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MARKT-AUSBLICK/Nordkorea-Krise eröffnet Einstiegschancen

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Manuel Priego Thimmel

FRANKFURT (Dow Jones)Die Eskalation der Nordkorea-Krise hat die Börsen aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen. Der VIX-Volatilitätsindex machte am Donnerstag einen Sprung von mehr als 40 Prozent und löste eine seit langem überfällige stärkere Korrektur an den US-Börsen aus. Übergeordnet bleiben die Aussichten aber günstig: Die Wirtschaft läuft und die Unternehmen legen solide Zahlen vor. Durchaus möglich, dass es an den Börsen zunächst schlechter wird, bevor es wieder besser läuft. Die Anleger sollten dennoch ein Auge offen halten und sich nach Einstiegschancen umschauen.

Das verbale Säbelrasseln rund um Nordkorea wird lauter. Nordkoreas Diktator Kim Jong-un will seine Raketentests nun bis zur Pazifikinsel Guam, und damit bis vor die Haustür der USA, ausweiten. US-Donald Trump lässt sich nicht lumpen und droht mit "Feuer und Wut". Eine diplomatische Lösung der Krise zeichnet sich bis auf weiteres nicht ab, das bedeutet nun aber nicht, dass die Welt vor einem Nuklearkrieg steht. Das gilt zumindest solange, wie die Schlüsselfiguren in Washington und Pjöngjang rational agieren. Und davon gehen die Börsianer bislang aus, was sich auch in den bislang nur moderaten Verlusten an den südkoreanischen Aktienmärkten widerspiegelt.



Bei einem Krieg gäbe es nur Verlierer


Das Regime in Nordkorea würde eine militärische Auseinandersetzung mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit nicht überleben. Daran dürften die Kims kein Interesse haben - zumindest solange, wie die Machtbasis der Familie nicht gefährdet ist. Auch die USA hätten bei einer militärischen Eskalation viel zu verlieren. Nicht nur würde eine solche eine weltweite Rezession und einen neuen Schock an den Finanzmärkten a la Lehman Brothers auslösen. Auch würden China, Japan und Russland in den Konflikt hineingezogen mit nicht absehbaren Auswirkungen auf das geopolitische Gleichgewicht und die strategischen Interessen der USA in Asien.

Für die Aktienmärkte spricht weiter viel. Nicht nur fehlen die Anlagealternativen, die Börsen sind auch nicht übermäßig teuer bewertet. Der DAX weist aktuell ein KGV von 13,5 auf bei einer Dividendenrendite von 3 Prozent. Es gibt bislang auch nur wenige Anzeichen dafür, dass die Party an den Börsen bereits jetzt zu Ende geht. Zwar haben die Einkaufsmanagerindizes ihren Höhepunkt überschritten, insgesamt zeichnet sich aber in den kommenden Monaten eine Fortsetzung des weltweiten Wirtschaftswachstums ab, wenn auch nicht mehr mit der gleichen Dynamik wie in der ersten Jahreshälfte.

Ein ähnliches Bild liefert die sich langsam dem Ende zuneigende Berichtssaison. Wie die Deutsche Bank anmerkt, ist diese in Europa zwar schwächer als im ersten Quartal verlaufen, die Unternehmen legen aber weiter solide Zahlen vor. Bislang haben knapp drei Viertel der Stoxx-600-Unternehmen berichtet. Davon haben 54 Prozent die Gewinnprognosen geschlagen, was in etwa dem langfristigen Durchschnitt entspreche. Die Erlöse der Stoxx-600-Unternehmen im zweiten Quartal im Schnitt um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Alle Branchen haben die Umsätze steigern können - das erste Mal seit dem zweiten Quartal 2012.



Perfekter Einstiegszeitpunkt nicht zu terminieren


Das bedeutet nun allerdings nicht, dass der Moment für den Einstieg an den Börsen jetzt schon gekommen ist. Gut möglich, dass sich die Korrektur in naher Zukunft noch ausweiten wird. Während die Konsolidierungsbewegung an Europas Börsen schon vor geraumer Zeit eingesetzt hat, hat sie an den US-Märkten jetzt erst begonnenen. Beim DAX ist die charttechnisch wichtige 200-Tageline bei rund 11.900 bereits in Sichtweite gerückt, den S&P-500 trennen noch knapp 100 Punkte oder knapp 4 Prozent hiervon. Die US-Börsen haben also noch Luft nach unten, bevor es brenzlig wird, und es ist unwahrscheinlich, dass sich der DAX einer US-Korrektur wird entziehen können.

Auch saisonal spricht einiges dafür, dass sich die Korrektur noch fortsetzen wird. Das Sommerloch an den Börsen ist von niedriger Liquidität geprägt, was die Wahrscheinlichkeit schärferer Bewegungen in die eine oder andere Richtung noch erhöht. Daneben steht mit dem September ein typischerweise schwächerer Börsenmonat vor der Tür, bevor es dann ab Oktober kräftiger nach oben gehen sollte. Letztlich müssen sich die Anleger auf ihr Fingerspitzengefühl verlassen. Den perfekten Einstieg verpasst fast jeder, was auch nicht weiter schlimm ist. Wichtig ist nur, dass die Fundamentalstory an den Börsen weiter stimmt.

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

DJG/mpt/cln

END) Dow Jones Newswires

August 11, 2017 07:40 ET ( 11:40 GMT)

Copyright (c) 2017 Dow Jones & Company, Inc.

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