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MÄRKTE EUROPA/Zweite Pandemie-Welle beschleunigt Talfahrt

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)Der Kursabschwung an den europäischen Aktienmärkten hat sich am Montag stark beschleunigt. Der DAX fiel um 574 Punkte oder 4,4 Prozent auf 12.542 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 brach um 3,7 Prozent auf 3.161 Punkte ein. Alle Stoxx-Branchenindizes schlossen deutlich im Minus. An der Spitze der Verlierer lagen die Aktien aus der Reisebranche mit einem Minus ihres Sektorenindex von 5,2 Prozent und die Bankaktien, deren Index um 5,7 Prozent einbrach.

Auf die Stimmung drückte die Angst vor weiteren regionalen Lockdowns infolge der zweiten Pandemie-Welle, die immer mehr Länder und Regionen belastete. "Monatelang sind alle durch die gleiche Tür in den Aktienmarkt geströmt, jetzt wollen alle möglichst zur gleichen Zeit durch die gleiche Tür wieder nach draußen", sagte Jochen Stanzl von CMC Markets zu der hohen Abwärtsdynamik am Markt. Am Anleihemarkt zogen die Kurse an, die Renditen sanken also. Die Zinskurve wurde nun vom Tagesgeld bis hin in den zehnjährigen Bereich noch flacher. Das drückte auf die Stimmung für die Bank-Aktien, weil die Margen im Zinsgeschäft immer weiter fallen. Zudem wurde die Branche von neuen Berichten zur Geldwäsche belastet.

Dokumente aus einem Datenleck des US-Finanzministeriums legen Berichten zufolge eine problematische Rolle von Banken bei der Geldwäschebekämpfung offen. So hätten viele Banken trotz strenger Regeln über Jahre hinweg Geschäfte mit hochriskanten Kunden abgewickelt und Vorgänge mitunter nur zögerlich und mit Verspätung gemeldet. Genannt werden unter anderem Deutsche Bank, JP Morgan und HSBC.


Lufthansa muss noch mehr sparen

Unter der zweiten Pandemiewelle leidet besonders der Reise- und Luftfahrtsektor am Aktienmarkt. Lufthansa fielen um 9,5 Prozent. Die Lufthansa will die Flotte nun um 150 statt um 100 Flugzeuge verkleinern, um den Kapitalabfluss zu bremsen, den Kurs konnte auch das nicht stützen. Airbus verloren 6,9 Prozent, MTU 8 Prozent und Fraport 5,2 Prozent. In London sackten die Aktien der British-Airways-Mutter IAG um 12 Prozent ab.


United Internet und 1&1 Drillisch brechen ein

Prognosesenkungen lasteten schwer auf den Aktienkursen von United Internet und 1&1 Drillisch. United Internet brachen um 24 Prozent ein und 1&1 Drillisch um 28 Prozent. Telefonica Deutschland gaben um 4,2 Prozent nach. Hintergrund sind Preiserhöhungen für die Nutzung der Telefonica-Netzkapazität durch 1&1 Drillisch.

Auch Grenke gaben wieder nach und fielen um 7,2 Prozent. Der Leasinganbieter zieht Konsequenzen aus den von dem Short-Seller Viceroy Research vorgebrachten schweren Anschuldigungen und lässt das in der Kritik stehende Franchise-System unabhängig prüfen. Auch eine Integration in den Konzern wird erwogen.


Rolls-Royce weiter schwach - Zeitpunkt der Kapitalerhöhung überrascht

Mit Spekulationen über eine schon baldige Kapitalerhöhung ging es für Rolls Royce um 11 Prozent nach unten. Berenberg zeigte sich erstaunt über den Zeitpunkt angesichts des aktuellen Kapitalpolsters von rund 8 Milliarden Pfund. Eine Kapitalerhöhung dürfte stark verwässernd wirken, allerdings dürfte die Stärkung der Bilanz grundsätzlich positiv für das Papier wirken. In der Vorwoche hatte die Aktie mit der Nachricht, wonach Rolls-Royce weiter eine Reihe von Finanzierungsmöglichkeiten zur Stärkung der Bilanz prüft, bereits deutlich nachgegeben.

