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MÄRKTE EUROPA/Talfahrt geht weiter - Zukauf drückt Infineon um 5%

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Steffen Gosenheimer

FRANKFURT (Dow Jones)Nachdem der Strom negativer Nachrichten zu Wochenbeginn noch bereichert wurde durch eine drohende Politkrise in Deutschland, geht es an den Börsen weiter nach unten. "Nun auch noch die Innenpolitik", stöhnte ein Börsianer bereits am Morgen, nachdem am Wochenende SPD- und Fraktionschefin Andreas Nahles ihre Ämter aufgegeben hat. Auf Unternehmensseite kommt die Nachricht des Tages aus München: Infineon kauft für 9 Milliarden Euro das US-Unternehmen Cypress Semiconductor.

Der XDAX liegt weitere 0,7 Prozent zurück und steht bei 11.641 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 büßt 26 Punkte ein auf 3.254 Punkte.

Nach dem Rückzug von Andrea Nahles mehren sich die Spekulationen über den Fortbestand der Großen Koalition und vorzeitige Neuwahlen", kommentiert Marktkenner Thomas Altmann von QC Partners die Stimmungslage. Deutschland habe in der Vergangenheit fast durchgängig als politischer und wirtschaftlicher Stabilitätsanker in Europa gegolten. "Dieser Status könnte mit einer Koalitionskrise in Frage gestellt werden", warnt er. Und gerade im aktuellen Umfeld eines wirtschaftlichen Abschwungs könne sich Deutschland keinen langen regierungslosen Stillstand erlauben.

Impulse könnten im Tagesverlauf von überarbeiteten und neuen Einkaufsmanagerindizes kommen. Sie werden sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks veröffentlicht. In der chinesischen Industrie ist der von Caixin und Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex im Mai unverändert bei 50,2 geblieben.



Infineon-Zukauf auf den ersten Blick teuer


Infineon geben um 5 Prozent nach und sind damit klar Schlusslicht im DAX. "Mit einer Prämie von etwa 30 Prozent sieht der mögliche Kauf auf den ersten Blick teuer aus", kommentiert ein Händler die Ankündigung, Cypress Semiconductor in den USA zu übernehmen. Infineon verspricht sich davon Kostensynergien von 180 Millionen und Umsatzsynergien von 1,5 Milliarden Euro. Zur Finanzierung heißt es im Handel, einerseits dürfte die nun anstehende Kapitalerhöhung den Kurs bremsen, andererseits sei es aber auch ein Zeichen der Stärke, dass Infineon die Übernahme nur zu 30 Prozent mit neuem Eigenkapital finanziere.

Eine Übernahme gibt es auch in der dritten Reihe. Wie bereits erwartet hat TE Connectivity für First Sensor ein Angebot abgegeben - zu 28,25 Euro je Aktie. "Erstaunlich ist, dass der Kurs zuletzt trotz der Übernahmespekulation noch einmal zurückgekommen ist", meint ein Händler. Bereits vor einer Woche sei mit einem Angebot über 28,00 Euro je Aktie gerechnet worden. First Sensor springen um 11 Prozent nahe an den Gebotspreis heran.



Deutsche Bank von Tief zu Tief nun unter 6 Euro


Deutsche Bank fallen von einem Rekordtief zum nächsten. "Möglicherweise hat Olaf Scholz ganz bewusst versucht, die Deutsche Bank mit Hilfe der Commerzbank zu sanieren", so ein Händler. Möglicherweise sei der Kapitalbedarf doch höher als angenommen. "Es gibt keinen Grund, die Aktie zu kaufen", so der Marktteilnehmer. Mit einem Minus von 3,1 Prozent auf 5,90 Euro rangiert die Aktie am Ende bei den europäischen Banken. Im Schnitt verlieren diese 1,1 Prozent.

