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MARKT-AUSBLICK/DAX dürfte Dow weiter hinterherlaufen

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Thomas Leppert

FRANKFURT (Dow Jones)Die Aktienmärkte haben einen guten Start in das noch junge Jahr erwischt. Bereits nach wenigen Tagen ist erneut zu erkennen, dass die Wall Street gegenüber dem DAX die Nase vorne hat. Es ist ein Trend, der seit Jahren andauert. Und einiges spricht für eine fortgesetzte Outperformance der US-Börse. So ist die US-Notenbank mit der Normalisierung der Geldpolitik einen großen Schritt weiter als die Europäische Zentralbank. Die US-Staatsanleihen werfen deutlich höhere Renditen ab, und der Staat kann die Zinsen ohne Probleme zahlen. In Europa dürfte es dagegen einigen Ländern weh tun, Zinsen in vergleichbarer Höhe zu bezahlen.

Seit US-Präsident Donald Trump das Zepter in Washington übernommen hat, hat die Wall Street einen großen Fan auf dem Chefposten. So wurden die Fesseln der Finanzmarktkrise in Form von Regulierungen bei den Banken gelockert, eine engagierte Industriepolitik holt Aufträge ins Land, und die große Steuerreform dürfte ab dem ersten Quartal die Unternehmensgewinne sprudeln lassen. Erst kürzlich haben die Analysten der Deutschen Bank das Kursziel für den breiten S&P-500-Index mit Verweis auf die steigenden Unternehmensgewinne nach oben genommen.

Schaut der Anleger dagegen auf Deutschland, wird er feststellen, dass die Industrie von Seiten der Politik wenig Unterstützung erhält. Aktuell sieht es danach aus, dass die großen Wahlverlierer CDU, CSU und SPD in den kommenden vier Jahren erneut die Geschicke lenken. Wer nach einer Entlastung der Industrie sucht, wird enttäuscht. Vielmehr sollen die Arbeitgeber etwa nach dem Willen der Verhandlungspartner wieder einen höheren Beitrag zur Krankenversicherung ihrer Angestellten zahlen.



Wirtschaftspolitik wird in Deutschland klein geschrieben


Wenig euphorisch liest sich der erste Kommentar von Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding zu dem Ergebnis der Sondierungsgespräche. Der erreichte Kompromiss setze den Trend weg von wachstumsfördernden Reformen fort, der bereits in Merkels vorangegangener Amtszeit deutlich sichtbar war. Deutschland bleibe zwar wirtschaftlich stark, dürfte aber schrittweise von der Spitze in die obere Mitte der Wachstumsliga der großen europäischen Länder abrutschen. Deutschlands aktuelles goldenes Jahrzehnt ende in den 2020er Jahren.

Ein weiteres großes Thema sind zudem die aktuellen Warnstreiks vor der Tarifverhandlung der IG Metall mit den Arbeitgebern aus der Metall- und Elektro-Industrie. Auch wenn davon auszugehen ist, dass die aktuellen Forderungen nicht durchgesetzt werden können, werden ein Tarifkampf mit vielen Streiktagen und eine deutliche Lohnerhöhung die Gewinne der Unternehmen hier in Deutschland belasten. Für die Analysten von Barclays ist das DAX-Schwergewicht Siemens unter allen beobachteten Unternehmen in Deutschland das am stärksten von steigenden Lohnkosten betroffene.



Dow Theorie spricht für weitere Gewinne an der Wall Street


In der sogenannten Dow Theory wird ein großes Gewicht darauf gelegt, dass ein positives oder auch negatives Signal vom Dow-Jones-Index und dem Dow-Jones-Transportation-Index durch ein entsprechendes Signal des jeweils anderen Index bestätigt wird. Dies ist nach Aussage der Charttechniker der BayernLB momentan der Fall, beide Indizes notierten am Donnerstag auf Allzeithoch. Dass beide Indizes gleichzeitig neue Rekorde verbuchten, sei ein bullisches Zeichen. Damit sollte die seit 2009 bestehende Hausse im Dow Jones-Index weitergehen.

Die bullischen US-Börsenbriefschreiber unterstreichen das gute Sentiment der Wall-Street-Investoren. So schreibt Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest, dass seit Mitte Oktober 2017 der Anteil der bullischen US-Börsenbriefschreiber - gemessen durch Investors Intelligence - beständig oberhalb von 60 Prozent liegt. Ein derart langer euphorischer Zeitraum sei ein Novum seit Beginn der Messreihe im Jahr 1969. Die US-Privatinvestoren sind zu 48,7 und der Index der US-Investment-Manager mit einer Mehrheit von 58,4 Prozent optimistisch, wenn auch nicht euphorisch. Das Sentiment würde ein Verkaufssignal dann liefern, wenn die überaus bullische Stimmung kippt.



Steigende Gewinne sollten hohe US-Bewertung rechtfertigen


Auch die Aktienstrategen der Commerzbank sprechen fast ehrfurchtsvoll von einem beeindruckenden Aktienbullenmarkt in den USA. Dort hat der breite S&P-500-Index seit März 2009 bereits mehr als 300 Prozent zugelegt. Aktienpessimisten würden gerne auf die relativ hohe Bewertung der US-Unternehmen verweisen. So liege das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P 500 mit 18,9 mittlerweile mehr als 30 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt. Und die Steuerreform habe zuletzt zu einer wahren Aktien-Euphorie geführt.

Die Aktienbullen in den USA verweisen dagegen auf die Unternehmensgewinne, da die Steuerreform für eine Welle positiver Gewinnrevisionen in den USA sorgt. So sind für 25 der 30 Unternehmen im Dow Jones Index die Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr im vergangenen Quartal nach oben revidiert worden. Für den DAX hätten dagegen die Analysten nur bei 15 der 30 Unternehmen ihre Gewinnprognosen zuletzt nach oben angepasst.

Kontakt zum Autor: thomas.leppert@wsj.com

DJG/thl/mod/cln

END) Dow Jones Newswires

January 12, 2018 07:28 ET ( 12:28 GMT)

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