Auf der Seite der wenigen Gewinner zogen Tesco um 2,7 Prozent an. Die Aktien der britischen Handelsgruppe profitierten vom boomenden Online-Geschäft. "Die Online-Bestellungen haben sich zuletzt verdoppelt", so ein Händler.

Erstmals in neuer Zusammensetzung wurden die Indizes Euro-Stoxx- und Stoxx-50 gehandelt. Neu im Euro-Stoxx-50 sind Adyen, Kone, Pernod Ricard, Prosus und Vonovia. Herausgefallen sind BBVA, Fresenius, Orange, Societe Generale und Telefonica. Neu im Stoxx-50 sind Adyen, für die Santander herausgenommen wurden. Adyen, die im am Freitag noch um über 5 Prozent zugelegt hatten, konnten sich auch in dem schwachen Gesamtmarkt am Montag gut halten und schlossen fast unverändert. In der Schweiz rückte die Aktie der Partners Group in den SMI auf, herausgefallen ist Adecco. Änderungen gab es auch im MDAX und im SDAX sowie im Stoxx-600.



Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
. stand absolut in % seit
. Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.160,95 -122,74 -3,7% -15,6%
Stoxx-50 2.892,80 -85,79 -2,9% -15,0%
Stoxx-600 356,82 -11,96 -3,2% -14,2%
XETRA-DAX 12.542,44 -573,81 -4,4% -5,3%
FTSE-100 London 5.804,29 -202,76 -3,4% -20,4%
CAC-40 Paris 4.792,04 -186,14 -3,7% -19,8%
AEX Amsterdam 536,01 -14,84 -2,7% -11,3%
ATHEX-20 Athen 1.503,98 -73,34 -4,6% -34,6%
BEL-20 Bruessel 3.234,31 -141,55 -4,2% -18,2%
BUX Budapest 32.223,20 -1368,31 -4,1% -30,1%
OMXH-25 Helsinki 4.254,85 -148,80 -3,4% +0,8%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.213,17 -26,81 -2,2% -12,6%
OMXC-20 Kopenhagen 1.331,00 -14,45 -1,1% +17,2%
PSI 20 Lissabon 4.252,43 -94,29 -2,2% -20,3%
IBEX-35 Madrid 6.692,30 -237,50 -3,4% -29,9%
FTSE-MIB Mailand 18.793,35 -731,59 -3,7% -16,9%
RTS Moskau 1.181,24 -47,40 -3,9% -23,7%
OBX Oslo 728,75 -27,84 -3,7% -13,6%
PX Prag 861,87 -11,79 -1,3% -22,8%
OMXS-30 Stockholm 1.770,61 -64,75 -3,5% -0,1%
WIG-20 Warschau 1.682,26 -49,50 -2,9% -21,8%
ATX Wien 2.125,31 -80,93 -3,7% -29,9%
SMI Zuerich 10.325,44 -213,73 -2,0% -2,8%


DEVISEN zuletzt +/- % Mo, 8:30 Fr, 17:26 % YTD
EUR/USD 1,1737 -0,90% 1,1859 1,1863 +4,7%
EUR/JPY 122,88 -0,76% 123,73 123,83 +0,8%
EUR/CHF 1,0756 -0,26% 1,0794 1,0786 -0,9%
EUR/GBP 0,9174 +0,15% 0,9160 0,9158 +8,4%
USD/JPY 104,69 +0,12% 104,34 104,39 -3,8%
GBP/USD 1,2794 -1,06% 1,2950 1,2954 -3,5%
USD/CNH (Offshore) 6,8046 +0,54% 6,7580 6,7692 -2,3%
Bitcoin
BTC/USD 10.417,51 -4,15% 10.945,01 10.889,96 +44,5%


ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 39,30 41,11 -4,4% -1,81 -31,4%
Brent/ICE 41,27 43,15 -4,4% -1,88 -33,1%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.899,32 1.950,56 -2,6% -51,24 +25,2%
Silber (Spot) 24,49 26,77 -8,5% -2,28 +37,2%
Platin (Spot) 871,63 934,10 -6,7% -62,48 -9,7%
Kupfer-Future 3,03 3,11 -2,6% -0,08 +7,4%


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/hru/err

END) Dow Jones Newswires

September 21, 2020 12:13 ET ( 16:13 GMT)

Copyright (c) 2020 Dow Jones & Company, Inc.
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