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MARKT-AUSBLICK/Ohne Mifid-Bremse - Boom und Inflation im Blick

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
FRANKFURT (Dow Jones)Freundlich dürfte es auch in der kommenden Woche mit DAX & Co weitergehen. Denn erst dann beginnt das Jahr 2018 wirklich. Viele Anleger und Analysten kehren erst jetzt an die Märkte zurück und sind zu neuen Entscheidungen bereit. Die erste Woche des Jahres hatte nicht nur unter der internationalen Saison für Winterurlaube, sondern auch besonders unter der Einführung der neuen Mifid-II-Regularien für die Finanzmärkte gelitten.



Mifid-II hat Aktien ausgebremst


Händler sprachen in diesem Zusammenhang von der "größten Änderung der Rahmenbedingungen seit 20 Jahren". Denn da es sich dabei um eine Direktive handele, die ein Sammelsurium aus den unterschiedlichsten Vorschriften stelle, "kann auch niemand sicher sein, ob er alles im Blick hat oder doch irgendwo gegen irgendetwas verstößt", sagt ein Händler: "Bis das alles rundläuft, dürften noch Monate vergehen". Er rechnet daher mit entsprechender Vorsicht und Zurückhaltung der professionellen Anleger noch für das ganze erste Quartal.

Das Bankhaus Vontobel sieht hinter dem Mifid-Regelwerk einen Umfang von mehr als 20.000 Seiten, der sich auf fast alles von Kundenbeziehungen über Research und Portfoliomanagement bis hin zur Handelsausführung bezieht. Der Vergleich mit Kapitän Nemos Reise unter dem Meer dränge sich daher auf.



Konjunkturboom nicht eingepreist


Für die Börsen sind das möglicherweise gute Nachrichten. Denn der Blick auf Mifid galt als große Ablenkung für den Markt. Nur die Kursgewinne an der Wall Street und die auf einen Boom hindeutenden Konjunkturdaten von China über Europa bis hin zu den USA zwangen einige Anleger zu Investitionsentscheidungen. Per Saldo wurden sie aber tunlichst unterlassen, was sich am fast trendlosen Dezember an Europas Börsen gezeigt hatte.

Hier besteht nun ein kräftiger Nachholbedarf. Sollte kein Störfeuer vom Euro kommen und er sich nur langsam der 1,25er-Marke nähern, dürften Aktien weiter zulegen. Denn immer deutlicher zeigt sich, dass der weltweite Konjunkturboom unterschätzt wurde. Aufwärtssprünge wie beim ISM-Index aus den USA oder dem Einkaufsmanager-Index aus China lösten teils ungläubiges Staunen aus.

Sollten die Aktienbewertungen nicht deutlich unter Druck geraten - wie es durch überraschende Zinserhöhungen der Fall sein könnte -, dann dürften die stärker steigenden Unternehmensgewinne eins zu eins auf die Aktienkurse durchschlagen. Analysten sehen hier hinter vorgehaltener Hand durchaus ein Potenzial von 20 Prozent für Europas Leitindizes in den kommenden zwei bis drei Jahren.



Auf Inflation nicht vorbereitet


Problematisch werden könnte nur "der hässliche Bruder" des Konjunkturbooms - die Inflation. Ein zu schneller Anstieg könnte dann selbst steigende Unternehmensgewinne überkompensieren. Trotz brummender Konjunktur fielen die Aktienkurse dann.

Der Markt hat bei diesem Thema definitiv eine offene Flanke: Eine Beschleunigung der Inflation werde von den Märkten unterschätzt, warnt Larry Hatheway, Chefökonom des Vermögensverwalters GAM. Die Märkte seien auf dieses Szenario "so gut wie gar nicht eingestellt" - und dies, obwohl die gesamtwirtschaftliche Lage darauf hindeute. Eine unerwartete Inflation würde aber "zu enormen Rückschlägen an den Anleihen- und Aktienmärkten führen".

Anleger sollten dies in den kommenden Monaten im Auge behalten. Aktuell gibt es zum Glück noch keine Anzeichen dafür - im Dezember hat sich der Preisauftrieb in der Eurozone sogar auf 1,4 Prozent abgeschwächt. Die EZB rechnet erst für den späteren Jahresverlauf damit, dass sie anzieht. Auch der etwas schwächere US-Arbeitsmarktbericht zeigte keine Hinweise auf Lohn-Inflation.

Damit ist die Hoffnung berechtigt, dass auch die wichtigen Inflationsdaten der kommenden Woche keine Probleme bereiten werden. Zunächst werden am Mittwoch die Verbraucherpreise aus China berichtet. Am Donnerstag folgt die Preisentwicklung der US-Produzenten und am Freitag das wichtigste Datum mit den US-Verbraucherpreisen. Von der ersten EZB-Sitzung des Jahres am Mittwoch wird im Handel dagegen nichts erwartet, eher steht ihr Protokoll der vergangenen Sitzung vom 14. Dezember im Blick.

Zudem wirft die Berichtssaison erste Schatten voraus: So legt aus dem DAX Continental am Dienstag Eckdaten zum Jahresverlauf vor. Am Donnerstag folgen aus dem MDAX Südzucker und Hella. Aus der Schweiz berichtet unter anderem der Luxusgüterhersteller Richemont und aus Österreich der Mineralölkonzern OMV. Die deutschen Banken dürften von Branchenaussagen bewegt werden, denn in den USA starten JP Morgan und Wells Fargo mit den Berichten zum vierten Quartal. Vor allem die Entwicklung des Rentenhandels steht hier im Fokus.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/flf

END) Dow Jones Newswires

January 05, 2018 08:59 ET ( 13:59 GMT)

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