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MARKT-AUSBLICK/Anleger setzen auf billiges Geld der Notenbanken

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Thomas Leppert

FRANKFURT (Dow Jones)Die großen Notenbanken dirigieren momentan das Geschehen an den Börsen. In den nächsten beiden Wochen haben sie die Möglichkeit, den Takt beizubehalten oder aber zu wechseln. In der kommenden Woche trifft sich zunächst die Europäische Zentralbank, in der Woche darauf die US-Notenbank. Während die Fed viel Luft hat, die Zinsen zu senken, haben die Europäer mit ihrer Nullzinspolitik weniger Optionen zur Verfügung. Zudem gehen viele Markteilnehmer davon aus, dass EZB-Maestro Mario Draghi seinem Kollegen Jerome Powell nicht den Takt vorgeben wird. Vielmehr wird erwartet, dass er einmal mehr auf Zeit spielen wird, damit Powell dann Ende des Monats die Zinsen senken kann.

Ob die Liquiditätshausse, ausgelöst durch die Notenbanken, Anleihen sowie Aktie weiter nach oben treiben wird, bleibt abzuwarten. Denn die Konjunktur läuft, besonders in Europa, nicht rund. Dies zeigt auch die laufende Berichtssaison. An der Börse macht man sich langsam Gedanken, ob eine der längsten Aufwärtsbewegungen an den Aktienmärkten sich möglicherweise dem Ende neigt.



EZB erkauft sich Zeit


Ob die Europäische Zentralbank an der Zinsschraube drehen wird oder nicht, ist keine ausgemachte Sache. Momentan geht die Mehrzahl der Volkswirte davon aus, dass die EZB zunächst auf Zeit spielen wird. So erwartet Nomura, dass auf der Juli-Sitzung zunächst der Tonfall zur Prognose anpasst wird. Damit soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass in den kommenden Monaten niedrigere Zinssätze erforderlich sein könnten. Es gibt allerdings auch Stimmen, die eine Senkung des Einlagensatzes um 10 - teilweise sogar um 20 - Basispunkte erwarten. So geht die Commerzbank davon aus, dass die EZB den Einlagensatz bereits kommende Woche direkt um 20 Basispunkte senken wird, weil sich die Datenlage seit Draghis Sintra-Rede nicht verbessert habe.

Zugleich dürfte ein Staffelzins angekündigt werden, der im September implementiert werden dürfte. In Zukunft würde nur noch für einen Teil der Einlagen der offizielle Einlagensatz gelten und für den Rest entweder überhaupt kein Zins oder ein ermäßigter Zinssatz zu zahlen sein. Ein solcher Schritt dürfte in den Zentralen der europäischen Banken gerne gehört werden. Dass die Notenbanker in absehbarer Zeit zu einer Normalisierung ihrer Geldpolitik zurückkehren, erwartet an der Börse niemand.

Einen Tag vor der EZB-Sitzung stehen die Einkaufsmanager-Indizes für den Juli aus Deutschland, Frankreich und der Eurozone zur Veröffentlichung auf der Agenda. Sie dürften belegen, dass es für die von vielen Unternehmen und Volkswirten erwartete Belebung der Konjunktur im zweiten Halbjahr noch keine Anzeichen gibt. Während das Verarbeitende Gewerbe weiter enttäuschen dürfte, sollte der Dienstleistungssektor von der Geldpolitik der Notenbank profitieren.



Die US-Notenbank könnte einen großen Schritt


Während sich bei der EZB die Volkswirte über eine Senkung der Leitzinsen nicht einig sind, wird von der US-Notenbank ein solcher Schritt fest erwartet. Die Frage ist allenfalls, ob ein kleiner Schritt um 25 Basispunkte oder gleich der große Schritt um 50 Basispunkte gegangen wird. Erst jüngst hat sich der Präsident der Federal Reserve von New York, John Williams, für ein rasches und entschiedenes Vorgehen der Notenbanken ausgesprochen. In einer Welt niedriger Zinsen müssten diese auf jedes Zeichen der Schwäche schnell und aggressiv reagieren. "Schnell handeln in schwierigen wirtschaftlichen Situationen" und "Zinsen für längere Zeit niedrig halten", empfahl Williams. Die Intention ist klar. Die Zinskurve würde deutlich steiler werden, zudem dürfte ein solcher Schritt auf dem Dollar lasten. Und von US-Notenbankpräsident Donald Trump gäbe es einen Smily.



Berichtssaison verläuft bisher schlecht


In der laufenden Berichtssaison gab es viele Überraschungen - vor allem negative. Die Gewinnwarnungen häufen sich: Prominente Vertreter sind zweimal bereits Daimler und aus der Chemiebranche BASF und Brenntag, aber auch Krones, Heidelberger Druck, Software AG, Fuchs Petrolub, Deutsche Beteiligungs AG, Norma, H&R, MBB und die Tochter Aumann, um mal ein paar Namen zu nennen. Von einigen Unternehmen werden noch schlechte Nachrichten erwartet, so zum Beispiel von Thyssenkrupp, Dürr sowie der Tochter Homag. Wird an der Börse bereits eine Gewinnwarnung erwartet und ist der Kurs zuletzt gefallen, dürfte die schlechte Nachricht den Aktienkurs nochmals prozentual einstellig ins Minus schicken. Ansonsten sind auch zweistellige Prozentverluste möglich.

Während sich die Erwartungen der Analysten für die Gewinne der DAX-Unternehmen im laufenden Jahr in etwa gedrittelt haben, ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis in der gleichen Zeit auf 13,8 von zuvor 11 gestiegen. Damit ist der DAX aktuell wesentlich teurer als zu Anfang des Jahres. Für die MDAX-Unternehmen wird dagegen nur noch mit stagnierenden Gewinnen in diesem Jahr gerechnet, während der Index seit Anfang des Jahres um 20 Prozent gestiegen ist. Wer hier noch viel Aufwärtspotenzial sieht, hat eine hohe Erwartung an die Fähigkeit der Geldpolitik der Notenbanken.

Kontakt zum Autor: thomas.leppert@wsj.com

DJG/thl/flf

END) Dow Jones Newswires

July 19, 2019 06:17 ET ( 10:17 GMT)

Copyright (c) 2019 Dow Jones & Company, Inc.
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