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MARKT-AUSBLICK/DAX-Hausse im Schneckentempo - aber keine Korrektur

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)Steigende Zinsen sind Gift für die Börse. Wie es scheint, setzt sich diese uralte Börsenweisheit auch dieses Mal wieder durch, obwohl die Renditen absolut betrachtet immer noch auf niedrigem Niveau sind. Weltweit kommt die Hausse ins Stottern, einige Zugpferde wie Tesla im Nasdaq oder Varta im TecDAX stürzten zuletzt geradezu ab. Die Bären beenden ihren Winterschlaf und warnen vor Top-Formationen und der hohen Bewertung. Wirklich begründet ist das aber nicht. Vermutlich handelt es sich bei den aktuellen Entwicklungen um die üblichen Verwerfungen, wie sie meistens während des Übergangs von der zinsgesteuerten Hausse-Phase in die gewinnorientierte Hausse-Phase auftreten.

Marktteilnehmer sollten sich von der Diskussion nicht allzu sehr verunsichern lassen. Denn es gibt einen großen Unterschied zu früheren Phasen steigender Renditen: Dieser Renditeanstieg ist erwünscht! Mit der Reflationierung wächst die Chance, dass die Staaten aus ihren schier maßlosen Verschuldungsquoten herauswachsen. Das ist sicherlich der Grund, weshalb die US-Notenbank einen Anstieg der Inflationsrate über die Marke von 2 Prozent ausdrücklich zulassen will.

Und noch einen Unterschied gibt es: Blackrock meint zu den Renditen, sie stiegen dieses Mal sogar langsamer als sonst in Wirtschaftswenden. In der Tat steigen die Renditen sogar langsamer als die Preise. Damit wird der Realzins aber noch negativer. Das wird über kurz oder lang die Asset-Preise wieder stützen: Aktien, Immobilien, und wohl auch Gold.

Viele wichtige Indizes der Welt haben vor der jüngsten renditegetriebenen Konsolidierung neue Rekorde markiert. Trotzdem sind Marktteilnehmer zunehmend frustriert, vor allem weil der DAX nach wie vor den anderen Börsen hinterherhinkt. In Shanghai und in Hongkong stiegen die Leitindizes seit Jahresbeginn um 13 Prozent, in Tokio legte der Nikkei währungsbereinigt um 7 Prozent zu. Im DAX ging es dagegen gerade einmal um knapp 2 Prozent nach oben. Das mag damit zu tun haben, dass der DAX im vergangenen Jahr nach der Baisse besonders stark zugelegt hatte. Es liegt aber auch an der Zusammensetzung: Zu viele Titel hängen derzeit einfach seitwärts fest. Nur über die charttechnisch noch starken Aktien wie die Autotitel, Siemens, Infineon oder BASF und Covestro wird es kaum zu höherer Aufwärtsdynamik kommen. Wahrscheinlich wird der DAX weiter im Schneckentempo nach oben schleichen, nach dem Motto zwei Schrittchen vor, eines zurück.

Ein Bruch des Aufwärtstrends bei etwa 13.500 Punkten ist jedenfalls nicht in Sicht. Trotzdem dürften es zinssensible Titel aus der Telekom-Branche oder dem Versorger-Sektor weiterhin schwer haben. Besser aufgestellt sein dürften da Unternehmen, die eine niedrige Verschuldung haben und hohe Cashflows generieren.


M3 im Blick - wieder zweistelliges Plus erwartet

Auch in der kommenden Woche steht die Berichtsaison weiter im Blick. Auf der Makroseite stehen unter anderem der ifo-Geschäftsklima-Index und die Geldmengenentwicklung auf der Agenda. Der ifo-Geschäftsklima-Index wird kaum verändert erwartet, irgendwo in der Nähe des Januar-Stands von 90,1. Auch die Dynamik des Geldmengenwachstums dürfte mit gut 12 Prozent bei der Geldmenge M3 nahezu unverändert günstig bleiben. Das wäre für die Märkte klar positiv: Ist doch Liquidität zwar nicht alles, aber ohne Liquidität eben alles nichts.

In den USA steht am Dienstag das US-Verbrauchervertrauen auf der Agenda, auch dieses dürfte sich laut den Prognosen nicht sonderlich verändert haben. Am Donnerstag folgen die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter und am Freitag der Index der Einkaufsmanager in Chicago. Hier stellt sich die Frage, ob die großen Schlachthöfe in Chicago und Umgebung die hohen branchenspezifischen Pandemie-Risiken im Griff haben.

DJG/hru/cln

END) Dow Jones Newswires

February 19, 2021 06:30 ET ( 11:30 GMT)

Copyright (c) 2021 Dow Jones & Company, Inc.
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