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MÄRKTE EUROPA/Value statt Growth - Jahrestrends gedreht

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)An den europäischen Aktien setzt sich am Dienstagmittag keine einheitliche Tendenz durch. Der DAX kann sich mit einem Minus von 0,1 Prozent auf 12.210 knapp behaupten, der Euro-Stoxx-50 gibt um 0,3 Prozent auf 3.485 Punkte nach. Dabei haben sich die großen Trends des bisherigen Jahresverlaufs umgekehrt: Die konjunkturunabhängigen Favoriten der 2019er Hausse korrigieren und auch mit den Technologie-Aktien geht es nach unten. Der TecDAX fällt um 2,1 Prozent. Stattdessen setzt der Markt auf so genannte Value-Aktien aus dem Finanzbereich und dem Automobilsektor. Auch Öltitel sind weiter gefragt.

Ein Auslöser dieses Umsturzes der Verhältnisse könnten die Renditen sein. Sie liegen zwar immer noch deutlich im Minus, sie haben gegenüber den jüngsten Tiefs aber auch schon wieder stark zugelegt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ist zuletzt auf minus 0,58 Prozent gestiegen nach minus 0,63 Prozent am Montagmorgen und einem Jahrestief von minus 0,71 Prozent Ende August. Darunter leidet auch der Goldpreis, der erstmals seit knapp drei Wochen wieder unter die Marke von 1.500 Dollar gefallen ist, die Feinunze kostet aktuell 1.494 Dollar.


Bundeshaushalt und EZB-Sitzung im Blick

Grund für den Renditeanstieg ist die Spekulation, dass die Bundesregierung die "Schwarze Null" aufgibt. Aus der SPD kommen laute Ruf nach einer neuen Verschuldungswelle. "Das führt bei den internationalen Investoren zu Misstrauen", sagt ein Marktteilnehmer. Eine Schuldenpolitik in Deutschland könnte zu einem Domino-Effekt führen, weil dann Euro-Wackelkandidaten wie Italien ihren Rest an Haushaltsdisziplin aufgeben könnten, so der Marktteilnehmer.

Ein weiterer Grund für die Gewinnmitnahmen ist die Unsicherheit vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank. Als eingepreist gilt eine Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte auf minus 0,50 Prozent. Ob das Anleihenprogramm wieder aufgenommen wird, gilt zumindest als möglich. Allerdings herrscht darüber im EZB-Rat laut den jüngsten Äußerungen wohl keine Einigkeit.


Bankenwerte profitieren von EZB-Spekulation

Daneben rechnet der Markt aber auch mit einem Staffelzins, der die negativen Folgen für die Banken abfedert. Der Bankenindex in Europa führt so auch mit einem Plus von 1,3 Prozent die Gewinnerseite an. Credit Agricole steigen um 2 Prozent und Deutsche Bank um 1,1 Prozent. Angeführt wird die Gewinnerliste der Branche von Barclays mit einem Plus von 4,7 Prozent. Commerzbank legen um 2,1 Prozent zu.

Der Index der Ölwerte zieht um 0,7 Prozent an. Die Ölpreise bauen die Gewinne vom Montag weiter aus, angefeuert von der Spekulation, Saudi-Arabien wolle nach dem Wechsel an der Spitze des Ölministeriums schnelle Preissteigerungen durchsetzen. Royal Dutch steigen um 1,1 Prozent und Repsol um 1 Prozent.

Der Auto-Index legt zum Beginn der IAA um 0,4 Prozent zu. Die Autotitel gelten generell als äußerst günstig bewertet, müssen sich aber auch den Herausforderungen des Strukturwandels stellen. Bereits am Montag hatten die gebeutelten Autoaktien in der Breite deutlich zugelegt. Nun steigen BMW um weitere 1,4 Prozent und Peugeot um 1,8 Prozent. Im DAX ziehen auch die Kurse der Chemietitel BASF und Covestro an, obwohl sie von der Citibank abgestuft worden sind.

Auf der Verliererseite stehen mit den steigenden Zinsen Immobilienaktien, Pharmatitel, Nahrungsmittelpapiere und Technologietitel, deren Indizes alle über ein Prozent abgeben.


EDF unter Druck - "Normabweichungen"

Die Aktie von EDF bricht an der Pariser Börse um 7,3 Prozent ein. Nach Aussage aus dem Handel belastet die Nachricht, dass das mehrheitlich in EDF-Besitz befindliche Unternehmen Framatome Normabweichungen bei Komponenten für Atomreaktoren festgestellt hat. Aber auch andere Versorger stehen unter Druck, so RWE mit einem Abschlag von 0,8 Prozent.

Im Technologiebereich geht es für Wirecard um 3,3 Prozent nach unten. Im Handel wird auf eine Analyse von JP Morgan verwiesen. Darin sei die Wirecard-Aktie mit "Neutral" gestartet worden mit Verweis darauf, dass Wirecard wahrscheinlich Jahre benötigen werde, um die Bewertungslücke gegenüber den Wettbewerbern zu schließen. In Amsterdam verliert der Kurs des Konkurrenten Adyen sogar über 5 Prozent. In den USA hatten am Montag bereits die Branchentitel Paypal, Mastercard und Visa stärker unter Abgabedruck gestanden.

Bet-at-home verlieren 0,7 Prozent. Der Wettanbieter geht für seine österreichische Tochter von einer Körperschaftssteuernachzahlung aus, die auch das Ergebnis auf Gruppenebene belasten wird. MTU notieren unverändert. Mit einer neuen Wandelanleihe löst der kommende DAX-Konzern eine ältere ab, wobei zusätzlich die Nettoverwässerung signifikant reduziert werde, heißt es im Handel.



Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 3.485,38 -0,28 -9,64 16,12
Stoxx-50 3.163,82 -0,42 -13,19 14,63
DAX 12.218,01 -0,07 -8,09 15,71
MDAX 25.715,01 -1,11 -289,11 19,12
TecDAX 2.802,26 -2,16 -61,78 14,37
SDAX 11.017,80 -0,88 -98,06 15,87
FTSE 7.216,76 -0,26 -19,05 7,55
CAC 5.563,27 -0,46 -25,68 17,60

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,58 0,01 -0,82
US-Zehnjahresrendite 1,63 -0,01 -1,05

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:25 Mo, 17:20 % YTD
EUR/USD 1,1040 -0,09% 1,1043 1,1056 -3,7%
EUR/JPY 118,54 +0,03% 118,50 118,46 -5,7%
EUR/CHF 1,0938 -0,18% 1,0960 1,0955 -2,8%
EUR/GBP 0,8948 +0,05% 0,8948 0,8952 -0,6%
USD/JPY 107,38 +0,12% 107,32 107,13 -2,1%
GBP/USD 1,2335 -0,11% 1,2341 1,2353 -3,4%
USD/CNY 7,1054 -0,23% 7,1194 7,1218 +3,3%
Bitcoin
BTC/USD 10.227,50 -0,50% 10.241,25 10.311,49 +175,0%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 58,17 57,85 +0,6% 0,32 +21,1%
Brent/ICE 63,01 62,59 +0,7% 0,42 +13,8%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.494,88 1.498,40 -0,2% -3,53 +16,6%
Silber (Spot) 17,99 18,00 -0,1% -0,01 +16,1%
Platin (Spot) 942,55 948,98 -0,7% -6,43 +18,3%
Kupfer-Future 2,59 2,61 -0,6% -0,02 -1,9%


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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September 10, 2019 07:02 ET ( 11:02 GMT)

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