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MARKT-AUSBLICK/Börsenszenario dreht von Goldilocks auf Alptraum

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
FRANKFURT (Dow Jones)Einen wahren Giftcocktail für die Aktienmärkte präsentiert derzeit die internationale Nachrichtenlage. Anleger sollten daher in der kommenden Woche nicht auf vorösterliche Stimmung setzen. Denn "in gerade einmal zwei Wochen hat sich das alte Goldilocks-Umfeld um 180 Grad zu einem Alptraum-Szenario gedreht", sagte ein Frankfurter Aktienhändler.

Fast sämtliche Einflussfaktoren auf die Börsen hätten zeitgleich von Grün auf Tiefrot umgeschaltet. Die Strafzölle von Donald Trump gegen China seien dabei nur einer unter vielen Aspekten. Zwar sei die Gefahr einer Eskalation zu einem Handelskrieg ein gigantischer Belastungsfaktor, heißt es. Aber auch eine Entspannung an dieser Stelle würde nichts daran ändern, dass andere Faktoren weiter belasteten.

So müssen Anleger mit dem neuen und steileren Zinspfad der US-Notenbank, der tendenziell bremsend auf das Wirtschaftswachstum wirkt, erst einmal umzugehen lernen. Dabei ist außerdem ins Kalkül zu ziehen, dass steigende Zinsen dafür sorgen, dass die Aktienbewertungen immer weniger Spielraum nach oben haben. Gleichzeitig könnten auch bald die Unternehmensgewinne unter Druck geraten, befürchten Börsianer, denn die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) der wichtigsten Industrieländer von Japan bis Deutschland geben weiter nach. Einer der wichtigsten Kurstreiber der Börse, das Gewinnmomentum, ist damit nach oben gekappt.

Der kräftige Anstieg der Volatilitäten vor allem an den Aktienmärkten verstärkt diese Wirkung. Die Unsicherheit beim Schätzen der Unternehmensgewinne nimmt zu und kann damit zu Sicherheitsabschlägen bei der Aktienbewertung führen. Zudem verhindert sie Kapitalzuflüsse in den Aktienmarkt. Die vor allem in den USA beliebten sogenannten Risk-Parity-Fonds konnten aufgrund geringer Volatilitäten durch einen maximierten Investionsgrad die Kurse hochkaufen. Das ist nun vorbei, höhere Volatilitäten werden als höhere Risiken gedeutet, ihr Anlagebudget kann daher nicht auf alte Höhen zurückklettern.

Auch Mischfonds dürften in Zukunft vorsichtiger agieren müssen, da die Korrelation zwischen Aktien- und Rentenmärkten stark zugenommen hat. Damit fällt die Diversifikation zwischen den beiden Anlageklassen schwerer.



Facebook und Geopolitik machen zusätzliche Problemfelder auf


Zu guter Letzt hat der Skandal um den Datenmissbrauch bei Facebook den Markt an einer seiner empfindlichsten Stelle getroffen. Denn die Kursrally der US-Technologiewerte war einer der größten Kurstreiber, der über die US-Technologiebörse Nasdaq hinaus positive Signalwirkung für die internationalen Börsen hatte.

Das Aufkommen struktureller Wachstumszweifel an Facebook könnte auch für steigende Skepis gegenüber den anderen Kernmitgliedern der Branche aufkommen lassen. Wegen der extrem hohen Gewichtung dieser sogenannten FANG-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix, Google) in indexnahen börsengahendelten Fonds (ETFs) dürfte ihre Schwäche besonders kräftig auf den breiten Markt wirken. "Der Fall einer Ikone geht immer einher mit signifikanten Markt-Tops", sagte ein Händler.

Mit einer Sektorrotation in andere Branchen, die die Technologiewerte als Zugpferde für den Markt ablösen, sollten Anleger derweil nicht rechnen. Denn die schwer gewichtete Branche der Finanzwerte leidet unter einer Abflachung der Zinsstrukturkurve, die sich rund um die Aussagen der US-Notenbank noch weiter verschärft hat. Und konjunkturnahe Branchen wie Autos- und Industriewerte dürften unter der Kombination aus Handelskrieg und Konjunkturabschwächung besonders leiden.



Globale Risiken nicht unterschätzen


Unterdessen hat sich auch bei den geopolitischen Risiken die Lage verschlechtert. Hier verweisen Analysten auf die Benennung des Hardliners John Bolton zum neuen US-Sicherheitsberater. Mögliche Krisen um Iran und Nordkorea könnten durch ihn schnell zu erneuten Belastungsfaktoren für die Börsen werden, fürchten sie. Generell würden politische Schwerpunkte des Weißen Hauses damit unberechenbarer. Der Markt habe wegen des Blicks auf die Zölle dieses Risiko noch überhaupt nicht realisiert, warnen Analysten.

Anleger dürften sich daher noch eine ganze Weile an die Hoffnung klammern müssen, dass bei der Trump-Regierung letztendlich nichts so heiß gegessen wie gekocht wird. Dies zeigten die Last-Minute-Ausnahmen für die Länder der EU, der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta und weiterer bei den Stahl-Strafzöllen, unterstreichen versöhnlichere Stimmen wie die von Nomura.

Augenmerk sollte auch auf die technische Situation bei den Aktienindizes gelegt werden. Sollte sich der S&P-500 stabilisieren und der DAX kein nachhaltig neues Jahrestief unter 11.830 Punkten markieren, könnte die Nachrichtenlage eingepreist und ein Marktboden erreicht sein. Ein Fall des DAX unter diese Marke eröffne jedoch ein Abwärtspotenzial bis 11.500 und 11.300 Punkte, befürchten Marktanalysten.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/gos

END) Dow Jones Newswires

March 23, 2018 08:34 ET ( 12:34 GMT)

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