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MARKT-AUSBLICK/Börsen bleiben hochpolitisch - Abwärtsrisiken überwiegen

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Manuel Priego-Thimmel

FRANKFURT (Dow Jones)Selten war der Kalender so eng bepackt wie in den kommenden Tagen. Das G7-Treffen in Kanada, das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem nordkoreanischen Gegenpart Kim Jong-Un sowie die geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank und der EZB bieten nicht nur reichlich Gesprächsstoff an den Finanzmärkten sondern erhöhen auch die Risiken. Daneben bleibt Italien ein potenzieller Belastungsfaktor. Einzig die recht moderate Bewertung des DAX spricht gegen eine schärfere Korrektur.

Die Börsen bleiben hochpolitisch. Wenn sich die G7-Staaten ab Freitag in Quebec treffen, dürfte von der harmonischen Stimmung der Vergangenheit nichts mehr zu spüren sein. Eine passenderer Titel für den Gipfel wäre G6+1, denn US-Präsident Donald Trump dürfte sich mit seinen handelspolitischen "America-First"-Plänen auf weiter Flur alleine wiederfinden. Die Positionen liegen so weit auseinander, dass derzeit nicht einmal klar ist, ob es ein gemeinsames Abschluss-Kommuniqué geben wird.



Gespräche zwischen USA und China ins Stocken geraten


Zugleich scheinen auch die Handelsgespräche zwischen den USA und China ins Stocken geraten zu sein. Damit droht schon bald die Einführung von US-Strafzöllen von 100 Millionen Dollar auf chinesische Importe, auf die Peking mit entsprechenden Gegenmaßnahmen reagieren wird. Für die Börsen und insbesondere für den DAX sind das keine schönen Aussichten. Handelsbarrieren kennen nur Verlierer, der exportlastige DAX droht aber, zu einem der Hauptverlierer in dem Konflikt zu werden.

Von deutlich geringerem Interesse für die Finanzmärkte ist das geplante Gipfeltreffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong-Un. Sollte dieses positiv verlaufen und es 65 Jahre nach Beendigung der Kriegshandlungen tatsächlich zu einem Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea kommen, wäre dies sicherlich hocherfreulich. Die Märkte dürfte es indes kaum bewegen. Anders sieht es bei einem Scheitern des Gipfels aus - denn dann könnten schon bald wieder die (Test)-Raketen Richtung Japan und Guam fliegen.



Stress auf italienische Anleihemärkte steigt wieder


Damit enden die politischen Risiken an den Märkten aber nicht. Fast unbemerkt ist die Rendite auf zehnjährige italienische Staatsanleihen wieder über 3 Prozent gestiegen. Mit aktuell 3,05 Prozent liegt sie nur noch unweit der jüngsten Hochs von 3,38 Prozent, die während der chaotischen Regierungsbildung in Rom erreicht wurde. In der Zwischenzeit haben die Italiener zwar eine Regierung, die dürfte aber mit ihren Ausgabewünschen schon bald auf Konfrontationskurs mit Brüssel gehen, was die Märkte erneut durchschütteln könnte.

Als ob dieser explosive politische Cocktail nicht genug wäre, arbeiten die Zentralbanken weiter an ihrer Exit-Strategie aus der ultraexpansiven Geldpolitik. Diese war einer der Haupttreiber an den Märkten in den vergangenen Jahren. Am kommenden Donnerstag könnte die EZB nun den Ausstieg aus ihrem Wertpapierkaufprogramm (QE) bekannt geben. Bislang haben die Währungshüter angekündigt, bis September monatlich Anleihen im Volumen von 30 Milliarden Euro zu kaufen.



Fed macht Schwellenländern das Leben schwer


Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die EZB ihre Käufe Ende des Jahres einstellen wird. Zwar wird es noch geraume Zeit dauern, bis die Zinsen angehoben werden, und die EZB wird durch Reinvestitionen sicherstellen, dass die EZB-Bilanz bis auf weiteres nicht schrumpft. Für die Märkte ist damit jedoch liquiditätstechnisch der Scheitelpunkt erreicht. Die US-Notenbank hatte bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, ihre Bilanz zu verkürzen.

Die Fed ist in ihren geldpolitischen Normalisierungsbemühungen schon sehr viel weiter als die EZB. Am kommenden Mittwoch wird sie aller Voraussicht nach die Leitzinsen erneut um 25 Basispunkte anheben. Dies wird zwar niemanden überraschen, macht das Leben für Schwellenländer allerdings nicht einfacher. Die Zinserhöhungen sowie der Bilanz-Abbau der Fed festigen den Dollar tendenziell und treiben die Renditen an den US-Märkten nach oben.



IWF bewahrt Argentinien vor neuem Offenbarungseid


Für Schwellenländer, die ihre Schulden vornehmlich in Dollar aufnehmen und bedienen müssen, bedeutet dies Stress. Hinzu kommen die Handelsstreitigkeiten mit den USA. Die Folge sind massive Abverkäufe der dortigen Finanzmärkte und Kapitalabzüge. Der brasilianische Aktienmarkt brach am Donnerstag zeitweise um 6 Prozent ein, der Real hat seit Quartalsbeginn 15 Prozent an Wert verloren. Wenn dann noch die Währungsreserven knapp werden, kann ein Land schnell vor dem Offenbarungseid stehen.

Diesen drohte nun Argentinien zu leisten. Nur ein Notkredit des IWF über 50 Milliarden Euro verhinderte Schlimmeres und möglicherweise ein Wiederholung des Staatsbankrotts von 2001. Danach war das Land jahrelang von den internationalen Kapitalmärkten abgeschnitten. Die Turbulenzen in den Schwellenländern sind für die Anleger in den reiferen Kapitalmärkten der reichen Industrienationen bislang kaum mehr als eine Randnotiz. Wie die Asienkrise 1997 zeigte, muss das aber nicht so bleiben.



Noch droht keine Rezession


Der DAX notiert derzeit rund 1.000 Punkte unter seinen Rekordständen, bewegt sich damit aber weiter in luftiger Höhe. Einer der Hauptgründe, warum dies so ist, liegt in seiner weiterhin recht moderaten Bewertung. Mit einem 2018er-KGV von 13 liegt er klar unter dem 30-Jahresdurchschnitt von 14,6, wie die Commerzbank anmerkt. Daneben sind die oben bestehenden Risiken bislang eben nur Risiken. Die Commerzbank geht davon aus, dass die Dividendensumme im DAX 2018 um 4 Prozent auf 38 Milliarden Euro steigen wird.

Jede der oben beschriebenen Gefahren hat das Potenzial bei einer Eskalation die Erwartungen an Wirtschaftswachstum und damit das Wachstum der Unternehmensgewinne zu drücken. Spätestens dann würden die Börsen abschmieren. Die Wirtschaftsdaten haben sich zuletzt abgeschwächt, deuten bislang aber kein Abrutschen in die Rezession an. Solange dies nicht der Fall ist, werde sich der DAX auf dem hohen Niveau halten und die Korrekturen überschaubar ausfallen.

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

DJG/mpt/ros

END) Dow Jones Newswires

June 08, 2018 07:28 ET ( 11:28 GMT)

Copyright (c) 2018 Dow Jones & Company, Inc.
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