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MARKT-AUSBLICK/Börsenampeln drehen auf dunkelrot

| Quelle: Dow Jones Newswire Web
Von Michael Denzin

FRANKFURT (Dow Jones)--Eine extrem spannende Woche steht den Anlegern bei DAX & Co bevor. Denn mit dem nahen Ende der Berichtssaison setzt nicht nur Ernüchterung ein, sondern gleichzeitig drohen die Börsenampeln auf dunkelrot zu drehen. Störfeuer kommt nämlich nicht nur von den enttäuschenden Unternehmensberichten, sondern es verdüstern sich auch die Rahmenbedingungen wie die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Kein Wunder also, dass der DAX wieder durch die Kurslücke um 13.200 Punkte gebrochen ist, die er in Reaktion auf die vor zwei Wochen noch taubenhaften Töne der EZB gerissen hat.

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Drastisch geänderter Blick auf EZB - Zinsen steigen

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Nun aber hat sich der Tonfall der EZB verändert. Von einzelnen EZB-Direktoren wie Benoit Coeure kamen immer skeptischere Töne. So warnte Coeure im Wochenverlauf, dass der EZB möglicherweise bei der nächsten Krise die Instrumente ausgehen könnten, um noch darauf reagieren zu können. Die Eurozone befinde sich zwar im Aufschwung, doch sei der Währungsblock "schlecht vorbereitet", wenn es zu einem "unvermeidlichen" Abschwung komme. Die EZB könne möglicherweise ihre massiven Wertpapierkäufe in der Zukunft nicht wiederholen, warnte Coeure.

Und das irische EZB-Ratsmitglied Philip Lane betonte, dass die expansive Geldpolitik nur "ein temporäres Phänomen" sei. Bei steigender Inflation könnte die EZB sogar noch "entschlossener" handeln. Vom Markt wurde dies als Andeutung stärker als erwarteter Zinserhöhungen verstanden.

An den Märkten sorgte dies für eine Schreckreaktion am Donnerstag: Die Anleihemärkte fielen auf breiter Front und allen Laufzeiten, am Aktienmarkt jagte sie den DAX um fast 2 Prozent nach unten. Gute Unternehmensdaten hätten sie vielleicht noch mildern können, jedoch enttäuschte hier fast jeder DAX-Wert. Als besonders negativ wurde vermerkt, dass Branchenriesen wie Siemens nur einen völlig verhaltenen Ausblick auf 2018 gegeben haben, obwohl die brummende Konjunktur gerade in den Gewinnen der Industriewerte ihren Niederschlag finden sollte.

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Angst vor "Peak Growth" nimmt gleichzeitig zu

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Dazu wird die Enttäuschung auf der Mikro-Seite der Unternehmen auch von Makro-Sorgen flankiert. Die Angst vor einem bevorstehenden Höhepunkt des Wachstums ("Peak Growth") in Europa wird an den Märkten immer fühlbarer. Da die hohen Aktienbewertungen ein anhaltend hohes Wachstum benötigen, könnte ein Abknicken des Momentums beim Gewinnwachstum noch schneller zum Kassemachen am Aktienmarkt führen.

So weisen die Strategen der Deutschen Bank auf die klaren Zeichen der Abschwächung hin: Noch im ersten Quartal habe es einen kräftigen Gewinnsprung von rund 26 Prozent beim Gewinn je Aktie im europaweiten Stoxx-600-Index gegeben. Im zweiten Quartal habe sich das Wachstum dann abgeschwächt auf plus 18 Prozent. Im nun laufenden dritten Quartal auf nur noch 7,6 Prozent, wobei bislang 78 Prozent der Unternehmen berichtet haben.

Dabei sei es nur noch 51 Prozent der Unternehmen gelungen, die Erwartungen zu übertreffen, was die schwächste Vorlage seit fast zwei Jahren sei. Grund sei die zwischenzeitliche Stärke des Euro, der die günstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen aufgefangen habe. Besserung erwarten die Strategen auch für das vierte Quartal nicht.

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Fondsmanager mit Angst um ihre Performance

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Den Fondsmanagern geht damit langsam die Kursfantasie aus. Gleichzeitig beginnt bei ihnen, eine "persönliche" Komponente zu wirken - nämlich die Sorge um ihre Jahres-Performance. "Die Korrektur war von fast allen erwartet worden, sie kommt jetzt nur zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt", sagt ein Händler. Schließlich sei mit der bevorstehenden Messung ihrer Jahresleistung auch das Urteil über ihren persönlichen Erfolg verbunden: "Daher ist die Angst, Performance zu verlieren, extrem ausgeprägt und die Bereitschaft zu sofortigen Verkäufen sehr hoch".

Per Saldo führt dies nun zu veränderten Kursreaktionen am Markt. Schlechte Nachrichten oder Quartalszahlen werden nun mit brutalen Abverkäufen bestraft. Die Verlierer-Aktie darf zum Jahresende nicht mehr im Portfolio liegen, lautet die Devise. Klar zu sehen war dies bei Kurseinbrüchen von fast 10 Prozent bei Prosieben oder fast 20 Prozent bei Vestas Wind. Umgekehrt findet auch das vormals beliebte "buying the dip", also das Kaufen von Kursabschlägen, nicht mehr statt. Gefallene Aktien werden nun liegengelassen. Schließlich würde sich der Fondsmanager damit nur noch Risiko einbuchen.

Für DAX & Co sind das keine guten Vorzeichen. Der Markt in Europa dürfte sich nun stufenweise nach unten bewegen, das kleine zwischenzeitliche Kursgewinne zum Abverkauf genutzt werden. Charttechniker sehen den DAX daher mindestens bis 12.800 oder 12.600 Punkte zurückfallen.

Entscheidend werden die zahlreichen Daten und Aussagen in der kommenden Woche. Denn für jeden Problemkomplex stehen brisante Termine an. So sprechen im Rahmen von Bank-Kongressen zahlreiche EZB-Sprecher von EZB-Vize Constancio am Montag bis hin zu seinem Chef Mario Draghi am Freitag. In der EU und den USA stehen zudem die wichtigen Inflationsdaten für Oktober an. Die Märkte dürften extrem empfindlich auf diesen Themenkomplex reagieren.

Dazu läuft die Berichtssaison in der letzten Woche und könnte weitere Argumente gegen den Aktienkauf liefern. Wichtiger und weitreichender werden aber die globalen Konjunkturdaten sein, so die Industrieproduktion im Oktober aus China, USA und EU, sowie zahlreiche BIP-Daten aus Deutschland und Europa. Die meisten Daten werden am Dienstag vorgelegt und könnten die Sorge vor der Wachstumsabschwächung befeuern.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/ros

END) Dow Jones Newswires

November 10, 2017 07:36 ET (12:36 GMT)

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