das Unternehmen seine Margen-Prognose im März wegen deutlich gestiegener Marketingausgaben nach unten revidiert hatte. Für die Aktie geht es um 11 Prozent nach unten.

Auf ein positives Echo stößt im Handel die Beilegung des jahrelangen Rechtsstreits zwischen Vivendi und Mediaset. Beide Seiten ziehen alle jeweiligen Klagen zurück. Die Einigung erlaube es dem Management, sich wieder auf Unternehmensfragen zu konzentrieren, heißt es im Handel. Auslöser des Konflikts war der Kauf des Pay-TV-Geschäfts von Mediaset durch Vivendi 2016. Kurze Zeit später kam es zum Streit - die Franzosen warfen den Italienern vor, die Bewertung künstlich nach oben getrieben zu haben. Um den Druck zu erhöhen, baute Vivendi eine Beteiligung bei Mediaset auf. Mediaset legen um 2,1 Prozent zu, Vivendi notieren dagegen kaum verändert.


Flugaktien weiter gefragt - Dassault Aviation hofft auf Ägypten-Auftrag

IAG und Easyjet führen am Nachmittag die Gewinnerliste bei den Fluggesellschaften an. Marktteilnehmer verweisen auf die IATA. Der Luftfahrt-Verband erwartet, dass sich der Flugverkehr zwischen Großbritannien und den USA ab Ende Juni normalisiert. Easyjet steigen um 2 Prozent, IAG um 1,9 Prozent. Lufthansa legen noch um 1,2 Prozent zu.

Die Aktien von Dassault Aviation schießen in Paris um 4,8 Prozent nach oben. Der Flugzeughersteller will 30 Exemplare seines beliebten Jagdflugzeugs Rafale nach Ägypten verkaufen. Das Auftragsvolumen inklusive Wartungsverträgen könnte sich auf 3,8 Milliarden bis über 4 Milliarden Euro belaufen. Frankreich soll dies über eine zehnjährige Kreditfinanzierung unterstützen.

Geberit reagieren mit Aufschlägen von 0,1 Prozent auf die Bekanntgabe besserer Erstquartalszahlen. Baader äußert sich angetan und verweist vor allem auf das organische Wachstum von 13 Prozent sowie die EBITDA-Marge von 34,6 Prozent. Für etwas Zurückhaltung sorgt im Handel indes der vorsichtige Ausblick.



Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 3.940,47 -1,49 -59,78 10,92
Stoxx-50 3.368,05 -1,00 -33,95 8,36
DAX 14.904,34 -2,18 -332,13 8,64
MDAX 32.129,02 -2,38 -784,30 4,33
TecDAX 3.402,77 -3,12 -109,42 5,91
SDAX 15.881,64 -2,30 -373,76 7,56
FTSE 6.946,69 -0,33 -23,12 7,88
CAC 6.259,75 -0,76 -48,15 12,76

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,25 -0,04 -0,49
US-Zehnjahresrendite 1,56 -0,04 -1,12

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:33 Uhr Mo, 18:21 Uhr % YTD
EUR/USD 1,2019 -0,37% 1,2039 1,2055 -1,6%
EUR/JPY 131,21 -0,27% 131,60 131,51 +4,1%
EUR/CHF 1,0973 -0,14% 1,1006 1,0995 +1,5%
EUR/GBP 0,8679 +0,08% 0,8673 0,8669 -2,8%
USD/JPY 109,15 +0,07% 109,35 109,10 +5,7%
GBP/USD 1,3852 -0,43% 1,3876 1,3907 +1,4%
USD/CNH (Offshore) 6,4875 +0,26% 6,4792 6,4742 -0,2%
Bitcoin
BTC/USD 55.515,26 -2,79% 56.065,26 57.581,76 +91,1%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 65,25 64,49 +1,2% 0,76 +34,2%
Brent/ICE 68,37 67,56 +1,2% 0,81 +33,0%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.795,66 1.792,20 +0,2% +3,46 -5,4%
Silber (Spot) 27,02 26,88 +0,5% +0,14 +2,4%
Platin (Spot) 1.264,78 1.236,03 +2,3% +28,75 +18,2%
Kupfer-Future 4,55 4,54 +0,1% +0,00 +29,0%


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/hru/raz

END) Dow Jones Newswires

May 04, 2021 10:04 ET ( 14:04 GMT)

Copyright (c) 2021 Dow Jones & Company, Inc.
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