Positiv bewerten Marktteilnehmer die Geschäftszahlen von Isra Vision. "Die Margen sind stärker als erwartet", sagt ein Marktteilnehmer. Auch der Anstieg des operativen Cashflows um 30 Prozent dürfte die Stimmung stützen. Den Ausblick hat der Experte für industrielle Bildverarbeitung bekräftigt. Der Kurs springt um 3,9 Prozent an.

Schlechte Nachrichten gibt es für die Fluggesellschaften. Der internationale Branchenverband IATA hat die Gewinnprognose in der gesamten Luftfahrtindustrie gesenkt. Statt mit einem Gewinnplus von 20 Prozent rechnet er nun mit einem Minus von 6 Prozent in diesem Jahr. Marktteilnehmer sehen darin aber keine allzu große Überraschung. Entsprechend fallen die Kursverluste für die bereits gebeutelten Branchentitel bislang auch eher moderat aus mit 0,8 Prozent für IAG und 1,1 Prozent für Air France. Deutsche Lufthansa kommen um 0,1 Prozent zurück.



Sichere Häfen weiter gefragt - Bund-Rendite auf neuem Rekordtief


Am Devisenmarkt macht sich die derzeit wegen der vielen ungünstigen Nachrichten zu beobachtende Flucht der Anleger in sichere Häfen beim Yen bemerkbar. Dessen Kurs verteidigt mit 108,22 je Dollar die jüngsten Gewinne. Das ist der niedrigste Dollar-Stand seit Januar. Der Goldpreis zieht nach dem kräftigen Anstieg am Freitag weiter an, wenn auch nur leicht. Die Feinunze kostet 1.314 Dollar. Auch das Edelmetall gilt als Zufluchthafen.

Bei den Anleihen, einem weiteren sicheren Hafen, geht es weiter nach oben mit den Kursen. Die deutsche Zehnjahresrendite markiert mit minus 0,22 Prozent ein neuerliches Rekordtief.

Die Ölpreise fallen trotz des zuletzt bereits stark gedrückten Niveaus weiter. Brentöl kostet 61,17 Dollar je Barrel.



Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 3.250,70 -0,91 -29,73 8,31
Stoxx-50 3.021,06 -0,72 -21,83 9,46
DAX 11.632,82 -0,80 -94,02 10,17
MDAX 24.513,58 -1,06 -262,94 13,55
TecDAX 2.714,30 -1,24 -34,18 10,78
SDAX 10.698,47 -1,16 -125,68 12,51
FTSE 7.086,66 -1,05 -75,05 6,44
CAC 5.155,84 -0,99 -51,78 8,99

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,21 -0,01 -0,45
US-Zehnjahresrendite 2,08 -0,04 -0,60

DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 8:26 Uhr Do, 17:30 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1168 -0,00% 1,1131 1,1136 -2,6%
EUR/JPY 120,89 -0,06% 121,25 122,19 -3,9%
EUR/CHF 1,1130 -0,48% 1,1200 1,1223 -1,1%
EUR/GBP 0,8830 -0,10% 0,8829 0,8833 -1,9%
USD/JPY 108,24 -0,07% 108,94 109,72 -1,3%
GBP/USD 1,2648 +0,10% 1,2607 1,2607 -0,9%
Bitcoin
BTC/USD 8.476,75 -2,64% 8.262,25 8.737,25 +127,9%


ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 52,96 53,50 -1,0% -0,54 +12,0%
Brent/ICE 61,07 61,99 -1,5% -0,92 +10,7%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.314,11 1.305,48 +0,7% +8,64 +2,5%
Silber (Spot) 14,64 14,58 +0,5% +0,07 -5,5%
Platin (Spot) 800,54 793,88 +0,8% +6,66 +0,5%
Kupfer-Future 2,63 2,64 -0,4% -0,01 -0,4%


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/gos/cln

END) Dow Jones Newswires

June 03, 2019 03:53 ET ( 07:53 GMT)

Copyright (c) 2019 Dow Jones & Company, Inc.
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